Das Draxlerhaus in Hohentauern hat kulinarisch lange geschlafen – in der Vergangenheit war nur für Hausgäste und Camper eine Frühstücksmöglichkeit eingerichtet. Noch dazu liegt es etwas versteckt in einer Kurve, wo man etwa bergauf die Bergkulisse im Auge hat. Heute öffnet Küchenmeister Franz Schauer selbst die Tür. „Bitteschön, hereinspaziert“, sagt er, und blickt einen freudestrahlend an.
„Ohne Sünde kann man nicht gut essen“, steht auf der Dessertkarte. Darunter eine Liste, die man guten Gewissens als Sünde bezeichnen darf: Eierlikörcreme im Glas, Bratapfel-Dessert, gebrannte Vanillecreme, veganer Erdbeer-Käsekuchen. Wer es lieber pikant und noch feiner mag, findet weißen Alba-Trüffel mit Barolo-Butter, Rotwild aus der Region oder White-Panther-Garnelen aus Rottenmann.
Szene-Gastronom ist gebürtiger Judenburger
Der neue Pächter ist in der Gastro-Szene kein Unbekannter. Der gebürtige Judenburger verbrachte seine Wanderjahre in der Schweiz, in Frankreich, Italien, Holland und England. In Tirol führte er ein eigenes Restaurant, in Graz stand er unter anderem im Hotel Wiesler am Herd. Nach Hohentauern kam er zunächst als Privatkoch. „Dieses schöne Haus war immer in Sichtweite“, erzählt er. „Aber hier war alles zu. Man bekam nirgends einen Kaffee.“
Jetzt kocht er selbst. Nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit: „Das ist meine Pensionserfüllung“, sagt der 1962 Geborene. Fixe Speisekarten gibt es bei ihm nicht. „Was die Jahreszeit hergibt, kommt auf den Teller.“ Das Wild liefert die lokale Jägerschaft, Gemüse kommt aus eigenem Anbau im Südburgenland. So mancher Kick auf den Tellern kommt von Selbstgemachtem aus dem Vorrat: Chutneys, Marmeladen oder fermentierte Spezialitäten. Und weil Schauer nicht anders kann, bringt er auch ausgefallene Ideen ein: Eine Käse-Melange etwa, eine Hommage an das Schweizer Fondue, mit Kirschschnaps und Parmesan-Crackern.
20 Zimmer gibt es
Das Draxlerhaus soll kein Ort für schnelle Halbe an der Theke werden. Schauers Küche ist offen für individuelle Bedürfnisse. Glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch oder vegan wird auf Vorbestellung gekocht. Gearbeitet wird derzeit vor allem von ihm selbst, Personal zu finden sei schwierig. „Ich suche seit Monaten“, sagt er. Deshalb bleibt der Betrieb bewusst klein. Nur wenige Tische pro Abend, reservieren wird empfohlen.
Das Haus selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Um die Jahrhundertwende erbaut, war es einst Sommerfrische und Hotelbetrieb zugleich. In den vergangenen Jahren verfiel es zusehends. Nun lodert wieder der Kamin im Restaurant, am Morgen wird Frühstück serviert. Auch 20 Zimmer stehen zur Verfügung, benannt nach den umliegenden Gipfeln. „Die Leute sollen merken, dass hier wieder Leben ist“, sagt Schauer.