Ein Knall, und nichts wird jemals wieder so sein wie davor: Am 6. November wurde ein Mann aus dem Bezirk Murtal bei einem furchtbaren Unfall mit einem Linienbus schwer verletzt. Der 69-Jährige überquerte gerade einen Zebrastreifen in der Innenstadt von Judenburg, als ihn der Bus erwischte und über seinen rechten Fuß rollte. Seine Tochter erfuhr von dem Unglück durch Zufall: „Mein Vater leidet an einem Frühstadium von Demenz, er hat immer einen Tracker mit, damit ich weiß, wo er ist. Ich wollte ihn gerade abholen, als der Standort plötzlich auf das Krankenhaus hüpfte – und er hat nicht abgehoben, ich habe ihn immer und immer wieder angerufen. Dann kam schon die Polizei.“
Der Unfall passierte in Sekundenschnelle: „Papa hat nur einen lauten Knall gehört, dann ist er schon am Boden gelegen. Der Bus ist auf seinem Fuß zum Stehen gekommen. Das muss schrecklich gewesen sein, er hat alles mitbekommen“, erzählt die Tochter des Unfallopfers erschüttert. Passanten leisteten erste Hilfe, der 69-Jährige wurde ins nahe LKH Judenburg gebracht. „Dann kam der Hubschrauber und hat ihn nach Graz gebracht. Ich bekam mitten in der Nacht einen Anruf: Der Unterschenkel ist nicht mehr zu retten, er muss unter dem Knie amputiert werden.“ Zudem erlitt der Mann Verletzungen am Schädel und am Ellbogen.
Zeugen werden noch immer gesucht
Passiert ist der Unfall an der viel frequentierten Kreuzung zwischen der Postgasse und der Herrengasse. Der Bus bog nach links ein und erwischte den Mann am Zebrastreifen. „Mir tut der Chauffeur auch leid, wir machen ihm keinen Vorwurf. Er hat es ja nicht mit Absicht gemacht“, seufzt die Tochter des Murtalers. „Es war bereits leicht dämmrig, Papa hatte eine schwarze Jacke an. Der Lenker dürfte ihn einfach übersehen haben.“ Augenzeugen für den Unfall gibt es nicht, die Polizei bittet nach wie vor um Hinweise (059133/6300100).
Während die Ermittlungen laufen, entfaltet sich für die Familie ein menschliches Drama: „Für Papa ist das alles schwer zu begreifen. Ich habe ihn noch nie im Leben weinen sehen, aber da im Krankenhaus, da hat er nur mehr geschluchzt.“ Die größte Angst des Mannes ist, nie mehr gehen zu können, berichtet seine Tochter: „Er ging täglich 30.000 Schritte und hat sein Leben in der Natur verbracht. Nun ist er dauerhaft gehbehindert.“ Mit der Anpassung einer Prothese soll der 69-Jährige wieder mobil werden, „aber das dauert“.
Wohnung ohne Lift, hohe Therapiekosten
Nun kommen allerlei praktische Probleme auf die Familie zu: In Kürze wird der Mann aus dem Krankenhaus entlassen, mit der Reha kann erst in rund acht Wochen begonnen werden, wenn die Wunden abgeheilt sind. Der Steirer wohnt bei seiner Tochter und den zwei Enkelkindern, die Wohnung befindet sich im zweiten Stock ohne Lift. Die Tochter ist verzweifelt: „Wir brauchen eine 24-Stunden-Pflege für den Anfang, Physiotherapie, Psychotherapie, um das Trauma zu bewältigen. Ich fürchte, die derzeitige Wohnung kann von ihm nicht mehr bewohnt werden, also kommt ein Umzug auf uns zu.“ Ins Heim will der rüstige Mann nicht, auch die Familie will das verhindern: „Mein Papa muss jetzt wieder gehen lernen. Das geht nur, wenn er von Anfang an bestmöglich mobilisiert wird.“
Die Tochter und die Enkelkinder motivieren den 69-Jährigen, nicht aufzugeben: „Aber er tut mir von Herzen leid, er hatte so viele Träume für die Pension. Und plötzlich ist alles anders.“
Bis die Ermittlungen abgeschlossen und Versicherungsfragen geklärt sind, wird einige Zeit vergehen. Um der Familie in den nächsten Wochen finanziell unter die Arme zu greifen und anfallende Kosten zu übernehmen startet „Steirer helfen Steirern“ einen Spendenaufruf. Und wir bitten Sie: Helfen Sie mit!