KTM ist die Herzensmarke von Bernhard Walzer. Nicht nur, weil er einst Werksfahrer war und sechsmal Enduro-Staatsmeister wurde. Walzer ist auch wirtschaftlich eng mit dem nun insolventen Konzern verbandelt. Er betreibt den einzigen steirischen KTM-Flagshipstore, also ein für die Marke besonders repräsentatives Geschäft. Es steht an der Zufahrt zum Red Bull Ring in Spielberg, zudem hat Walzer ein KTM-Geschäft in seinem Heimatort Neumarkt. „Ich habe momentan 273 Neufahrzeuge mit einem Wert von mehr als vier Millionen Euro auf Lager, das ist viel zu viel für einen Händler meiner Größe“, seufzt der 51-Jährige.
In erster Linie wolle er aber nicht sich selbst bedauern: „Dass Mitarbeiter ihre Jobs verlieren und kurz vor Weihnachten ihre Löhne nicht ausbezahlt bekommen, tut mir im Herzen weh.“
„Jetzt heißt es zur Bank zu gehen“
Auch er selbst spüre die KTM-Krise: „Ich musste alle Maschinen kaufen, gleichzeitig sind die Kunden verunsichert und warten mit Käufen ab. Jetzt heißt es einmal zur Bank zu gehen, um mehr Liquidität zu schaffen.“ Und er bekomme dieses Geld auch, weil er immer gut gewirtschaftet habe: „Ich bin seit 29 Jahren selbstständig, nur die erste Bilanz war negativ, seit 28 Jahren bilanziere ich positiv“, sagt Walzer, der in seinen KTM-Geschäften und einer freien Autowerkstatt in Neumarkt 14 Mitarbeiter beschäftigt. Walzers „BW GmbH“ macht einen Umsatz von rund sechs Millionen Euro.
Dass beim Konzern alle Warnungen in den Wind geschlagen wurden, ärgert ihn: „Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, bitte hört mit dieser Überproduktion auf. Das haben auch viele andere so gesehen, aber das Management hat es nicht ernst genommen.“ Er habe Managern immer empfohlen, auf starke Händler zu hören, die die größte Nähe zum Kunden haben: „Aber da dringt man bei den obergescheiten Studierten nicht durch“, sagt Walzer. Ein Bonus-System, das den Preiskampf unter den Händlern anheizt, sei ebenfalls kontraproduktiv. In der aktuellen Krise geben es die meisten Händler billiger, in Walzers Geschäften sind Maschinen mit Rabatten von bis zu 20 Prozent angeschrieben.
Die Managementfehler seien zwar unter der Gesamtführung von KTM-Chef Stefan Pierer passiert, verdammen will ihn Bernhard Walzer deshalb aber nicht: „Bei solchen Krisen wird schnell vergessen, was dieser Mann geleistet und aufgebaut hat.“ Die Marke werde stark bleiben, aber es werde einen schmerzhaften Reinigungsprozess brauchen; das Unternehmen müsse „gesund schrumpfen.“
Trotz allem zuversichtlich
Kunden müssten sich um die Fortführung der Marke und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen keine Sorgen machen. „Im Frühjahr wird das Geschäft wieder anspringen, bis dahin tauchen wir schon durch“, gibt sich Bernhard Walzer zuversichtlich. Vielleicht hängt seine Widerstandskraft mit seinem Start als KTM-Händler zusammen. Das war 2008, dem Jahr der großen Finanzkrise.