Der jüngste Stromausfall im Raum Murau-Murtal hat auf Landesebene eine Diskussion um verpflichtende Notstromversorgung für Pflegeeinrichtungen ausgelöst. Der Vorfall hat gezeigt: Eine große Zahl von Heimen ist auf Stromausfälle nicht vorbereitet; mehrmals mussten Feuerwehren ausrücken, um mit ihren Aggregaten auszuhelfen. 38 Bewohner des Caritas-Pflegewohnhauses St. Lambrecht wurden sogar evakuiert. Sieben stärker Pflegebedürftige kamen etwa ins „Elternhaus“, ins Pflegeheim der Stadt Murau.

Aggregat sprang sofort an

Dort war von einem Stromausfall nämlich nichts zu merken, von der Heizung über medizinisches Gerät bis zum Küchenherd lief alles normal. Warum? Weil dort, ähnlich wie in Krankenhäusern, die Notstromversorgung in der Sekunde des Ausfalls automatisch angesprungen ist.

„Wir haben das Aggregat vor genau zwei Jahren in Betrieb genommen“, erzählt Bürgermeister Thomas Kalcher (ÖVP), der vor einem knallroten, gut vier Meter langen, 2,6 Meter hohen und 1,6 Meter breiten Gerät steht. Unauffällig ist es dort platziert, am Rande des großen Pflegeheim-Parkplatzes, überdacht und mit einem Gitter abgesperrt. Es ist mit einem 1500-Liter-Dieseltank ausgestattet und leistet 250 Kilowatt, damit könnte man ungefähr 50 Einfamilienhäuser versorgen. Das „Elternhaus“ mit seinen 119 Pflegebetten hätte das Gerät mit einer Tankfüllung über mehrere Tage versorgen können.

Das „Elternhaus“ in Murau war auch während des Stromausfalls mit Strom versorgt. Ganz rechts hinten steht unauffällig das Notstromaggregat
Das „Elternhaus“ in Murau war auch während des Stromausfalls mit Strom versorgt. Ganz rechts hinten steht unauffällig das Notstromaggregat © KLZ/Josef Fröhlich

„Das hat die Stadt samt den notwendigen Installationsarbeiten 170.000 Euro gekostet, und wie allein dieser Vorfall gezeigt hat, es ist jeden Euro wert“, so der Bürgermeister. Im Umkreis befinden sich die WM-Halle als großer Veranstaltungsort und die Mittelschule. Die beiden Gebäude wurden auch mit dem Notstromgerät verkabelt, könnten also bei Bedarf mitversorgt werden. „Aufgrund des Stromausfalles will ich jetzt die Problematik weiter vertiefen, wenn notwendig rüsten wir um ein zweites Gerät auf“, sagt Kalcher.

„Veranstaltungssäle mit Notstrom versorgen“

Der Bürgermeister meint, so gut wie jede Gemeinde habe einen Veranstaltungssaal und sollte danach trachten, diesen mit Notstrom zu versorgen: „Wenn so etwas länger dauert, können sich die Menschen dort wärmen und man kann Essen richten, denn diese Säle sind meist mit Küchen ausgerüstet.“

Weil es da auch um Treibstoff geht, will er nun eine eigene Tankstelle errichten lassen. Die Feuerwehren seien zwar großteils mit Treibstofflagern ausgerüstet, aber nur bis zu einer Höchstmenge von 1000 Litern. Darüber hinaus sei der gesetzlich vorgeschriebene technische Aufwand für die Lagerung deutlich größer. Kalcher denkt an eine Treibstoffvorrats-Untergrenze von 10.000 Litern. „Sind wir als Gemeinde gut gerüstet, hilft das im Notfall auch den Einsatzorganisationen, weil sie sich besser auf ihre ureigensten Aufgaben konzentrieren können“, so der Murauer Bürgermeister. Weder die Gemeinde noch die Bürgerinnen und Bürger sollten sich seiner Meinung nach auf den Standpunkt zurückziehen: „Die Feuerwehren werden es schon richten.“