Dieser Mann hat schon viele Menschen in einen neuen Lebensabschnitt begleitet. Aktuell steht er exakt bei 2000: Sie alle haben sich bei Helmut Schweiger, Standesbeamter in Mariazell, offiziell das Ja-Wort gegeben.

Viele fahren in den beliebten Wallfahrtsort, um dort den Bund der Ehe einzugehen. Vor 70 Jahren war die prachtvolle Basilika der große Anziehungspunkt, um kirchlich zu heiraten. Dann hat man die standesamtliche Trauung in dem Gnadenort gleich mitgemacht.

Die Basilika war etwa in den 1950er-Jahren für viele Brautpaare ein Grund, in Mariazell zu heiraten. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert, Mariazell als Hochzeitsort ist aber weiterhin sehr beliebt
Die Basilika war etwa in den 1950er-Jahren für viele Brautpaare ein Grund, in Mariazell zu heiraten. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert, Mariazell als Hochzeitsort ist aber weiterhin sehr beliebt © KLZ / Fred Lindmoser

Heute sind die Trauungen in der Kirche seltener geworden, nicht zuletzt, weil so viele Pilger kommen. Mariazell als beliebter Hochzeitsort ist aber geblieben. Schweiger ist mittlerweile selbst eine Institution, was das Heiraten angeht.

1988 traute er das erste Paar, dieser Tage war das Tausendste an der Reihe. In dieser Zeit hat er viel erlebt: „Es waren sicher Menschen aus 30 verschiedenen Nationen dabei. Das war für mich immer spannend, wann beschäftigt man sich sonst schon einmal mit dem Eherecht in Südamerika“, schmunzelt er.

Fremdenpolizei bei der Hochzeit

Erlebt hat er viel, neben echten Glanzhochzeiten war auch so manches Hoppala dabei: Eine Braut mit chinesischer Staatsbürgerschaft passte die Fremdenpolizei etwa ausgerechnet bei ihrer Hochzeit in Mariazell ab.

Das Lustige: „Drei, vier Wochen später war das Paar wieder bei mir. Sie hatten den Bescheid beeinsprucht, Recht bekommen und sich dann wieder hier getraut.“

Helmut Schweiger (rechts) war 27 Jahre Kapellmeister in Mariazell
Helmut Schweiger (rechts) war 27 Jahre Kapellmeister in Mariazell © Fred Lindmoser

Auch in Sachen Musikbeiträge hat Schweiger schon Kurioses erlebt: „In Erinnerung geblieben ist mir ein Musiker, dessen Gitarre so dermaßen verstimmt war, dass ich fast nicht zuhören konnte“, verzieht er das Gesicht.

Dazu muss man wissen: Schweiger war 27 Jahre Kapellmeister, hört jeden falschen Ton. „Der Mann hat die Noten vom Handy abgelesen und musste immer wieder unterbrechen, um selbst weiterzuwischen.“

Ansonsten liebt Schweiger, der stundenlang Episoden über vergessene Ringe erzählen kann, auch kleine Kinder bei der Trauung. „Sie können oft trotz allem guten Zureden nicht still sitzen und bringen Leben hinein. Das mag ich.“

Er hat auch ein Hobby im Laufe der Jahre entwickelt und sammelt die vielfach zurückgebliebenen Ringetuis: Dutzende aus aller Herren Länder sind dabei. Und wie sieht‘s mit der eigenen Ehe aus? „Die hält seit 1992 und ist gut“, schmunzelt er. Sein persönlicher Tipp, um zusammenzubleiben: „Kommunikation ist ganz wichtig.“