Vorpremieren sind für Wolfgang Feistritzer ein wesentlicher Bestandteil seines Schaffensprozesses. Bevor er mit seiner Kunstfigur „Petutschnig Hons“ und einem neuen Programm auf große Tour geht, wird es bewusst in kleineren Häusern geschärft – dort, wo das Publikum unmittelbares Feedback liefert. Oder wie er selbst augenzwinkernd meint: „Sehen kann ich die Leute ja nicht – ich hab vier Dioptrien und geh‘ ohne Brille auf die Bühne!“

Am Mittwochabend präsentierte er den Gästen des Dachbodentheaters in Bruck an der Mur sein neues Programm „Hons im Glück“. Mit dem Veranstaltungsort verbindet der Feistritzer eine lange Geschichte: Bereits seit 2005 ist er hier immer wieder zu Gast, und auch der persönliche Draht – etwa durch frühere Regiearbeiten von Andi Peichl – ist bis heute spürbar.

Von links: Fritz Kabinger (Dachbodentheater Bruck), Daniel Roßmann (Manager von Petutschnig), Petutschnig Hons und Andi Peichl (Dachbodentheater Bruck)
Von links: Fritz Kabinger (Dachbodentheater Bruck), Daniel Roßmann (Manager von Petutschnig), Petutschnig Hons und Andi Peichl (Dachbodentheater Bruck) © KLZ / Tamara Himsl

Inhaltlich nimmt „Hons im Glück“ das Leben am Land humorvoll unter die Lupe. Im Zentrum stehen Generationskonflikte am Bauernhof, auf dem gleich vier Generationen unter einem Dach leben. Während der Sohn schon von Modernisierung träumt, hält der 99-jährige Großvater weiterhin die Fäden in der Hand – sofern er nicht gerade als „Taxitänzer“ nach der Tombola-Nacht im Schlatzinger Altersheim aushilft.

Nebenerwerb von Nöten

Die Aussagen reichen vom wirtschaftlichen Druck in der Landwirtschaft bis zu skurrilen Stadt-Land-Unterschieden. Wenn er etwa meint, man brauche heute „einen guten Job, einen Lottogewinn und einen Onlyfans-Account“, um als Bauer über die Runden zu kommen, bleibt im Publikum kein Auge trocken. Zu Social Media und überspitzten Unterschieden zwischen Stadt- und Landkindern heißt es: „Wenn Stadtkinder auf die Alm gehen (müssen), besteht die größte Sorge darin, ob es da WLAN gibt, damit sie ChatGPT fragen können, wie die Alm heißt. Unsere Kinder am Land lernen schon mit drei Jahren, ein Kalb aus dem Stacheldraht zu ziehen.“

An Pointen wurde nicht gespart
An Pointen wurde nicht gespart © KLZ / Tamara Himsl

Aufgelockert wird das Programm immer wieder durch musikalische Einlagen. Die Lieder – inhaltlich nah am bäuerlichen Alltag – sorgten nicht nur für zusätzliche Lacher, sondern luden das Publikum auch zum Mitklatschen und Mitsingen ein. Und selbst wenn der Gesang dabei „schief“ wirkte, machte genau das den Charme aus. Das Publikum in Bruck zeigte sich zumindest begeistert: Viel Applaus, herzhaftes Lachen und spürbare Nähe zwischen Künstler und Zuschauern.

Das Publikum war begeistert
Das Publikum war begeistert © KLZ / Tamara Himsl