Leise knarzen die schiefen Holzstufen beim steilen Aufstieg zum Dachboden der Brucker Minoritenkirche. Stockfinster wäre es dort oben, wären da nicht die dutzenden kleinen Löcher, durch die vereinzelte Sonnenstrahlen eindringen. Sie offenbaren ein unschönes Bild: Große Mengen an weiß-grauem Taubenmist bedecken einige der schweren Dachbalken und vermischen sich am Boden mit Staub und Holzresten.
Weil es zudem immer wieder zu Wassereintritten kommt und Teile des undichten Daches sich lösen, ist seit Jahren klar, dass am desolaten Kirchendach Sanierungsbedarf besteht. Um diese Arbeiten zu finanzieren, sammelt die Pfarre Spenden und geht dabei durchaus kreative Wege: So begann man etwa vor genau einem Jahr ein eigenes Kirchenbier zu verkaufen, dessen Erlös der Sanierung des Daches zugutekommen sollte. Motto: „Wir wollen dicht werden!“
Josefitag gibt Startschuss
Genaue Zahlen zum Verkauf will man zwar nicht nennen, Pfarrer Clemens Grill weiß aber, dass man zwischen 7000 und 8000 Flaschen unter die Leute bringen konnte. „Da ist aber natürlich noch Luft nach oben“, räumt Grill ein und erklärt: „Wir wollen dieses gut ankommende und süffige Bier den Menschen wieder näher bringen.“ Eine Möglichkeit dafür bietet sich schon bald am Josefitag (19. März), den man bei der Minoritenkirche groß feiern wird.
Am Feiertag des Schutzpatrons für die Zimmerer und Tischler soll nämlich mit der symbolischen Verlegung eines Dachziegels der formelle Startschuss für die Dachsanierung fallen, die mit 23. März offiziell losgeht. Die Pläne dafür wurden nun von der Diözese und dem Bundesdenkmalamt genehmigt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 340.000 Euro, finanziert werden diese unter anderem vom Land Steiermark und durch ein zinsenloses Darlehen der Diözese Graz-Seckau.
Arbeiten bis Mai
„Zuerst wird das gesamte Ziegelmaterial abgeräumt, dann müssen sämtliche Dachlatten erneuert werden, weil die Abstände zwischen den Sparren weit über der Norm liegen“, erklärt Werner Hilber, der sich als Teil des Kuratoriums für den Erhalt der Brucker Minoritenkirche seit fast 20 Jahren für deren Erhalt und Renovierung einsetzt. Im Anschluss werden Rundziegel in zwei verschiedenen Längen am Dach verlegt, „das bedeutet einen wesentlichen Mehraufwand für die Dachdecker“, betont Hilber.
Zusätzlich werden neue Dachrinnen montiert und die Dachwasserableitung angepasst. Um all diese Arbeiten durchzuführen, wird unter anderem ein großer Kran am Minoritenplatz aufgestellt. „Ich rechne damit, dass die Dachdeckerarbeiten bis Mai abgeschlossen sein werden“, so Hilber. Heilige Messen finden in dieser Zeit weiterhin normal statt, hält Grill fest.
Kirtag am Josefitag
Auch am 19. März wird um 18 Uhr nach dem offiziellen Festakt ein Gottesdienst gefeiert, bei dem man sich bei den vielen Spenderinnen und Spendern bedanken und für den guten Verlauf der Dachsanierung bitten will. „Die Bischöfe sind an diesem Tag natürlich schon lange reserviert, wir haben daher lange überlegt, wen wir als Priester einladen sollen“, erzählt Grill und freut sich: „Der Leiter der Franziskanerminoriten in Österreich, Bernhard Lang, wird mit uns feiern.“
Das Festprogramm vor dem Gottesdienst beginnt bereits um 15 Uhr mit einem kleinen Kirtag und wird laut Organisator Karl-Heinz Bachler von mehreren traditionellen Vereinen begleitet. Darunter finden sich der Heimatverein Madereck, der Trachtenverein Rossecker und die Rennfelder z‘Bruck, während die regionalen Bäuerinnen und Bauern für das leibliche Wohl sorgen.