„Ich möchte andere warnen“, sagt die Obersteirerin, die mit beiden Beinen im Leben steht, aber lieber anonym bleiben will. Dass sie auf einen Online-Betrug hereinfallen würde, hätte sie sich nicht gedacht. „Ich passe eh so auf und man kennt auch die Fälle und warnenden Beispiele.“

Dennoch überwies sie am Ende – ohne ihr Wissen – mehrmals eine stolze Summe an Betrüger im Ausland. „Es ist unglaublich, wie gefinkelt sie dabei vorgehen“, schüttelt sie den Kopf.

Achtung und Hände weg vor dieser Nummer! Sie hat nichts mit der Plattform Booking.com zu tun. Eine Obersteirerin wurde bei  einem Telefonat mit den „Mitarbeitern“ dort um Tausende Euro erleichtert
Achtung und Hände weg vor dieser Nummer! Sie hat nichts mit der Plattform Booking.com zu tun. Eine Obersteirerin wurde bei einem Telefonat mit den „Mitarbeitern“ dort um Tausende Euro erleichtert © Privat

Begonnen hat alles damit, dass sie für ihren Sohn ein Hotel am Obertauern buchen wollte. Ein Skiwochenende mit Freunden, er sollte nachkommen, alles möglichst schnell gehen.

Telefonnummer statt App

Das Hotel wurde über Booking.com gebucht, dann reifte im Sohnemann die Erkenntnis: Das Zimmer wird doch nicht benötigt. Bitte schnell stornieren. Die auf der Plattform nicht so versierten Eltern wollten das per Telefon erledigen und suchten die Nummer im Internet. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Im ersten Moment wurde jedoch nichts Verdächtiges bemerkt.

„Herzlich willkommen bei Booking.com“

Es meldete sich ein Band: „Herzlich willkommen bei Booking.com“, erzählt die Frau. Nichts ließ sie daran zweifeln, dass sie woanders gelandet sein könnte. Dann meldete sich ein Mann, er sprach gut Deutsch, war hilfsbereit. „Er sagte, dass er seinen Chef informieren müsse, das Stornieren sei kein Problem.“

„Ich sollte nur eine App installieren, damit das Geld zurücküberwiesen werden kann. Ich bin im Auto gesessen, mein Mann ist gefahren, ich hab mich so auf das Handy konzentriert, dass ich es einfach gemacht habe.“

Das Zimmer für ein Skiwochenende am Obertauern kostete 311 Euro, die vermeintliche „Stornierung“ ein Vielfaches
Das Zimmer für ein Skiwochenende am Obertauern kostete 311 Euro, die vermeintliche „Stornierung“ ein Vielfaches © APA / Barbara Gindl

Der vermeintliche Booking-Mitarbeiter verwickelte sie weiter in ein Gespräch, erklärte, dass er gewisse persönliche Daten benötige, um alles ordnungsgemäß abzuwickeln. Zuletzt bat er sie, eine Ziffernfolge einzugeben, zum Beispiel 999. „Er hat gesagt, es ist egal, welche Zahlen, das sei nur formhalber“, so die Frau.

Die Zahlenfolge war aber nicht zufällig, es handelte sich dabei um 999 Euro, die von ihrem Konto abgebucht werden sollten. Dann musste sie am Handy etwas bestätigen. „Ich hab‘ im ersten Moment gedacht, es geht um die Rückzahlung.“

Vermeintliche „Rückbuchung“ bestätigt

Der Vorgang wiederholte sich einige Male. „Erst dann ist es uns mit dem Bestätigen komisch vorgekommen.“ Sie legte auf. Als sie das Konto kontrollierte, fehlten fast 4000 Euro. Kartenbetreiber und Bank wurden sofort informiert, allerdings – keine Chance – sie habe die Zahlungen alle via Handy freigegeben.

Das Zimmer, übrigens um 311 Euro, war natürlich nicht storniert worden. Die Frau war Betrügern auf den Leim gegangen, die im Internet Telefonnummern auf Seiten veröffentlichen, die dem offiziellen Booking.com zum Verwechseln ähnlich sehen. „Wir haben die Sache angezeigt, auch einen Anwalt eingeschaltet.“

Betrüger sitzen meist im Ausland

Dabei konnte festgestellt werden, dass ein Teil des Geldes nach Zagreb, ein Teil nach Luxemburg ging. Die Chance, etwas wiederzubekommen, sei gering. „Die Beamten haben uns gesagt, dass man die Täter im Ausland so gut wie nie erwischt.“

Experten warnen explizit vor solchen Betrügern. „Vergewissern Sie sich immer, dass Sie sich auf der offiziellen Website von Booking.com oder in der offiziellen App befinden“, heißt es etwa beim Institut für angewandte Telekommunikation. Und: „Geben Sie niemals Fernzugriff auf Ihr Gerät und installieren Sie keine Software auf Anweisung angeblicher Support-Mitarbeiter.“