Venedig war es, wo Wilfried Eichlseder aus Leoben das erste Mal auf den Auslöser einer Fotokamera drückte. Es sollte für ihn der Startschuss für eine lebenslange Leidenschaft sein. „Ich habe als Kind mit der Fotografie begonnen, das war ein Familienurlaub. Ich war gerade einmal zehn Jahre alt“, erinnert sich der emeritierte Rektor der Montanuniversität Leoben.

Ausstellung im Kleine Zeitung-Regionalbüro

Derzeit stellt Eichlseder einen beeindruckenden Bilderbogen zum Thema „Nordnorwegen“ im Leobener Regionalbüro der Kleinen Zeitung aus, der während der Öffnungszeiten jederzeit besichtigt werden kann. Außerdem gibt es bei einem „Künstlertreff“ im Regionalbüro am Freitag, dem 20. März, die Möglichkeit, von 10 bis 11 Uhr mit dem Fotografen persönlich ins Gespräch zu kommen.

Seit Jahrzehnten hat sich Eichlseder auf Landschaftsfotografie spezialisiert: „Das ist wunderbar, da kann man die schönsten Orte der Welt besuchen und hat, wie ich, auch die Möglichkeit, das gemeinsam mit seiner Frau zu tun“, erzählt Eichlseder. Er habe das große Glück, dass seine Frau die Geduld aufbringe, die man benötige, wenn man mit einem passionierten Fotografen reise.

Die himmlische Ruhe begeistert

Die himmlische Ruhe, die man bei der Landschaftsfotografie bestenfalls habe, begeistere ihn besonders, meint Eichlseder: „Ich könnte mir vorstellen, dass es leidenschaftlichen Fischern ähnlich geht wie mir, wenn ich für das Fotografieren mein Stativ aufbaue.“ Er sei jedenfalls jemand, der sich sehr genaue Gedanken über die kompositorische Gestaltung seiner Bilder mache.

Da kommt es schon einmal vor, dass er ein und denselben Ort – wenn möglich – mehrmals hintereinander aufsucht, um das gewünschte Motiv bei verschiedenen Licht- und Himmelsverhältnissen abbilden zu können. Ohne einen Hauch Ungeduld wartet Eichlseder auch immer wieder, dass der Himmel die Farbe, die Klarheit oder das Bewölkungsmuster hat, das er sich vorstellt. So wird der engagierte Fotograf zum Wolkenschieber.

Worauf Eichlseder ebenfalls großen Wert legt, ist die akribische digitale Nachbearbeitung seiner Werke. „Der zeitliche Aufwand dafür ist auch noch einmal beträchtlich“, meint er. Zuletzt hat er die Zeche Zollverein im Ruhrgebiet in Deutschland und die Donawitzer Industrieanlagen in Leoben in Szene gesetzt. Die nächsten Projekte? Landschaften in Süddeutschland und eine Reise auf die Färöer-Inseln.

Landschaften und Motorsport

Zweimal im Jahr betreibt Eichlseder nach wie vor Motorsport-Fotografie – also ein ganz anderes Metier, in dem man einen flinken Finger am Auslöser braucht. Da fährt er immer zu einer Motocross Veranstaltung in Paldau und zur MotoGP in Spielberg. Auf die Art und Weise knüpft Eichlseder einen Faden zu der Motorsportfotografie, in die er sich als junger Mann vertieft hat.

Damals war der große Schritt der Start in die Farbfotografie mit 15 Jahren und seine erste Spiegelreflexkamera, die er im Alter von 16 Jahren bekommen hat. „Ich war bei diversen Motorsportveranstaltungen, habe fotografiert, in der Nacht die Bilder ausgearbeitet und sie den Fahrern am Tag darauf um ein paar Schilling verkauft“, erinnert sich Eichlseder. So habe er sein Hobby finanziert.

Neustart mit der Digitalfotografie

Es sei dann die Reisefotografie gefolgt, wobei er das Fotografieren einige Jahre zurückgefahren habe: „Ein paar Jahre lang habe ich auf Reisen nur Dias angefertigt. Der echte Neustart ist dann 2002 mit der Einführung der Digitalfotografie erfolgt.“ Seither habe er zwischen 300.000 und 400.000 Fotos gemacht. Ausgestellt hat Eichlseder allerdings erst einmal – 2012 im Café Mittndrin in Leoben. „Spiegelungen“ betitelte sich die Werkschau damals.