''Die Partei'' stellt Programm vorMit Weltraum-Bahnhof und veganem Zoo auf den Bürgermeister-Stuhl

Es sind sensationelle Ideen, die "Die Partei" in Graz umsetzen will - mit einem sensationellen Wahlziel, das man anpeilt. Nur bei ganz wenigen Themen hört sich der Spaß auf.

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Anna Prem, Gerald Schachner, Nikita Reichelt und Melanie Scherret © Nina Müller
 

Nicht einmal, dass sich im "ParksArt" die Plakate während der Pressekonferenz von der Wand lösen, bringt Nikita Reichelt aus der Ruhe. "Wie Sie sehen, haben wir sogar interaktive Plakate, die sich dreidimensional in den Raum einfügen", sagt der Spitzenkandidat von "Die Partei" (DÖP) und selbsternannte "Statthalter von Graz". "Die Partei" ist ein Ableger jener deutschen Satirepartei, die 2004 von Redakteuren der "Titanic" gegründet wurde. Mit dem Vorsitzenden Martin Sonneborn ist man sogar im EU-Parlament vertreten, im Deutschen Bundestag sitzt Marco Bülow als fraktionsloser Abgeordneter.

Ziel: Den Bürgermeister ablösen

Die steirische "Partei" trat erstmals im Zuge der Corona-Demonstrationen im Vorjahr öffentlich in Erscheinung, als man kurzerhand jeden Samstag den Grazer Hauptplatz in Beschlag nahm und ihn mit Demonstrationen mit Themen wie "gegen alles Schlechte" besetzte. Bald darauf verkündete man auch, bei der Gemeinderatswahl kandidieren zu wollen. Das tut man nun, als eine von insgesamt 14 Listen, und mit einem umfangreichen Themenpaket - und einem beherzten Ziel: Mithilfe der Stimmen aller Nichtwählerinnen und Nichtwähler "plus jenen der Neos" will man die absolute Mehrheit in Graz schaffen und Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) ablösen, den Reichelt als seinen "direkten Kontrahenten" bezeichnet.

Digitaler Uhrturm, Groß-Jakomini

Kernthema im Wahlprogramm von DÖP ist die Digitalisierung des Uhrturms - damit wolle man den Grazerinnen und Grazern eine große Zeitersparnis im Alltag ermöglichen. "Dabei hätte die Idee mit den verkehrten Zeigern auch von uns sein können", sagt Gerald Schachner, mit dem DÖP auch im Bezirksrat Jakomini kandidiert. Erklärtes Ziel: "Wir wollen den Jakominiplatz und St. Leonhard wieder eingliedern, aber das ist nur der Anfang. Wir wollen Jakomini zu Groß-Jakomini machen."

Weltraumbahnhof, unterirdischer Flughafen

Eines der Herzstücke im Programm ist außerdem das "Projekt Styrion" - es geht um nichts weniger als einen Weltraumbahnhof im Herbersteingarten am Schloßberg. Von hier aus sollen Marsmissionen starten, um den Grazerinnen und Grazern eine Flucht aus dem tristen Winter zu ermöglichen. Außerdem, so verrät der "Bürgermeisterkandidat der Herzen", Nikita Reichelt, wolle man eine Inlands-Spaceshuttle-Fluglinie mit Wien-Albern (Alberner Raumhaufen) einrichten. Für den  Flughafen hat man aber auch Pläne: Dieser soll unter die Erde verlegt werden - und so CO₂-neutral gemacht werden - "denn dann kommen ja keine Flugzeuge mehr hin", erklärt Reichelt das Offensichtliche.

Veganer Zoo, zusammengelegte Parks

Für den frei gewordenen Platz des Flughafens präsentiert die "Tierquälerei- und Menschenstrafverfolungsbeauftrage" Anna Prem auch gleich eine Idee: Ein veganer Zoo soll mit Tierhologrammen auskommen, die Tiere werden durch ausgebildete Tierstimmen-Imitatoren und -Imitatorinnen "akustisch zum Leben erweckt". Was wiederum auch wieder Arbeitsplätze schaffe.

Keine Partei, die nicht mehr Grün für Graz fordert: Hier schwebt der "Partei" eine gewaltige Aufforstung mitten im Stadtraum vor - Augarten und Stadtpark sollen zum "Stadtgarten" zusammenwachsen, Graz soll damit seinen eigenen "Central Park" samt eigenem See bekommen.

Auch zu den Themen Wirtschaft ("Megakonjunkturpaket", "Marktwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit, Renditen, Arbeitsplätze, bla bla bla") und Kultur ("Mehr Katzenvideos") gibt es Programmpunkte. Im öffentlichen Raum denkt man eine "Skatepflicht auf allen Grazer Plätzen" an.

Im Ernst: Für direkte Demokratie und gegen Gewalt

Ganz im Ernst möchte man aber für eine direktere Demokratie Bürgerinnen- und Bürgerräte in Graz installieren. Und bei einem Thema versteht man ganz und gar keinen Spaß: Wie die "Beauftragte für Drogenpolitik und Tanzkultur", Melanie Scherret, sagte, fordere man nach der erschreckenden Anzahl an Frauenmorden in Österreich heuer "ein entschiedenes, präventives Vorgehen der Stadtregierung gegen die gewalttätigen Auswüchse des Patriachats".

Kommentare (2)
gickigacki
3
3
Lesenswert?

nervt

nervt und es sind verlorene stinmen

Hgs19
5
5
Lesenswert?

Unwählbar!

Und dafür gibt es dann auch noch Steuergelder?!