Der Mittwoch hat sich schon längst als Standard-Feiertag der Grazer Jugend etabliert. Wenn dann der folgende Donnerstag auch noch ein Feiertag – und für viele Auftakt zu einem verlängerten Wochenende – ist, dann erklärt sich die Mann- und Fraustärke des Partyvolks von selbst. Die finalen Zutaten: Heißes Wetter und diverse Aufrufe in den sozialen Medien, eine ganz bestimmte Tradition wiederzubeleben: die Stadtpark-Partys. Und zuletzt meldeten sich schon Anrainer in der Redaktion, um besorgt auf die wieder anschwellende nächtliche Lärmkulisse hinzuweisen.

"Wie in der Hochphase des Stadtparks"

Wer am Mittwoch ab dem späteren Abend durch den Stadtpark spazierte, kam nicht umher, die Feierlaune aufzusaugen: Eine ABBA-singende Gruppe hier, eine Rocker-Gruppe da. Knapp nach Mitternacht erklang ein kräftiges, aber nicht mehr ganz tonhöhensicheres "Happy Birthday".

Es bildeten sich im Park Dutzende Gruppen von zehn bis 20 Leuten, manche tanzen, manche sitzen entspannt im Kreis, mit einem Bier in der Hand. Sogar ein Kinderwagen stand zu später Stunde neben einer Gruppe, ob sich darin auch ein Kind befand, ist nicht überliefert. Johannes (23) fasst zusammen: "Es ist eine Nacht, fast wie in der Hochphase des Stadtparks vor einem Jahr, ein super Comeback!"

© Philipp Axmann

Kleinere Gruppen, weniger Exzess

Freilich, ganz so exzessiv wie während des Disco-Lockdowns war die Stimmung nicht: Die Gruppen vermischten sich weniger, als in den legendären Frühlingsmonaten 2021. Das dürfte auch die Holding Graz freuen: Die kleineren Gruppen führten zu zivilisiertem Verhalten, kaum Müll war auf den freien Flächen zu finden, der meiste Abfall landete, wo er hingehört.

Der geringere Massenansturm dürfte auch an der Konkurrenz liegen: Im Gegensatz zu 2021 hatten die Discos am Mittwoch selbstverständlich geöffnet. Im Uni-Viertel und in seinen Bars tummelten sich mindestens ebenso viele wie im Stadtpark. Aber einige gaben dem Stadtpark ganz bewusst den Vorzug: "Corona macht mir zwar im Moment keine so großen Sorgen, aber draußen ist man schon noch sicherer, ich feiere sowieso viel lieber hier an der frischen Luft!", erzählt die 24-jährige Lisa.

Der Müll, wo er hingehört
© Philipp Axmann

Polizei: "eine ruhige Nacht"

Die Lautstärke der einzelnen Gruppen hielt sich – wider mancher Erwartung – einigermaßen in Grenzen. Außerhalb des Parks war die Party nur noch schwach zu hören. Die Polizei war eher routinemäßig unterwegs. Fünf Polizistinnen und Polizisten durchzogen den Park gemeinsam mit einem Drogen-Spürhund. Stand 23 Uhr hat er noch nichts gefunden. Und auch sonst war es für die Beamten eine ruhige Nacht, wie eine Polizistin erzählt: "Bis jetzt gab es keine besonderen Zwischenfälle." Ob der Mittwoch vor Fronleichnam die Renaissance der Stadtpark-Partys einläutet, werden erst die nächsten Wochen zeigen.

Anrainer – nicht nur des Stadtparks, sondern auch im Uni-Viertel – klagten indes am Donnerstag über eine "weitere schlaflose Nacht" in den Gassen von Geidorf und St. Leonhard, über Scherben und Erbrochenem auf den Straßen und einen Wirbel die ganze Nacht. Es sind freilich die Tage der mündlichen Matura, deren Nächte für die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen ganz offensichtlich zum Feiern da sind.