Einen Tag nach dem Doppelmord an Mutter und Bruder sowie dem anschließenden Suizid eines 60-Jährigen in Graz gibt es immer mehr Erkenntnisse über den Hintergrund der tragischen Tat. Diese hat sich in der Grazer Leonhardstraße nur wenige Meter vom Schulgebäude der Privatschule Ursulinen ereignet. Die Straßensperre und vor allem der Einsatz der schwer bewaffneten Cobra-Beamten haben dort für bange Minuten gesorgt.
"Es war schon eine beängstigende Situation", schildert die Direktorin, Schwester Anna Kurz. Der erste Einsatz durch schwer bewaffnete Polizisten der Cobra passierte zwischen 7 und 8 Uhr morgens, als die ersten Schüler bereits in der Schule waren, die meisten aber noch am Schulweg. Zunächst war es noch unklar, was den Einsatz ausgelöst hatte und ob Gefahr für die Schule bestehe, das Gerücht einer Geiselnahme machte die Runde. Viele besorgte Eltern riefen an und wollten wissen, was los ist, teils standen sie wegen der Straßensperre im Stau. "Es war ein aufregender und anstrengender Tag für uns", sagt Kurz.
"Auf eine solche Situation kann man sich nicht vorbereiten"
Auf Anraten der Polizei ließ man in der Schule die Rollos hinunter und räumte den Westtrakt des Gebäudes, in dem mehr als 20 Klassen des Gymnasiums, aber auch der Volksschule untergebracht sind. "Auf eine solche Krisensituation kann man sich eigentlich gar nicht vorbereiten, aber es hat ganz gut funktioniert und ist ruhig abgegangen", schildert die Direktorin, die selbst immer wieder Durchsagen in der Schule machte, um die Schülerinnen und Schüler zu beruhigen.
Kurz nach acht Uhr hatte sich die Situation bereits entspannt, nachdem klar war, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Straßensperre konnte aufgehoben werden. "Das Kollegium hat die Situation gut abgefangen, mit den Kindern gesprochen und ihre Fragen beantwortet, ein Kriseninterventionsteam haben wir nicht gebraucht", sagt Kurz. Mit Verspätung konnte dann ein fast normaler Schultag beginnen: "Ein paar Klassen haben sogar noch ihre Schularbeit geschrieben."