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GrazKann der Uhu die Seilbahn stoppen? Zehn Fragen zur Plabutsch-Gondel

Mit der Seilbahn von Eggenberg über den Plabutsch zum Thalersee: Zehn Antworten zum schwarz-blauen Millionenprojekt.

++ HANDOUT ++ RENDERING: STEIERMARK / GRAZER WESTEN BEKOMMT GONDELBAHN UeBER DEN PLABUTSCH ZUM THALERSEE
© APA/THE RENDERERS
 

1. Wie viel Geld kostet die Seilbahn auf den Plabutsch nun wirklich – 35 oder 41 Millionen Euro?

Der reine Seilbahnbau wird mit 35 Millionen Euro veranschlagt. Für das Gesamtprojekt kommen aber noch weitere Kosten dazu: drei Millionen Euro sind für Grundstückskäufe notwendig, 3,4 Millionen Euro fließen in das Restaurant am Thalersee und um 250.000 Euro kauft die Stadt Graz den Bundesforsten 40 Prozent des Thalersees selbst ab – macht gesamt unterm Strich gut 41 Millionen Euro. Finanziert wird das teilweise aus Mitteln für die Grünraumoffensive sowie aus dem Investitionsbudget der Stadt – also durch neue Kredite.

2. Wann wird mit dem Bau begonnen?

Ein genaues Datum gibt es noch nicht – und es hängt ganz entscheidend davon ab, ob es eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) braucht. Im Dezember beantragt die Stadt Graz formal den UVP-Feststellungsbescheid – und geht davon aus, dass es keine UVP braucht. Dann könnte die Seilbahn im Frühjahr 2022 fertig sein. Erfahrungswerte im Land besagen: Ein Projekt dieser Größenordnung und in dieser sensiblen Lage – Landschaftsschutzgebiet, geschützte Tiere – wird um eine UVP nicht herumkommen.

Neue Seilbahn: gondelt auf den Plabutsch

Die Talstation in Graz ist in der Peter-Tunner-Straße entfernt, 200 Meter von der Endstation der Straßenbahnlinie 1.

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Die Bergstation ist 362 Meter höher am Plabutsch neben dem Bergheurigen Fürstenstand.

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Die Trasse ist insgesamt 5,1 Kilometer lang: 1,8 Kilometer von Eggenberg auf den Plabutsch, 2,3 Kilometer dann hinunter zum Thalersee.

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Der Plabutsch ist damit nach dem Schöckl und dem Schloßberg der dritte - ähm - Berg, der eigens von der Stadt Graz für Freizeitzwecke erschlossen wird.

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2019 soll auch das Restaurant am Thalersee "revitalisiert" um rund 3,6 Millionen Euro werden.

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Auch beim See selbst wird sich die Stadt Graz einkaufen und übernimmt um 250.000 Euro die 40 Prozent der Bundesforste. 60 Prozent bleiben weiter im Eigentum der Gemeinde Thal.

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3. Können Fledermäuse und Uhus die Seilbahn verhindern?

Neben der Tatsache, dass der Plabutsch Landschaftsschutzgebiet ist, würde die Seilbahn vor allem den Lebensraum der streng geschützten Fledermäuse und Uhus beeinflussen. „In der Regel muss für solche Tiere schon vor Projektstart ein geeigneter Ersatzlebensraum gefunden werden, den sie auch annehmen“, sagt Ute Pöllinger, Umweltanwältin des Landes. Naturschützer sehen das Projekt deswegen äußerst kritisch. Seitens der Holding heißt es, dass Gespräche mit Experten geführt werden.

4. Wie viele Bäume müssen für das Projekt gefällt werden?

Genaue Berechnungen gibt es noch nicht, aber eine Größenordnung: Die Rede ist von mindestens fünf Hektar Wald, die gerodet werden müssen, das wären gut 3600 Bäume.

5. Wie viel wird ein Ticket kosten?

Die genauen Preise sind noch offen, aber eines ist aus heutiger Sicht fix: Anders als die Schloßbergbahn wird die Plabutschgondel nicht in den Verbundtarif inkludiert, sondern extra zu zahlen sein. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hat angekündigt, dass es für Jahreskartenbesitzer Vergünstigungen geben wird, die Preise werden sich an der Schöckl-Seilbahn orientierten. Dort kostet heute ein Ticket regulär 13,80 Euro (Berg und Tal).

6. Was wird der laufende Betrieb der Seilbahn kosten?

Bei der Holding Graz geht man von einer Million Euro pro Jahr aus – ähnlich wie bei der Schöckl-Seilbahn.

7. Mit wie vielen Fahrgästen rechnet man?

140.000 Fahrgäste pro Jahr – das ist das politische Ziel und damit ließe sich der laufende Betrieb finanzieren, heißt es. Optimisten gehen schon jetzt von deutlich mehr aus. Zum Vergleich: Bei der Schöckl-Seilbahn sind es 215.000 verkauft Tickets pro Jahr, bei der Schloßbergbahn 520.000 Fahrten, beim Schloßberglift 380.000 verkaufte Tickets.

8. Warum hat man genau diesen Trassenverlauf gewählt?

Die gewählte Trasse hat sich daraus ergeben, welche Grundstücksbesitzer zugestimmt haben. Ergebnis: Die Stadt Graz kauft 256.600 Quadratmeter Wald am Plabutsch an, tauscht mit zwei Eigentümern Grundstücke und hat mit elf Eigentümern Dienstbarkeitsverträge geschlossen. „Alles unterschrieben“, betonen ÖVP und FPÖ.

9. Wie sind die Talstationen an den Verkehr angebunden?

Die Talstation in Eggenberg (Göstinger Straße/Bergstraße) ist gut mit der Straßenbahn-Linie 1 erreichbar und 200 Meter von der Endstation entfernt. Extra Auto- oder Busparkplätze sind nicht geplant. In Thal gibt es den bestehenden Parkplatz beim Gasthaus.

10. Wie stehen die einzelnen Parteien zum Gondel-Projekt?

Die ÖVP-FPÖ-Koalition ist dafür, damit ist die Mehrheit im Gemeinderat gegeben. Die Opposition ist geschlossen dagegen, die Gründe sind unterschiedlich. KPÖ, SPÖ und Neos wollen das Geld lieber in echte Verkehrs- anstatt Freizeitprojekte investiert wissen. Die Grünen stört, dass auf den Naturschutz zu wenig Rücksicht genommen wird. Und die Neos fordern die Veröffentlichung der 500.000 Euro teuren Machbarkeitsstudie.

Kommentare (9)

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wolke54
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Parkplatznot

Kurios! Da plant die Stadt eine Gondel auf den Plabutsch und weiter zum Thalersee.
Parkplätze an der Talstation sind keine vorgesehen. Da werden sich die Anrainer in den umliegenden Straßenzügen bei den Stadtpolitikern sehr bedanken. Ein so ein großes Projekt sollte doch auch ein Verkehrskonzept, zumindest an der Talstation in der Göstingerstraße, beinhalten. Oder sind die Verantwortlichen wirklich so naiv und glauben, alle Gondelfahrer kommen mit den Öffis?

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checker43
1
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Also

wer mit dem Auto bis zur Talstation fährt, spart sich das Ticket und fährt gleich mit dem Auto rauf. So ein unvergessliches Erlebnis ist Gondelfahren dann auch wieder nicht.

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wolke54
0
5
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Gut...

...aber so richtig zum Thalersee kommt man mit dem PKW dann nicht! Aber man könnte dann, wenn von Eggenberg mit der Gondel gefahren wird und nicht mehr zurückgegondelt wird, vom Thalersee mit dem 48er nach Gösting und dann weiter mit dem 85er wieder zur Talstation in der Göstingerstraße. Die Graz Linien wird das freuen! Und, ein schöner Tagesausflug neigt sich dem Ende zu. Mit Familie musst halt einige Euros hinlegen. So gesehen ist das Auto wieder günstiger und Parkplatz wird bei der Talstation auch keiner benötigt.
Fazit: Ich glaube, diese Projekt in dieser Größenordnung mit 42 Mio wird ein Finanzflop werden!

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wiesengasse10
0
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Mir gefällt vieles an der Idee....

...aber auch einiges frage ich mich: Auto- oder Busparkplätze sind nicht geplant. Ich will jetzt nicht gleich schwarzsehen, aber dass dann für die Anrainer durch umherirrende parkplatzsuchende Autos Belastungen entstehen, liegt fast nahe. Zu glauben (oder hoffen ?), dass alle Gondelpassagiere mit den Öffis anreisen ist wohl etwas blauäugig ?

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X22
0
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Parkplätze gibt es dort in Hülle und Fülle, nur selten das einer mal frei ist, anderseits wenn man mit dem Kfz fährt, fährt man direkt hin und wird nicht x Insassen mal die Gondelgebühr zahlen

.

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Elli123
8
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Kann der Uhu die Seilbahn stoppen?

Bitte Uhu, stopp die Seilbahn! Baut lieber eine U(hu)-Bahn!

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alwin
10
17
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Frage:

Warum zum Thalersee gondeln!

Den Plabutsch wieder zu erschließen, ja ok, wenn es Geld dafür gibt, warum nicht. Aber warum den Wald für das Runtergondeln opfern. Entweder man besucht den Plabutsch, oder man besucht den Thalersee. Und letzteres ist mit Bus gut möglich. Gondeln kostet
viel mehr und dauert länger...
Bitte um Information darüber, welche Gründe es für diese Streckenführung gibt.

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paulrandig
2
23
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Was?

Wenn wir eine halbe Million für eine Machbarkeitsstudie ausgeben, möchte ich die bitte aber auch sehen!

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Sol lucet omnibus
12
12
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Diese Seilbahn wird vermutlich genauso rentabel

wie das Murkraftwerk!
Bravo!
Das nächste Millionengrab für die nächsten Generationen in Graz.
Murkraftwerk - siehe online Artikel der Kleinen Zeitung von Günter Pilch - 8. Jänner 2016

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