Herr Baudirektor, die Stadt hat den Prachtband „Graz ist Baukultur“ mit Kunsthaus & Co herausgegeben, während viele Grazer eher beklagen, dass derzeit eine Unkultur herrscht und alles dicht zugebaut wird. Warum die Publikation?
Bertram Werle: Wir ziehen Bilanz über den Zeitraum seit dem Kulturhauptstadtjahr 2003 und zeigen her, was wir geschaffen haben. Es gibt diese starke Orientierung an der Altstadt, die einen enormen Wert für uns hat. Aber es stellt sich auch die Frage, wie werden wir unserer Verantwortung gerecht, Neues hinzuzufügen, das Bestand hat. Ich denke, bei Projekten der Stadt zeigen wir vorbildhaft, was gute Planung ist. Kultur und Baukultur ist das, was bleibt. Sie ist Abbild der Gesellschaft, der Staatsform – von der Monarchie über die Diktatur bis zur Demokratie. Die Frage ist doch, was schaffen wir, was geben wir aus unserer Zeit weiter?
Stadtbaudirektor im Interview
Werle: "Mikrowohnungen werden am Markt vorbei gebaut"
Baudirektor Bertram Werle über vorbildliche städtische Baukultur und die Gefahren der Bau-Unkultur. Ein Rundgang zwischen Renaissance und Rendite.
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