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Steirer des Tages

Vom Lehrer zum Stadtrat

Ein neues Gesicht auf der Grazer Regierungsbank: Robert Krotzer wird für die KPÖ in den Stadtsenat einziehen. Der gebürtige Oberösterreicher wird mit seinen 29 Jahren der bisher jüngste Stadtrat in Graz und hängt seinen Lehrerjob an den Nagel.

Neo-Stadtrat Robert Krotzer
Neo-Stadtrat Robert Krotzer © Jürgen Fuchs
 

Geschichte hat mich immer schon interessiert“, sagt Robert Krotzer. Dass er selbst – zumindest eine kleine – Grazer Geschichte schreiben wird, damit hat er nicht gerechnet. Bei den Wahlen Anfang Februar hat die KPÖ einen zweiten Regierungssitz errungen – und diesen wird Krotzer als bisher jüngster Grazer Stadtrat einnehmen. Der 29-Jährige löst damit den ÖVP-Mann Kurt Hohensinner ab, der bei seiner Angelobung im Jänner 2014 35 Jahre alt war.

Antifaschistischer Widerstand

Als Zwölfjähriger hat Krotzer historische Jugendromane gelesen, als Jugendlicher hat er sich in die Schriften von Karl Marx vertieft. „Mit Schwarz-Blau hat meine Politisierung eingesetzt“, sagt Krotzer. „Die Proteste dagegen habe ich mit größtem Interesse verfolgt. Schließlich hat mich, bei aller Ambivalenz, die KPÖ mit ihrem antifaschistischen Widerstand angezogen.“

Mit Ambivalenz meint er die „historischen Erfahrungen“, die viele Menschen mit kommunistischen Regimen machen mussten. „Aber die marxistische Idee sagt im Kern etwas ganz anderes, das wurde ja nie umgesetzt.“ Auch er selbst habe als Jugendlicher „Vorurteile gegenüber der KPÖ überwinden müssen, ehe ich gesehen habe, dass es diese Leute ehrlich meinen“.

Alle Pläne umgeschmissen

Parteipolitisch hat sich Krotzer früh engagiert: 2002 trat er der Kommunistischen Jugend bei, von 2008 bis 2014 war er deren Bundesvorsitzender. Nach Graz ist Krotzer 2007 gekommen. „Spontan. Eigentlich wollte ich nach Wien ziehen, habe aber in Graz eine Woche lang eine Freundin besucht – und war von der Stadt so begeistert, dass ich alle Pläne umgeschmissen habe.“

An der Karl-Franzens-Universität hat er Geschichte und Deutsch auf Lehramt studiert, seit eineinhalb Jahren unterrichtet er an der Klusemann-Schule. Dass er diesen Job für den Stadtrat aufgeben muss, „das schmerzt mich. Die Arbeit mit jungen Leuten taugt mir.“ Aber mit Anfang April wird aus dem Herrn Professor der Herr Stadtrat.


Welchen Ressorts er dann vorstehen wird, weiß er allerdings noch gar nicht. Das entscheidet sich erst nach den gerade laufenden Regierungsverhandlungen – zwischen Schwarz und Blau.

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