Perspektivenwechsel

Hola! Im Latino-Takt durch Graz

Das Lateinamerika-Institut stellt sich völlig neu auf. Leonel und Daniel erzählen von Graz-Latinos - und führen uns durch "ihr" Graz.

Daniel Erazo und Leonel Monzón und ihr Graz © Jürgen Fuchs
 

Ein Hola! bei der Weikhard-Uhr. Der Treffpunkt für diesen Termin ist typisch Graz. Und doch soll die Stadt unterm Uhrturm an diesem Tag aus einem anderen Blickwinkel erlebt werden. Die Perspektive von Leonel Monzón und Daniel Erazo ist lateinamerikanisch geprägt. Ihre Geschichten lassen sich an Orten erzählen, die für sie zu Symbolen für Graz wurden.

Leonel Monzón steht am Jakominiplatz inmitten schnaufender Busse und eilender Passanten. Für ihn war hier nie ein Ort der Hektik. Hier fühlte er sich stets wohl – „auf diesem Platz liefen mir schon in der Anfangszeit immer andere Graz-Latinos über den Weg.“ Der Jako diente so als seine Nabelschnur zur Heimat – Guatemala verließ der 56-Jährige dank Stipendium der örtlichen österreichischen Schule. Vier Jahrzehnte ist das inzwischen her.

Für Monzon wurde der Jakominiplatz zum Symbol für Graz Foto © Jürgen Fuchs

Daniel Erazo zog es vor zehn Jahren von Kolumbien nach Paris. 365 Tage später schlug er seine Zelte in Graz auf – um studierter Dirigent zu werden. Statt Deutsch hätte er anfangs fast besser Koreanisch und Japanisch gelernt, scherzt er, auf die Internationalität der Kunstuni anspielend. An diese erste Zeit in Graz hat er unterschiedliche Erinnerungen: „Es war schön, plötzlich wieder jemand zu sein. In Paris ist man nur ein anonymer Punkt in einer Weltmetropole.“ Doch mit der gestiegenen Wahrnehmung in der kleineren Stadt wuchs auch Angst. Angst, sich sprachlich durch Fehler bloßzustellen – „ich traute mich damals nicht, in der Öffentlichkeit auf Spanisch zu telefonieren.“

Der Grazer Stefaniensaal war für Erazo schon am Anfang eine Oase zum Wohlfühlen. Der prunkvolle Konzertsaal war das Erste, was der 36-Jährige von der Stadt sah. Hier spielte er sein erstes Konzert in Europa. Hier steht er jetzt mit einem Leuchten in den Augen vor den leeren Rängen und posiert mit den ausgebreiteten Armen eines professionellen Chorleiters. Seine Passion hat er zum Beruf gemacht. Erazo arbeitet mit Blaskapellen und mit Chören für Kinder und Migranten. Von der Angst ist nichts mehr übrig.
Der Stefaniensaal war das Erste, was Daniel Erazo von Graz sah Foto © Jürgen Fuchs

Beim leidenschaftlichen Dirigenten und Chorleiter geben die Hände die Richtung vor. Bei Leonel Monzón hingegen sind es die Beine. Er unterrichtet Salsa am hiesigen Lateinamerika-Institut (siehe Box unten). Durch den Tanz fand der Guatemalteke schon immer schnell Anschluss. Er lacht verschmitzt: „Als Salsatrainer bin ich schließlich schon immer damit konfrontiert, den ersten Schritt zu machen.“

Monzón und Erazo kannten sich vor diesem Tag noch nicht. Sie sind zwei von 850 in Graz lebenden Lateinamerikanern. Doch es dauert nur Augenblicke bis sich die beiden herzen und leidenschaftlich auf Spanisch parlieren. Verglichen mit ihren Heimatländern sei die Steiermark das Paradies, so die Wahl-Grazer. Hier könne man entspannt durch die Straßen gehen, ohne große Sorgen über Kriminalität und Bürgerkrieg. Viele Grazer gehen dennoch mit sorgenvollen Mienen durch die Straßen, fällt Erazo auf. Er wägt ab: „Wenn Touristen durch Graz wandern, tun sie das immer mit strahlenden Augen.“ Vielleicht müsste man auch selbst manchmal den Blickwinkel ändern, um all das Schöne zu sehen.

Das Lateinamerikanische Institut

Das Lateinamerikanische Institut in Graz (Rittergasse 2) hat sich kürzlich mit neuer Geschäftsführung für die Zukunft gerüstet. Mit Sprachkursen, Tanz-Workshops und Veranstaltungen will man noch mehr zur Drehscheibe für Lateinamerika-Interessierte werden.

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