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"Courage muss man haben"

"Weltraumpapst" Willibald Riedler feiert heute seinen 80. Geburtstag. Der gebürtige Wiener griff energisch zu den Sternen und machte die Stadt Graz zur "Weltraumhauptstadt Österreichs".

© Kanizaj
 

Wenn heute Willibald Riedler im Kreis seiner Familie den 80er feiert, ist das nur der Auftakt: Am Freitag findet sich alles, was Rang und Namen in Wissenschaft und Politik hat, ein, um den "Weltraumpapst" zu ehren. Denn der gebürtige Wiener, den es 1968 nach Graz verschlug, hat als Wissenschaftler und wortgewaltiger Zeitgenosse wie nur wenige andere dazu beigetragen, dass Graz aus einem eher verschlafenen universitären Provinzdasein in die Welt marschiert ist.

"Es war viel Zufall dabei", pflegt Riedler immer zu sagen, spricht man ihn auf seine einzigartige Karriere an. Gewiss, es war Zufall, dass er ein TV-Team traf, kurz darauf mit dem damaligen Außenminister Kurt Waldheim im selben Flieger saß. Doch es war original Riedler, dass er diese Gelegenheiten beim Schopf packte. Bei der Mondlandung saß er im Fernsehstudio, und während er Neil Armstrongs berühmte Fußstapfen kommentierte, brachte er auch gleich sein Anliegen unter.

Erste Raketenstarts

Zudem brachte Riedler handfeste Erfahrung mit: In Kiruna in Schweden hatte er Ballon- und Raketenstarts zur Erforschung der Ionosphäre geleitet, die ihm halfen, Kontakt zur Europäischen Weltraumbehörde und zur Sowjetunion zu knüpfen: "Die Ballone gingen ja oft über die Grenze, aber wir haben unsere Ergebnisse mit den Russen geteilt."

"Man muss die Dinge einfach angehen, man muss Courage zeigen, man darf nicht zu furchtsam und zaghaft sein." - Genau dies brachte Riedler nach Graz mit und lebte es vor. Wohl schon als Kind hatte er gesehen, wie es sein Onkel Willi Boskovsky aus einfachsten Verhältnissen stammend in die lichten Höhen der Wiener Philharmoniker und als Dirigent der Neujahrskonzerte (1955-1979!) schaffte.

Auch dass Riedler trotz einjährigen Krankenhausaufenthaltes wegen Kinderlähmung die Mittelschulklasse dennoch erfolgreich bestand, führte zur Einstellung, "weiterkämpfen, sich nicht unterkriegen lassen", wie er im Rückblick feststellt.

Das kleine Kammerl in der Krenngasse, das er 1968 in Graz zugewiesen bekam, wurde ihm rasch zu eng: Schon vier Jahre später war er Dekan, dann zweimal Rektor. In diesen Funktionen betrieb er den Ausbau der Inffeldgründe, richtete die Grazer Hilmwarte zum Weltraumwetter-Labor ein und trieb das Projekt Observatorium Lustbühel zusammen mit anderen voran.

Nicht zuletzt seinem zähen Engagement in Wien verdankt Graz das Akademie-Gebäude in St. Peter; ein fünfeckiger Bau, der nach dem steirischen Nobelpreisträger Viktor Hess benannt wurde. Und: Riedler bestimmte mit bei der Standortwahl der Erdfunkstation Aflenz, der "Weltraumohren" Österreichs.

Riedler mag vielleicht nicht immer diplomatisch gewesen sein -von Parteihändeln hielt er sich allerdings fern. Beste Kontakte hatte er zu Hertha Firnberg, zu Bundespräsident Heinz Fischer - der ihm jetzt auch persönlich gratulierte. Mit dem damaligen Bürgermeister von Graz und Weltraumfan Alfred Stingl holte er große Tagungen mit Kosmonauten und Astronauten in die Stadt. Graz wurde zur "Weltraumhauptstadt Österreichs".

USA, Russland, China, ESA

Mit Minister Hans Tuppy flog er als einziger Nicht-Wiener nach China - und kam mit wertvollen Kontakten zurück, die noch heute für das Weltrauminstitut von großer Bedeutung sind. "Schauen Sie, Professor Gong Ke hat mir diesen von ihm selbst kalligrafierten Fächer geschickt", erzählt Riedler. Gong Ke , der vor 25 Jahren Schüler von Riedler war, ist heute Rektor in China und hochrangiger Berater in Sachen Technologie im Reich der Mitte.

Im Rückblick wird erst sichtbar, wie einzigartig die Vernetzung (damals hätte man gesagt: die Kontakte) von Willibald Riedler waren. Die ersten großen Missionen gelangen mit der Sowjetunion: Mit Venera 13/14 ging es 1981 zur Venus. "Ja, eine Zeit lang wurde das scheel angesehen. Aber am meisten haben sich die Ostdeutschen geärgert, dass wir ihnen den Auftrag wegschnappten", erzählt Riedler. Wichtige Missionen waren das europäische Cluster-Projekt, die US-Europäische Doppelmission Cassini-Huygens, der Besuch des Halleyschen Kometen. Der Grazer "Exportschlager" waren dabei die Magnetometer, fast konkurrenzlos bis heute.

Höhepunkt seiner Laufbahn war die Austromir-Mission Österreichs, dessen wissenschaftliche Leitung bei Riedler und dessen organisatorische Leitung bei Joanneum Research und so auch bei Riedler lag. Franz Viehböck, der damals zur Raumstation "Mir" flog, verhehlt seine Wertschätzung nicht: "Ohne dich gäbe es bis heute wahrscheinlich noch immer keinen Österreicher, der im Weltraum war", schreibt er zum Geburtstag. Dass Riedler höchstpersönlich den eingängigen Namen "Austromir" erfand, ist kaum bekannt.

Zu Willibald Riedler gehört aber auch der Norden: In Finnland lernte er seine Frau Lilli kennen, Präsident der österreichisch-finnischen Gesellschaft in der Steiermark war und ist er.

Und, als Resümee: "Es gibt Zufälle, aber es greift alles zusammen im Leben." Und: "Man muss sich eben auf die Füße stellen".

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