„Wo früher Kinder unter den Bäumen gespielt haben, ist jetzt eine braune Steppe. Der Moserwald in Graz St. Peter ist de facto abgeholzt worden“, bedauert eine Anrainerin gegenüber der Kleinen Zeitung. Sie ist nicht allein: Gerade jetzt im Frühling, wo eigentlich alles sprießt und grünt, stechen vor Ort auch Spaziergängern kahle Flächen und Baumstümpfe ins Auge. Was im Gespräch über die Baumschlägerungen vor Ort auf Unverständnis stößt: In der Stadt wird um jeden Baum gerungen, wie kann es sein, dass ein so großes Waldstück abgeholzt wird und eine kleine grüne Oase verloren geht?

Auf einem Drittel des Geländes steht kein Baum mehr

Das Grundstück bietet derzeit einen traurigen Anblick, das räumen auch die Forstexperten in der Abteilung für Grünraum und Gewässer der Stadt Graz ein. Was sie allerdings auch unterstreichen: „Es handelt sich um eine forstwirtschaftliche Nutzung auf Privatgrund im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen“. Vereinfacht gesagt: Wer Wald besitzt und bewirtschaftet, darf dort auch Bäume schlägern. Unter gewissen Bedingungen darf eine Fläche auch komplett abgeholzt werden. Im Moserwald machen die sogenannten „Blößen“, wo kein Baum stehen blieb, laut den städtischen Experten rund 30 Prozent des Geländes oder geschätzt rund 2000 Quadratmeter aus. „Bis zu einem Ausmaß von einem halben Hektar (Anmerkung: das entspricht 5000 m²) braucht es dafür keine Bewilligung. Wir wurden vom Eigentümer vorab informiert, auch wenn er dazu nicht verpflichtet ist. Eine Möglichkeit, die Fällungen zu untersagen, gibt es in dem Fall rechtlich nicht“, hält man fest.

„Blößen“ müssen wieder bewaldet werden

Die gute Nachricht, auch wenn das Grün vor der Haustür und entlang des Spazierwegs in St. Peter schmerzlich vermisst wird: An der Widmung des Grundstücks ändern Abholzungen nichts. Rechtlich gesehen bleibt der Wald bestehen. Die komplett freien Flächen müssen vom Eigentümer innerhalb von fünf Jahren wieder bewaldet werden. Auf einem Großteil der Fläche wachse der Wald bereits jetzt von selbst nach, so die Experten.