Der Buchkogel im Grazer Westen steht bei Wanderern hoch im Kurs, die gern stadtnah ein paar Höhenmeter machen wollen, um die Aussicht auf Graz zu genießen. Wer dort am kommenden Dienstag (24. März) auf Hinweisschilder trifft, die das Betreten des Waldes verbieten, sollte allerdings umdrehen. Nicht nur, weil ein Teil der Wege nach Schneebrüchen im Winter nach wie vor gesperrt ist. Am Buchkogel findet am Dienstag eine große Einsatzübung statt. Rund 100 Vertreter unterschiedlicher Einsatzorganisationen und Behörden bereiten sich damit auf den Ernstfall vor – einen Waldbrand in Graz.

Immer längere Trockenperioden

Dass große Waldbrände auch in unseren Breiten ein mögliches Szenario sind, zeigte sich etwa im Dezember 2024. Mehr als 200 Einsatzkräfte kämpften in einem Wald bei Semriach gegen die Flammen. Es dauerte rund 18 Stunden, bis „Brand aus“ gegeben werden konnte. Ein Feuerwerkskörper dürfte damals den Brand ausgelöst haben. „In den Grazer Wäldern sind viele Leute unterwegs. Eine unachtsam weggeworfene Zigarette oder ein unerlaubt angezündetes Feuer kann schnell einen Waldbrand auslösen“, erklärt Gilbert Sandner, Leiter der Abteilung Sicherheitsmanagement und Bevölkerungsschutz der Stadt Graz. Er kennt auch die im wahrsten Sinn des Wortes brandgefährliche Entwicklung, die das generelle Risiko für Waldbrände in den letzten Jahren steigen ließ. „Mit dem Klimawandel werden die Trockenperioden immer länger“, unterstreicht Sandner.

Gilbert Sandner, Leiter der Abteilung für Sicherheitsmanagement und Bevölkerungsschutz der Stadt Graz
Gilbert Sandner, Leiter der Abteilung für Sicherheitsmanagement und Bevölkerungsschutz der Stadt Graz © Foto Fischer

Vorbereitung für den Ernstfall

Einen Großeinsatz wie in Semriach gab es in den letzten Jahren in Graz zwar nicht. „Nach einem kleineren Waldbrand, der schnell gelöscht werden konnte, waren wir allerdings der Meinung, dass es gut wäre, sich für den möglichen Ernstfall vorzubereiten“, erzählt Günter Hirner von der GBG. Die Stadttochter ist für die Wälder in städtischem Besitz zuständig. GBG-Mitarbeiter sind in die Übung ebenso eingebunden wie die Berufsfeuerwehr Graz, die Bergrettung, das Rote Kreuz oder das Land Steiermark. Beim Referat für Sicherheitsmanagement der Stadt Graz laufen die Fäden zusammen.

Flughelfer-Training in der Gablenzkaserne

Das Übungsszenario bleibt bewusst vage. Die Einsatzkräfte direkt am Buchkogel und die Mitglieder des Einsatzstabes in der Gablenzkaserne werden mit dem konfrontiert, was sie im Ernstfall tatsächlich trifft: eine unklare Lage. Der Brandherd muss geortet und gelöscht werden. Verletzte müssen gefunden und abtransportiert werden. Im Einsatzzentrum wie vor Ort sind Arbeitsteilung und Koordination gleichermaßen gefragt. „In der Gablenzkaserne findet als zweiter Teil der Übung außerdem ein Training für die 40 Flughelfer der Berufsfeuerwehr und der Bergrettung statt“, erklärt Sandner. Der neue Militärhubschrauber AW 169 „Lion“ des Bundesheeres kommt dabei zum Einsatz. Das Abseilen über die Winde des Hubschraubers wird unter anderem geübt.

Hubschrauber im Einsatz, Rauch zu erwarten

Wichtig für Anrainer: Ein Waldstück wird am Buchkogel zu Übungszwecken nicht in Brand gesetzt. Allerdings wird am Dienstag stark qualmender Rauch am Bergrücken zu sehen sein. Ein Grund, die Feuerwehr zu rufen, ist das an diesem Tag nicht. Meiden sollten Spaziergänger nicht nur gesperrte Wege am Buchkogel, sondern auch das Rückhaltebecken Bründlbach. Am Hubschrauber wird am Schluss der Übung ein sogenanntes Bambi-Bucket befestigt, mit dem 1000 Liter Löschwasser schnell transportiert werden können. „Das Wasser wird bei der Übung aus Sicherheitsgründen nicht über dem Buchkogel abgeworfen, sondern zum Rückhaltebecken Bründlbach gebracht“, erklärt Sandner.