„Graz 10. Juni 2025“, der Titel des Buches, so schlicht und unverschnörkelt er ist, reicht aus, um das kollektive Gedächtnis in Österreich in Gang zu setzen. An diesem Tag tötete ein Amokläufer am Borg Dreierschützengasse in Graz zehn Menschen und verletzte elf weitere teils schwer. Einer davon war Sam Askari.

Zwei Kugeln trafen den 17-Jährigen. Eine zerschmetterte seinen Kiefer und verletzte seinen Gesichtsnerv. Zwei Tage lag er im künstlichen Koma.

Schreckliche Erinnerungen bleiben

Auch wenn die äußeren Wunden heute verheilt sind, die Erinnerungen an den 10. Juni werden wohl noch lange präsent sein. „Ich habe nichts vergessen. Ich weiß nicht, ob ich leider sagen soll“, erzählte der Schüler der Kleinen Zeitung im Vorjahr kurz vor Weihnachten.

„Das Erste, was ich sah, war ein schwerer, schwarzer Stiefel, der über die Holzsplitter stieg und sich durch den Türrahmen schob. Dann tauchte der Rest des Menschen auf, zu dem er gehörte“, erinnert sich Sam in dem Buch. Kurz darauf wird der Mann durch die Reihen gehen und schießen, „kurz und bedächtig. Wie ein grausames Loch, das Licht und Geräusche verschluckte und die Wirklichkeit entzweibrach.“ So beschreibt es Sam Askari in seinem Buch, das er schrieb, um das Erlebte zu verarbeiten.

Noch im Krankenbett schrieb der Jugendliche, der den großen Traum hat, ein berühmter Rapper zu werden, einen Songtext. Später verarbeitete er das Erlebte gemeinsam mit Maximilian Hauptmann zu jenem Buch, das nun im Verlag „edition a“ erschienen ist.

Sam Askari: Ein Schachspiel um Leben und Tod

Bei einem Gespräch im Vorjahr ließ er die Kleine Zeitung bereits an einer Erinnerung teilhaben, die auch im Buch Niederschlag findet. Ein Traum, der ihn im Koma begleitete. „Da war ein sehr dunkler Raum mit einem Tisch, auf dem ein Schachspiel stand und zwei Sessel“, schilderte Askari.

„Auf einem Sessel saß der junge Garri Kasparow (ehemaliger Schachweltmeister, Anm.)“, erzählt der gebürtige Iraner, der 2023 mit seinen Eltern nach Österreich gekommen ist, weiter. Es war ein Spiel um Leben und Tod in diesem Traum. „Ich wusste“, sagt Askari, „wenn ich dieses Spiel verliere, würde ich sterben. Aber in der Mitte des Spiels gab Kasparow plötzlich auf und gab mir die Hand.“ Dann sei er aufgewacht.

Buch zeigt auch andere Facetten seines Lebens

Das Buch dreht sich aber nicht nur um den Amoklauf, sondern erzählt grundsätzlich aus dem Leben des Schülers – auch etwa von dem Umzug vom Iran nach Österreich und seiner Anfangszeit in einem neuen Land.