Tag eins nach der Präsentation der Zukunftspläne für die Messe Graz und der Businessplan wird heiß diskutiert. Wir haben den Messe-Experten Thomas Gindele um eine Einschätzung zu den Plänen gebeten. Und der Chef der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) kann seine Skepsis nicht verbergen: „Die großen Leitmessen in Europa werden auch in den nächsten Jahren bestehen. Aber insgesamt stehen die Zeichen für regionale Messen ohne internationale Strahlkraft auf Konsolidierung und Rückbau.“
Eine Flächen- und Kapazitätserweiterung, also auch das geplante Hallen-Investment von 25 Millionen Euro, sieht er nicht als den richtigen Weg: „Und auch dass man im Businessplan von einer Umsatzverdoppelung innerhalb von zehn Jahren ausgeht, überrascht mich. Die Zeiten des Wachstums und einer massiven Erhöhung der Besucherzahlen sind im Messegeschäft vorbei.“ In ganz Europa gebe es im Messebereich ein Überangebot an Flächen, die man wohl sukzessive rückbauen müsse.
Graz hat in Gindeles Augen auch ein Problem bei den Formaten: „Es ist eigentlich eine rein regionale Messe, kein Format strahlt international darüber hinaus.“ Das sei etwa in Linz mit der Smart Automation, in Wels mit der Energiesparmesse oder Salzburg mit der „Alles für den Gast“ anders: „Das sind zum Teil eher kleine Messen, aber die Halle ist voll und man erreicht damit teilweise auch den deutschen Raum“, sagt der DHK-Boss. Seine Empfehlung: Kein Geld für Neubauten ausgeben, konsolidieren und rückbauen und die hochwertigen, modernen Hallen intensiv und professionell auch mit innovativen Formaten bespielen. Denn auch in der Regionalliga seien Umwegrentabilitäten und Wertschöpfung im Messe- und Kongressgeschäft nach wie vor ein Faktor.
Nebst Experten-Skepsis gibt es auch politischen Gegenwind aus dem Rathaus. Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) vermisst bei Bürgermeisterin Elke Kahr und Finanzstadtrat Manfred Eber (beide KPÖ) einfach das leidenschaftliche Bekenntnis und den vollen Einsatz für die Messe Graz. Er will MCG-Chef Martin Ullrich und das Team jedenfalls voll unterstützen. Von dessen Vorschlag der neuen Steiermark-Halle um 25 Millionen Euro hält er aber nichts: „Wir sollten das Stadion für die Bundesligaklubs ausbauen und damit auch den VIP-Club auch als Tagungszentrum für 2000 Leute realisieren.“ Dieser Saal könne dann für MCG-Kongresse bespielt werden: „Das ist ja nur drei Tram-Stationen von der Messe entfernt – und der VIP-Klub soll auch intensiv bespielt werden.“ Außerdem trete die Steiermark-Halle auch in Konkurrenz zu List-Halle und Co. Der ÖVP-Chef will aber gerne auch bei neuen Messe-Formaten mit anpacken: „Da gebe es im Bereich des Sports sicher Potenzial, auch eine Wein-Messe bietet sich in der Steiermark an.“
Auch dass ein Hallenneubau als Herzstück im Businessplan steht, für den es nur den Wunsch nach einer Finanzierung durch das Land, aber keine gesicherten Mittel gibt, kritisiert Hohensinner. Messe-Chef Martin Ullrich hat das Projekt in Gesprächen mit Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) einmal entriert. Beide sind zurückhaltend: „Da wir weder den Businessplan, noch das Projekt und die belastbaren Zahlen kennen, können wir zu einer möglichen Finanzierung aktuell auch nichts sagen.“ Kunasek fragt sich auch, ob nicht der vergrößerte VIP-Klub beim Stadion und die Steiermark-Halle eine Doppelung wäre.