Der Treffpunkt in der Halle C aus den 1960er-Jahren, die wohl alsbald zum Abbruch freigegeben wird, war symbolträchtig: Nach den letzten beiden Jahren mit Verlusten der Messe Graz von acht bis neun Millionen Euro ist es Zeit, sich von so manchem aus der Vergangenheit zu trennen und mit Blick nach vorne Vieles neu zu denken. Der Niedergang des einst so florierenden Messegeschäfts, der schon um die Jahrtausendwende begonnen und sich beschleunigt hat, macht einen Neustart nötig. „Das Ziel ist, den wirtschaftlichen Turnaround zu schaffen und den operativen Cashflow ab 2032 nachhaltig ins Positive zu drehen“, gibt Finanzstadtrat Manfred Eber die Richtung vor. Gemeinsam mit dem neuen Messe-Chef Martin Ullrich präsentierte er die Details zum bereits abgesegneten Businessplan zur Rettung der MCG, den der neue Boss letzten Sommer gemeinsam mit seinem Team erarbeitet hat. Ullrich macht klar, dass er die Talfahrt der letzten Jahre beenden will: „Bis 2035 wollen wir den Umsatz auf rund 22 Millionen Euro verdoppeln.“
Herzstück der Strategie ist die Steiermark-Halle (wir berichteten), die das Kongress- und Tagungsgeschäft auf einen neuen Level heben soll: „Dieses Segment hat sich bei uns seit dem Bau der Stadthalle und des Congresszentrums sehr stark entwickelt, ist aber 2018 am Plafond angekommen.“ Was fehlt, ist eben ein Saal, der mit Kinobestuhlung 1300 bis 1500 Plätze bietet: „Da geht es nicht um Konzerte, sondern um internationale Tagungen einer Größenordnung, die steiermarkweit niemand sonst abwickeln kann“, will er Konkurrenzängste der Mitbewerber zerstreuen. Für die Steiermark-Halle ist man noch auf der Suche nach Investoren und schielt schon mit der Namensgebung auch in Richtung Land, so Ullrich: „Wir würden das Projekt gerne als Holzbau umsetzen, um auch die Kompetenz der Steiermark zu zeigen.“ Kostenpunkt: 25 Millionen Euro. Allein die Sanierung der desolaten Halle C, die der neuen weichen soll, läge bei sechs Millionen, brächte aber keine neuen Impuls.
Was das Messe-Team noch für die Zukunft plant
Dazu soll es Mehreinnahmen geben: Das Verwaltungsteam macht drei Etagen im Messe-Turm frei und zieht in jene Räume ein, wo aktuell die Berufsfeuerwehr ihr Ausweichquartier hat. Hier sind noch zwei Millionen Euro für Adaptierungen zu investieren. Der Büro-Turm wird fremdvermietet. Die Halle D wird im ersten Stock zum Paddle-Tennis-Center und ebenfalls fremdvermietet. Für die Stadthalle wird ein Sponsor gesucht. Die Messe forciert auch das Geschäftsfeld ihrer Inhouse-Veranstaltungstechnik auf dem freien Markt: Auch hier will Ullrich die privaten Partner der Messe im Event-Aufbau beruhigen: „Der Bedarf am Markt ist hier viel größer, hier wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern mehr Aufträge lukrieren.
Welche Messeformate bleiben?
Die gut gehenden Formate Häuslbauermesse, Motion Expo, Gründermesse, Herbstmesse und die alle drei Jahre stattfindende Baumaschinen-Messe Mawev werden forciert. Die Frühjahrsmesse pausiert sicher auch noch 2028. Hier wird noch zu entscheiden sein, ob und in welcher Form sie wieder auf den Markt kommt, sagt Ullrich: „Der Termin Anfang Mai ist jedenfalls viel zu spät, um Frühjahrsthemen zu spielen, das müsste wohl im März sein.“ Die pausierende „Trends of Beauty“ soll schon 2027 wieder kommen. Bei der Herbstmesse dürfte der erfolgreiche Pilot „Winterwelt“ am Start bleiben, in der Stadthalle soll die Taste-Factory Besucher mit Genuss ködern. Frühestens 2029 will man auch neue Messe-Formate in den Markt setzen.
Die Zukunft der Hallenlandschaft
Die kleine Halle F wird abgerissen, die Halle C ebenso, wenn die Steiermark-Halle „hoffentlich Mitte 2029“ eröffnet wird. Die Halle D wird ganzjährig mit Padel bespielt, die desolate Halle E, die gar nicht mehr für Veranstaltungen zum Einsatz kommen darf, und der restliche Bestand bleibt Lagerraum mit der Option in Zukunft vielleicht doch noch andere Nutzungen zu überlegen. „Mit Messe und Kongressgeschäft kommen wir auch jetzt unserem Auftrag als Impulsgeber und Zentrum zur Wirtschaftsförderung nach und lösen eine Wertschöpfung von rund 100 Millionen Euro in der Steiermark aus“, betont Ullrich. Auch diese Summe soll sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen.