Bis in den April hinein ist der Spielplan im Kunst Klub Kräftner schon gestanden, seit Anfang der Woche sind – zur Überraschung der Kräftner-Fans – alle Veranstaltungen abgesagt. Und die kulturelle Zwischennutzung des ehemaligen Gewandgeschäfts in der Reitschulgasse durch den Verein Aporon 21 ist zumindest vorübergehend beendet, wie Obmann Igor F. Petković bestätigt: „Die Baupolizei hat uns weitere Veranstaltungen untersagt. Wir prüfen nun, ob wir dagegen Beschwerde einlegen und ob es eine Möglichkeit gibt, weiterzumachen.“ Die freie Kulturszene sei alarmiert. Die Hausbesitzerin stehe jedenfalls auch weiter hinter dem Verein und der Zwischennutzung.
Eine Anrainerbeschwerde dürfte der Auslöser für die überfallsartige Sperrstund‘ gewesen sein. Aufgrund der Lärmbeschwerde hat die Bau- und Anlagenbehörde beim Kräftner genauer hingeschaut. Das Problem: Es fehlen Genehmigungen für einen Veranstaltungsbetrieb, erläutert Behördenchefin Doris Jurschitsch: „Wenn das Programm dort nur für Vereinsmitglieder zugänglich ist, wäre es in diesen Räumen wohl möglich.“ Dann greift nämlich das Veranstaltungsgesetz nicht. Jetzt wird aber einmal alles auf Herz und Nieren überprüft, gewerberechtlich und baurechtlich. Die Fragestellungen: Inwieweit hat es sich um öffentliche Veranstaltungen gehandelt, ist das Haus dafür baurechtlich geeignet, gab es einen kommerziellen Ausschank ...
Verein prüft, ob „Kräftner“ zu retten ist
Für Petković und den Verein Aporon 21, der etwa auch für die kulturelle Zwischennutzung in der Rösselmühle verantwortlich zeichnet, ist das ein herber Rückschlag: „Der Kräftner war über drei Jahre lang ein wichtiger Produktions-, Präsentations- und Vernetzungsort für zeitgenössische Kunst, Musik und transdisziplinäre Kulturarbeit, also für die freie Szene. Wir haben zuletzt schon rund 100 Veranstaltungen im Jahr organisiert.“ Dass gerade jetzt, wo die Kultur kaum noch Förderungen der öffentlichen Hand erhalte, auch noch solche wichtigen Räume geschlossen werden, sei eine Katastrophe für die Stadt. „Die Schließung zeigt exemplarisch, wie freie Kultur durch Bürokratie und unzureichende Förderstrukturen verdrängt wird“, sagt Petković.
Und er gibt zu bedenken: „Der Kräftner war kulturelle Infrastruktur für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler, Studierende, migrantische Communities, freie Artists und internationale Netzwerke.“ Der Verein lässt jetzt alle Optionen prüfen, wie es möglicherweise für den Klub weitergehen könnte. Eigentlich habe man mit den Nachbarn ja stets ein gutes Verhältnis gehabt und auch immer darauf geachtet, dass um 22 Uhr Schluss ist, ist Petković enttäuscht. Aporon 21 fordert strukturelle Maßnahmen zur Sicherung freier Kulturinfrastruktur sowie einen offenen Dialog mit Behörden und Förderstellen. Petković und der Verein wollen dafür kämpfen, „dass solche Räume in Zukunft geschützt und gefördert werden – als kulturelle Commons, als Infrastruktur für die freie Kunstszene und als demokratische Öffentlichkeit“.