Ein paar Tage wird es noch dauern. „Rund um den 16. April sollte es dann spannend werden“, weiß der Grazer Ornithologe, Fotograf und Filmemacher Leander Khil. Er hat 2012 am Turm der Herz-Jesu-Kirche in Graz einen Nistplatz für Wanderfalken eingerichtet. 2021 brütete dort zum ersten Mal ein Vogelpaar, dem Khil die Namen Ivica und Inge gab. Zum fünften Mal in Serie liegen im heurigen Frühling wieder vier Eier im Nest. Aktuell kann man die Vogeleltern live via Webcam beim Brüten beobachten. In wenigen Tagen sollte dann der Nachwuchs schlüpfen.

Den Wanderfalken kann man heuer auch zuhören

„Erstmals gibt es heuer nicht nur Livebilder, sondern auch Ton. Aktuell hört man etwa den Glockenschlag oder Kinder, die vor der Kirche spielen. Wenn die Jungen dann geschlüpft sind, wird man auch die Aufregung im Nest mitbekommen“, erklärt Khil. Schon in den vergangenen Jahren haben Vogelfreunde großen Anteil daran genommen, was in der Kinderstube der Falken so vor sich geht. In den ersten Lebenswochen der Falkenjungen kann man das wieder über die Webcam tun, dann mit etwas Glück vor Ort. Die Flugversuche der jungen Wanderfalken lassen sich vom Boden aus beobachten.

Nisthilfe jetzt auch am Leibnitzer Kirchturm

„Inge und Ivica sind ein extrem produktives Paar, sie haben für die Arterhaltung der Wanderfalken Großes geleistet“, unterstreicht Khil. Läuft alles wie geplant, werden die beiden in Kürze Eltern von insgesamt 20 Jungtieren sein. Die wurden in den vergangenen Jahren beringt, bevor sie das elterliche Nest verließen, lange verlor sich aber ihre Spur. „Heuer sind gleich vier Tiere gesichtet worden“, freut sich der Ornithologe. Ein männliches Jungtier, das 2022 schlüpfte, brütet mit seiner Partnerin in einer Felswand im Norden von Graz. Ein Geschwistertier aus der gleichen Brut hat sich im Raum Leibnitz niedergelassen. Khil hat dort kürzlich auf Initiative der Bezirksnaturschutzbeauftragten Andrea Bund am Turm der Stadtpfarrkirche eine Nisthilfe eingerichtet. „Das wird dem Tier helfen, ein Weibchen zu überzeugen, mit ihm einzuziehen. Heuer wird dort nichts mehr passieren, aber für die nächsten Jahre können wir hoffen“, ist Khil überzeugt.

Feldbach und Marburg

Ein dritter Jungfalke, der 2023 in Graz geschlüpft ist, hat sich im Raum Feldbach angesiedelt. „Er hat schon eine Partnerin, die Tiere dürften heuer aber noch zu jung sein, um zu brüten“, erzählt Khil. Eher traurige Schlagzeilen hat Wanderfalke Nummer vier gemacht, der 2021 in Graz schlüpfte. Der Vogel, dem Khil den Namen Viktoria gegeben hat, trennte sich beim Flug gegen eine Stromleitung in Marburg einen Flügel vollständig ab, überlebte aber. Durch eine Spendenaktion wurde ein Großteil der Tierarztkosten aufgebracht. „Ich hole sie demnächst zurück nach Österreich, sie wird ein Dauerpflegling bleiben“, so der Experte.

Wanderfalken in der Stadt

In Graz sind Inge und Ivica aktuell das einzige Wanderfalkenpaar, das hier brütet. In den letzten Jahrzehnten haben die Tiere hohe Gebäude in Städten für sich als Lebensraum erobert. Eigentlich brüten sie aber überwiegend in Felswänden. „Dort ist der Bruterfolg weit geringer, weil die Tiere dort viel exponierter sind, manchmal überlebt letztendlich kein einziges Jungtier“, weiß der Experte. Damit sich der Bestand weiter erholen kann, treibt Khil Projekte wie am Grazer und Leibnitzer Kirchturm voran.