Nach zwei tödlichen medizinischen Notfällen im vergangenen Herbst in der Obersteiermark wurde erneut Kritik an der begrenzten notärztlichen Versorgung in der Region laut. Das Rote Kreuz Liezen hatte einen Notarztstützpunkt in Großreifling vorgeschlagen und das Konzept dem Landessanitätsrat zur Überprüfung vorgelegt. Mit dem Ergebnis ist man aber mehr als unzufrieden. Daher wandte sich die Bezirksstelle mit einem Brief an Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) – dazu schickte man eine 51-seitige Stellungnahme.
Das Rote Kreuz spricht von „komplett verzerrten Tatsachen“, es wurde „schlampigst gearbeitet“, sagt Mario Lindner, Rotkreuz-Ortsstellenleiter in Altenmarkt/Großreifling und Nationalratsabgeordneter. Das sei deshalb so fatal, weil aufgrund solcher Einschätzungen politische Entscheidungen getroffen werden. „Der Landeshauptmann sollte sich auf Fachexperten verlassen können.“
In Wirklichkeit dreimal so viele Einsätze?
Was wird vom Roten Kreuz nun konkret kritisiert? „Ein großer Punkt ist, dass wir dreimal so viele Einsätze haben wie in der Stellungnahme dargestellt“, sagt Lindner. Wie es zu dieser Diskrepanz kommen kann, kann er sich nicht erklären. „Wir wissen nur, dass unsere Zahlen stimmen.“
Weiters würde hinsichtlich der beiden Todesfälle von den Experten „etwas abwertend beschrieben, dass da eh nichts mehr helfen können hätte“, kritisiert Lindner weiter. „Das kann schon stimmen, aber das ist nicht der Kern des Problems.“ Denn durch die langen Anfahrtszeiten könne man die international vorgegebene „Hilfsfrist“ von 15 Minuten, in der man beim Patienten sein soll, nicht einhalten.
Und der dritte große Punkt ist, dass laut der Evaluierung der Standort des vorgeschlagenen Stützpunktes nicht passend sei. „Das stimmt nicht, denn im Gegensatz zu denen sind wir die Strecken alle selbst gefahren“, sagt Lindner. Man könne die notärztliche Versorgung der Region „nicht aus dem Blickwinkel des Ballungsraumes – aus Grazer oder Leobener Perspektive – diskutieren“.
Streitparteien werden an einen Tisch gebracht
Und wie geht es nun weiter? Beim nächsten Unterausschuss zum Rettungs- und Notarztwesen werden die Streitparteien in Graz an einen Tisch mit Abgeordneten gebracht.