Es war am 24. Dezember 1955 als Erwin Haider aus Großraming (Oberösterreich) seine Arbeit verlor. Ein Umstand, der im 21-Jährigen nicht nur den Unternehmergeist weckte, sondern auch den Grundstein für etwas Großes, den heute international tätigen und breit gefächerten Konzern, legen sollte.

Erwin gelang es, seine Brüder Hans und Franz von seinen Plänen zu überzeugen, und am 1. Jänner 1956 war es soweit: Die Gebrüder Haider Deichgräberei wurde aus der Taufe gehoben. Die Brüder arbeiteten erst mit einer Mietraupe, legten später ihr Geld zusammen und erstanden ihren ersten Caterpillar. Im Dreischichtbetrieb waren sie im Einsatz, und holten schließlich auch Bruder Helmut mit ins Boot.

Aus kleinem Betrieb wurde Konzern

Das Unternehmen wuchs stetig, mittlerweile ist die Firma unter dem Namen Gebrüder Haider Bauunternehmung unter anderem im Hoch- und Tiefbau sowie im Autobahn-, Brücken-, Bahn-, Industriehallen-, Wohn- und Geschäftshäuserbau tätig, wickelt Großprojekte im In- und Ausland ab. Der Konzern vereint mehr als 100 Tochter- und Beteiligungsfirmen unter seinem Dach, beschäftigt über 2500 Mitarbeiter.

1994 übernahm die Unternehmensgruppe außerdem die Maschinenfabrik Liezen, die in wirtschaftliche Turbulenzen geraten war – und sicherte so rund 1000 Arbeitsplätze. Darüber hinaus errichtete sie bislang 24 Wasserkraftwerke in Österreich und Rumänien und betreibt Forstwirtschaft, etwa in der Slowakei und in Chile.

Erwin Haider (3. v. l.) in der Maschinenfabrik Liezen anlässlich 30 Jahre Übernahme durch die Unternehmensgruppe Haider
Erwin Haider (3. v. l.) in der Maschinenfabrik Liezen anlässlich 30 Jahre Übernahme durch die Unternehmensgruppe Haider © MFL/Birgit Steinberger

Doch nicht nur die Firma, auch die Familie vergrößerte sich mit den Jahren. Erwin Haider gab 1964 Herta Seebacher vom Gutsbetrieb Seebacher in Ardning das Ja-Wort. Das Paar bekam drei Kinder: Isolde, Erwin und Hubert. Die Söhne und Enkel wie auch die Nachkommen der Brüder Haiders zeichnen heute für die Führung der Gebrüder Haider Bauunternehmung verantwortlich.

„Faszinierende Persönlichkeit“

Im Lauf der Jahre kreuzten viele Menschen den Weg Erwin Haiders. „Wenn du ihn einmal getroffen hast, hast du ihn nicht mehr vergessen“, sagt seine Familie über „die faszinierende Persönlichkeit, die jetzt gegangen ist“. Der Altbürgermeister der Gemeinde Ardning und Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich oder das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark, „war immer einfach, ist immer am Boden geblieben“.

Daheim sein, das war dem 90-Jährigen das Wichtigste. Und daheim, am Seebacherhof in Ardning, umgeben von seiner Familie, hat Erwin Haider am 30. Juli seinen letzten Atemzug getan. Am Mittwochnachmittag und am Donnerstag ist er dort aufgebahrt, seinen letzten Weg tritt er am Freitag, dem 8. August, an. Um 13 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Frauenberg, danach wird Haider im Familiengrab beigesetzt.