Zum vierten Mal innerhalb von nicht einmal zehn Monaten waren die Steirerinnen und Steirer am 23. März zu einem Urnengang aufgerufen. Nach Europa- sowie Nationalrats- und Landtagswahl im Vorjahr standen diesen Sonntag die steirischen Gemeinderatswahlen 2025 am Programm. Gewählt wurde in allen steirischen Kommunen mit Ausnahme der Landeshauptstadt Graz, wo erst 2026 abgestimmt wird.
Im Bezirk Liezen konnten die 66.616 wahlberechtigten Personen, davon 6256 aus anderen Ländern der Europäischen Union, in 95 Wahlokalen zwischen Schladming und Wildalpen ihre Stimme abgeben. Die ersten sperrten um 7 Uhr auf, die letzten um 13 Uhr zu. Wahlkarten wurden im flächenmäßig größten österreichischen Bezirk 15.396 beantragt.
SPÖ gewinnt in der Bezirkshauptstadt
Während die ersten Gemeinden schnell ausgezählt waren, ließ die Bezirkshauptstadt Liezen bis ca. 16.20 Uhr auf sich warten. Doch auch dann war noch nichts fix. Gut eine halbe Stunde später trat die Gemeindewahlkommission noch einmal zusammen. Grund war eine Stimme, über deren Wertung – SPÖ, Grüne oder ungültig – Unklarheit herrschte. Sie wurde letztendlich ungültig gewertet. Eine Mandatsverschiebung hätte die Stimme – entgegen ersten Gerüchten – aber in keinen Fall bewirkt.
Das Ergebnis in Liezen: Die SPÖ unter Andrea Heinrich konnte leicht gewinnen, verbesserte sich um 1,48 Prozentpunkte auf 45,85 Prozent. Diese bedeuten zwölf Mandate – um einen Koalitionspartner wird man also nicht umhinkommen. Die ÖVP, die mit dem Wahlsieg geliebäugelt hatte, fällt von 37 auf 36,08 Prozent und verliert ein Mandat, hält nun bei neun.
Die FPÖ kann in Liezen deutlich zulegen – von 4,64 auf 12,91 Prozentpunkte beziehungsweise von einem auf drei Mandate. Die Grünen halbieren sich prozentuell zwar fast, fallen von 6,04 auf 3,64 Prozent, die aber nach wie vor ein Mandat garantieren. Nichts zu holen gab es für August Singer und die Neos mit nur 1,52 Prozent der Stimmen.
Schwarzer Sieg in der Ramsau
In Ramsau am Dachstein war der Ausgang der Wahl mit besonderer Spannung erwartet worden, hatte doch wenige Wochen vor der Wahl Bürgermeister Ernst Fischbacher seinen und den Rückzug seiner gesamten Mitstreiter der LEF (Liste Ernst Fischbacher) verkündet. Angetreten sind die ÖVP, die FPÖ und die Neos. Erstere ergatterte 39,9 Prozent der Stimmen und sechs Mandate, die Neos 34,51 Prozent (fünf Mandate) und die FPÖ kam auf 25,59 Prozent (vier Mandate).
Auch in Haus im Ennstal stellte sich Bürgermeister Stefan Knapp nicht mehr der Wahl, wohl aber trat seine Liste „Haus für alle“ wieder an. Für sie reichte es dieses Mal mit 30,55 Prozent der Wählerstimmen allerdings nur für Platz zwei – die ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Matthias Schwab eroberte 49,63 Prozent (+12,34 Prozentpunkte). Auf den weiteren Rängen: die SPÖ mit 12,01 und die FPÖ mit 7,81 Prozent.
Groß war die Spannung auch in Schladming. Die Liste Schladming und Bürgermeister Hermann Trinker mussten zwar einen Verlust von 12,30 Prozentpunkten hinnehmen, bleiben aber mit 40,15 Prozent dennoch auf dem ersten Platz. Auch auf Platz zwei hat sich nichts getan, er geht wieder an die ÖVP, die 5,81 Prozentpunkte verliert. Die Neos haben es bei ihrem ersten Antreten auf ein Mandat gebracht, die Liste „Zukunft für Schladming“ geht mit 2,88 Prozent der Stimmen leer aus.
FPÖ als großer Gewinner in Bad Aussee
Ein sattes Minus von 20,13 Prozentpunkten und drei Mandaten hat die ÖVP in Bad Aussee hinnehmen müssen. Platz eins war ihr mit 34,88 Prozent der Stimmen zwar noch gewiss, die Absolute ist jedoch weg. Großer Gewinner ist hier die FPÖ mit einem Plus von 15,79 Prozentpunkten und fünf Mandaten. 2020 noch hatte sie es mit 3,09 Prozent der Stimmen nicht in den Gemeinderat geschafft. Bei der SPÖ machten 24,80 Prozent der Bad Ausseer ihr Kreuzerl, die Roten bleiben damit mit einem Verlust von 2,78 Prozentpunkten bei sechs Mandaten. Die Grünen schafften es auf 21,43 Prozent (+7,11) und fünf Mandate, das sind zwei mehr als noch 2020.
Die SPÖ in Bad Mitterndorf auf den zweiten Platz verwiesen
Eine Überraschung gab es in Bad Mitterndorf: Hier kam die ÖVP auf 41,22 Prozent der Stimmen (neun Mandate) und verwies die SPÖ mit Bürgermeisterin Veronika Grill auf den zweiten Platz (39,43 Prozent, acht Mandate). Die FPÖ holte 19,36 Prozent und vier Mandate.
ÖVP verlor in Rottenmann zwei Mandate
In Rottenmann ist die ÖVP ebenfalls (wieder) auf Rang 1 gelandet. Allerdings musste sie Federn lassen. Sie kam auf 40,88 Prozent der Stimmen, das sind 8,44 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2020. Zwei Mandate muss sie abgeben, kommt in der kommenden Periode somit auf elf Sitze im Gemeinderat. Die SPÖ holte 36,84 Prozent (neun Mandate) und „Wir für Rottenmann“ 9,93 Prozent (zwei Mandate). Die FPÖ gewann in der Paltenstadt 5,27 Prozentpunkte dazu und landete bei 7,74 Prozent. Damit zieht sie dieses Mal in den Gemeinderat ein, 2020 war das nicht gelungen. Ein Mandat beziehungsweise 4,62 Prozent der Stimmen gab es für die KPÖ.
Lassing weiter in der Hand der ÖVP
Die ÖVP stand zwar im Gegensatz zu 2020 in Lassing nicht mehr als einzige Partei auf dem Wahlzettel, dennoch bleibt die Gemeinde in ihrer Hand. Die Partei rund um Bürgermeister Engelbert Schaunitzer konnte 63,22 Prozent (zehn Mandate) für sich verbuchen. Für die FPÖ, deren eigentlicher Spitzenkandidat Otmar Köhl nicht antreten konnte, weil er vergessen hatte, sich auf die Liste der Gemeindewahlvorschläge zu schreiben, holte 15,38 Prozent der Stimmen und zwei Mandate. Die SPÖ errang eines mehr und sitzt ab sofort mit drei Mitgliedern im Lassinger Gemeinderat. 21,41 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei den Roten.
SPÖ baute die Absolute in Trieben aus
64,12 Prozent der Stimmen und 14 Mandate bedeuten für die SPÖ in Trieben ein Plus von 4,32 Prozentpunkten und einem Sitz im Gemeinderat. Über mehr Stimmen als bei der Wahl 2020 darf sich hier auch die FPÖ freuen: 6,69 Prozentpunkte mehr auf dem Konto bringen den Blauen ein Mandat mehr. Verloren haben hingegen die Grünen (-4,58 Prozentpunkte), die ÖVP (-3,66) und die KPÖ (-2,78).
Viel Rot im Gesäuse
In Ardning, Landl, Altenmarkt bei St. und Wildalpen gewinnt die SPÖ die Wahl. In Ardning verliert Bürgermeister Reinhard Metschitzer zwar rund zehn Prozentpunkte, liegt mit 55,48 Prozent aber dennoch klar vor der zweitplatzierten ÖVP, die auf 32,57 Prozent kommt. Auch Ortschef Bernhard Moser in Landl verliert, er fällt um circa 13 Punkte auf 60,67 Prozent. Zulegen kann hingegen Hannes Andrä in Altenmarkt bei St. Gallen, und zwar um rund 10 Punkte. Mit 71,93 Prozent baut er seine absolute Mehrheit damit sogar um ein Mandat aus.
Wenig überraschend der SPÖ-Sieg in Wildalpen. Da die Sozialdemokraten dort die einzige Wahloption waren, erreichten sie 100 Prozent und alle neun Mandate. Mit Spannung erwartet wurde in der östlichsten Gemeinde des Bezirks daher auch eher die Wahlbeteiligung. Diese lag bei beachtlichen 87,77 Prozent und damit sogar über jener von 2020.
Admont und St. Gallen schwarz
Die ÖVP kann hingegen in Admont und St. Gallen gewinnen. In Admont hält Bürgermeister Christian Haider das Ergebnis von 2020. Er erreicht 53,75 Prozent und zwölf Mandate. Die SPÖ verliert rund zehn Prozentpunkte, landet bei 26,82 Prozent. Die FPÖ kann stark zulegen, macht aus 4,01 Prozent 13,72. Die Grünen landen bei 5,70 Prozent.
In St. Gallen kann VP-Bürgermeister Armin Forstner leicht zulegen – von 63,15 Prozent im Jahr 2020 auf nun 66,53 Prozent. Damit verbunden auch ein Mandatsgewinn. Die Volkspartei hält damit nun bei elf Mandanten und baut die Absolute damit aus.
Gröbming bleibt rot
6,04 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren und der Verlust von zwei Mandaten: Die SPÖ in Gröbming mit Bürgermeister Thomas Reingruber an der Spitze hat zwar etwas verloren, darf aber trotzdem über 52,43 Prozent der Stimmen und somit die absolute Mehrheit jubeln. „Wir alle sind überwältigt und sehr dankbar für das riesige Vertrauen“, ließ Reingruber am Sonntagnachmittag via Facebook verlauten.
Die ÖVP musste in der Marktgemeinde ein Minus von 11,85 Prozentpunkten und zwei Mandaten hinnehmen und rutschte mit 17,60 Prozent der Stimmen auf Platz drei hinter die FPÖ. Selbige gewann 7,82 Prozentpunkte und zwei Mandate dazu. Die Liste „Zukunft Gröbming 2035“ schaffte es bei ihrem ersten Antreten auf 10,06 Prozent beziehungsweise zwei Mandate.
Zwei Mandate für ÖVP-Kandidat, der allein angetreten ist
85,91 Prozent für die SPÖ in Selzthal, die traditionell rote Hochburg, hat somit ihre Farbe zurück. 2020 hat hier die ÖVP mit ihrem Wahlsieg für eine Überraschung gesorgt. Der schwarze Bürgermeister Hannes Mitterhauser verlor allerdings im Vorjahr nach und nach seine Mitstreiter und musste sein Amt schließlich wieder an die SPÖ beziehungsweise Andrea Freisinger abgeben. MItterhauser trat bei der heutigen Wahl wieder an und kam auf 14,09 Prozent der Stimmen. Das bedeutet zwei Mandate - er kann allerdings nur eines besetzen, weil er als einziger ÖVP-Kandidat ins Rennen ging.
Ein Plus für FPÖ und Neos
46.416 der 66.616 Wahlberechtigten im Bezirk Liezen machten am Sonntag von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 69,68 Prozent. 45.782 gültigen Stimmen standen 634 ungültige gegenüber.
Über ein Plus durften sich am Ende des Tages lediglich die FPÖ mit 8,90 Prozentpunkten und 40 Mandaten sowie die Neos mit 1,29 Prozentpunkten und fünf Mandaten freuen. Alle restlichen Parteien – sprich ÖVP, SPÖ, Grüne, KPÖ und sonstige Listen – sahen sich mit Verlusten konfrontiert. Am dicksten fiel das Minus mit 4,85 beziehungsweise 2,59 Prozentpunkten bei den sonstigen Listen und der ÖVP aus. In Mandaten sind das 20 beziehungsweise 19.
Die Gemeinderatswahlen 2020
Bei den Gemeinderatswahlen vor fünf Jahren im Bezirk Liezen landete die ÖVP mit 43,3 Prozent klar auf Platz eins, gefolgt von der SPÖ mit 34,6 Prozent. Die drittplatzierte FPÖ erreichte lediglich 5,7 Prozent. Für Aufsehen sorgten 2020 vor allem die Triumphe der Bürgerlisten im oberen Ennstal sowie der Fall der roten Hochburg Selzthal, wo Hannes Mitterhauser – mittlerweile wieder Ex-Bürgermeister – die absolute Mehrheit holte. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,2 Prozent.