Autismus zeigt sich in verschiedenen Ausprägungen. Das allein macht es schwierig, eine Diagnose zu stellen. Mit dem Ärztemangel, den jahrelangen Wartezeiten wegen kaum verfügbarer Therapieplätze und unleistbaren Therapiekosten steigt die Gefahr einer Nichtbehandlung, weiß Pascal Resetarits. "Es gibt Betroffene, die ihr Leben lang keine fixe Diagnose erhalten."

"Zehn Jahre und zig Ärzte bis zur Diagnose"

Beim 29-Jährigen ist es zwei Jahre her, dass er als autistisch diagnostiziert wurde. Die erste Vermutung hatten die Ärzte vor über zehn Jahren. Damals war Resetarits 17 Jahre alt, litt an psychischen Problemen. "Zehn Jahre und zig Ärzte hat es gedauert, bis ich die Diagnose bekam", erinnert sich der Steirer, der sich in dieser Zeit vieles antrainiert hat, etwa Augenkontakt zu halten. Als Kind war er schüchtern, wurde in der Schule gemobbt, hatte große Angst, Referate zu halten. Der Unterricht für autistische Kinder war von Inklusion oft weit entfernt. "Keiner meiner Lehrer hatte damals vermutet, ich könnte Autist sein."
Vieles habe sich seitdem verändert, Ärztinnen und Pädagogen sind aufmerksamer geworden, weiß Christine Kopp, fachärztliche Leiterin im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentrum in Feldbach. Dort zählt Autismus zur meist gestellten Diagnose bei Kindern. "Von 2018 bis 2022 konnten wir eine Steigerung von über 400 Prozent vermerken", sagt Kopp. Trotzdem mangle es in der Steiermark nach wie vor an Stellen, wo Autismus diagnostiziert werden kann.

Pascal Resetarits erhielt seine Autismus-Diagnose mit 27 Jahren
Pascal Resetarits erhielt seine Autismus-Diagnose mit 27 Jahren © KLZ/ Pajman

Wartezeiten bis zu drei Jahre

Nur wenige der bestehenden Einrichtungen haben Förderverträge mit dem Land zur Umsetzung autismusspezifischer Therapien. Zu diesen Therapiestellen gehören zum Beispiel der Verein Magnus oder Libelle. Dort werden über das Behindertengesetz Therapien vom Land finanziert, ein Teilbetrag der Therapiekosten den Patienten rückerstattet. Dementsprechend lang sind daher auch die Wartezeiten. Für eine Behandlung warten Betroffene oft zwischen zwei und drei Jahren. "Das ist so lange wie noch nie", sagt Libelle-Geschäftsführerin Christa Hönig-Sterrer.
Die Lebenshilfe Soziale Dienste in Graz hat vom Land bislang noch keine Zusage für einen Fördervertrag erhalten. Durch eine Spende von "Steirer helfen Steirern" besteht die Möglichkeit eines finanziellen Zuschusses zu diesen Leistungen, welche somit für Betroffene leistbar gemacht werden. Die Kosten für eine Diagnose tragen die Patienten in jedem Fall selbst. Je nach Einrichtung liegen die Kosten für Diagnostik zwischen 600 und 700 Euro. Die Einrichtungen fordern einen landesweiten Ausbau der Diagnostik- und Therapiezentren.

Seit er von seiner Diagnose weiß, ist Pascal Resetarits erleichtert. "Wenn ich weiß, was es ist, kann ich auch damit umgehen", erzählt der 29-Jährige. Zurzeit nimmt er an einem Arbeitsprojekt der Lebenshilfe teil und ist Mitglied der inklusiven Redaktion in der Kleinen Zeitung. Regelmäßig spricht er mit seinen Betreuern, erzählt von seinen Ängsten und Zukunftswünschen: "Vieles ist jetzt anders. Ich weiß jetzt genau, womit ich mir schwertue und was ich dagegen tun kann."