Andrang auf die Ambulanz, aufgeregte Eltern, kranke Kinder, erschöpftes Personal. Die Situation der Grazer Kinderklinik sorgt seit dem Herbst für Zündstoff. Nun liefert eine Anfragebeantwortung aus dem Gesundheitsressort an die FPÖ interessante Hintergründe zur Kinder- und Jugendheilkunde (nicht Chirurgie). Demnach mangelt es weniger an Ärzten, sondern an (Diplom-)Pflegepersonal. Es gab auffallend viele Abgänge.

Kündigung

Allein die Köpfe gezählt, stieg der Personalstand auf der bekannten LKH-Klinik: von 386 im Herbst 2018 auf 434 (November 2022). Umgerechnet sind das rund 338 Dienstposten. Allerdings: Seit 2018 haben 83 Mitarbeiterinnen in der Pflege die Kündigung eingereicht. 14 weitere suchten in diesem Zeitraum um ihre Versetzung an.

Laut Übersicht der Spitalsgesellschaft fehlt vor allem diplomiertes Personal: Zehn Stellen waren vakant, was aber auch an höheren Soll-Zahlen liegen soll. Kein Geheimnis ist, dass Pflegekräfte aus anderen Abteilungen an der Kinderklinik aushelfen müssen.

Dienstanweisung

Laut Anfragebeantwortung umfasse der Pool für die Kinderintensivstation elf Personen. Sie seien freiwillig und befristet gewechselt – und für eine Verwendungsentschädigung bis zu 540 Euro brutto im Monat. Mittlerweile werde auch auf Dienstanweisung hin "getauscht", heißt es intern.

125 Ärzte

Bei den Ärzten wies der Stellenplan im Vorjahr drei unbesetzte Vollzeitposten aus. Das Haus betrachtet, ist die Zahl der Ärzte an der Kinder- und Jugendheilkunde nicht gesunken, sondern von 117 (2018) auf 125 (November 2022) gestiegen. Auf Fächer-Ebene gibt es mehr Mediziner für Kardiologie und Neugeborenen-Medizin; weniger für Lungenerkrankungen.

Rekrutierung im Ausland

Dass dies kein Dauerzustand sein kann, ist allen Verantwortlichen bewusst. Die Spitalsgesellschaft Kages versucht längst, Personal im Ausland zu gewinnen. Bis zu 100 Diplomkrankenpfleger (nicht allein für die Kinder-/Jugendheilkunde) werden ausgeschrieben. Und um das Stammpersonal zu entlasten, werden Medizinstudenten bzw. Schreibkräfte eingesetzt.

Die Probleme seien zum Teil hausgemacht, beklagt FPÖ-Klubobmann Mario Kunasek. So wären "zahlreiche Warnungen und Verbesserungsvorschläge von Experten, Interessensvertretungen und Opposition von der schwarz-roten Landesregierung ignoriert oder schubladisiert worden", kritisiert er. Bis heute "fehlen in vielen steirischen Regionen adäquate Versorgungsstrukturen für den Nachwuchs".

FPÖ-Klubobmann Mario Kunasek
© Juergen Fuchs