Messehalle D, Eingang Bogentor, Jakominigürtel 20, 8010 Graz. Wer sich regelmäßig testen geht oder eine Covid-Impfung hinter sich hat, kennt diesen Ort. Seit Mittwoch beherbergt die Halle das neue Ankunftszentrum für Geflüchtete aus der Ukraine. Die Impfstraße musste weichen. Das Zentrum ist die erste Anlaufstelle für Fragen rund um die medizinische Versorgung, Anmeldung und der Suche nach einer Bleibe. Um 14 Uhr, als das Zentrum die Türen öffnete, standen bereits dutzende Menschen vor der Halle. Alle, die sich vor Ort registrieren, erhalten zunächst ein Band ums Handgelenk, bevor es dann zur Covid-Testung geht. Die Menschen kommen aus allen Altersgruppen, eine kleine Kinderspielecke wurde eingerichtet.

Ein kleines Mädchen, dick eingepackt, mit Schal, Mütze und rosaroter Jacke lächelt freundlich einen Sanitäter an und flüstere ihm einen Satz auf Ukrainisch zu. Zur besseren Verständigung sind auch Dolmetscher vor Ort, die bei den offenen Fragen hilfsbereit zur Seite stehen. Das Zentrum hat für die Menschen 24 Stunden geöffnet.

Nach dem Covid-Test erhalten die Ukrainerinnen und Ukrainer eine Sozialversicherungsnummer vom Land Steiermark. All jene, die noch kein Quartier gefunden haben, werden vor Ort vermittelt. Insgesamt befinden sich zurzeit schon über 1000 ukrainische Geflüchtete in der Steiermark.

Versicherung bis Öffi-Freifahrt

"Es ist eine dramatische Situation", sagten Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) und Europalandesrat Christopher Drexler (ÖVP) am Montag bei der Präsentation des Zentrums. Wer sich im Ankunftszentrum registrieren lässt, erhält Zugang zu medizinischen Bereichen, zu Wohnungen, aber auch zum Arbeitsmarkt. All jene, die weiterreisen wollen, müssen sich nicht registrieren lassen, es ist aber empfehlenswert.

Laut Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) bekommen ukrainische Kinder nach der Registrierung auch eine Schülerfreifahrt bis zum Sommer, alle Eltern fahren bis zum 31. März mit den Öffis gratis. Auch danach soll eine Lösung gefunden werden. "Wir sind eine Menschenrechtsstadt, wir werden helfen", sagt die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Auch der Verkehrsverbund Steiermark reagiert bereits: Alle ukrainischen Flüchtlinge können mit nachgewiesenem ukrainischem Reisepass die Busse und Bahnen im Verkehrsverbund zum Zwecke der An- und Durchreise kostenlos bis vorerst 30. Juni 2022 nutzen.

Außerdem wird durch das Ankunftszentrum eine Grundversorgung gewährt. Kampus: "Wer eine Unterkunft und Verpflegung braucht, wird weitervermittelt." Ziel ist es, das Ankunftszentrum als erste Station zu sehen, die Geflüchteten sollen von hier aus rasch in Quartiere untergebracht werden. Wer privat Platz hat, möge sich bitte melden, so der Appell (Hotline: 0800201010). Die Caritas stellt bereits Dutzende Quartiere zur Verfügung, auch die Stadt Graz hält Wohnungen bereit, aber der Bedarf an Unterkünften wird vorerst nicht abnehmen.

Geeintes Vorgehen: Vize-Bgm. Judith Schwentner, Bgm. Elke Kahr, LR Christopher Drexler, LR Doris Kampus, Alexander Gaisch (Polizei), Peter Hansak (Rettung), Herbert Beiglböck (Caritas)
© Juergen Fuchs

Medizinische Hilfe: Tests bis Impfung

Die Registrierung durch die Polizei im Zentrum wird laut Landespolizeidirektor-Stellvertreter Alexander Gaisch nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. "Die Menschen stellen den Antrag im Sinne der Vertriebenenverordnung, die seit Samstag in Kraft ist und sämtliche Leistungen ermöglicht." Noch vor der Registrierung wartet eine Covid-19-Teststation. "Niemand muss Angst haben, von seiner Familie getrennt zu werden", sagt Landesrettungskommandant Peter Hansak. Wenn jemand positiv getestet wird, folgt ein PCR-Test. Während man auf das Ergebnis wartet, wird die Registrierung in einem eigenen Quarantäne-Bereich durchgeführt. "Wir achten darauf, dass Familien zusammenbleiben, auch wenn jemand wirklich in Quarantäne muss", sagt Hansak.

Ebenso soll es eine Impf-Möglichkeit geben. Außerdem wird ein Allgemeinmediziner vor Ort zur Verfügung stehen. Und es warten einen Ruheraum, Dolmetscher bzw. therapeutische Hilfe. "Wenn der Prozess der Registrierung und der Zuweisung in die Grundversorgung vom Land abgeschlossen ist, kommen die Personen in die Regionalbetreuung – durchgeführt von der Caritas", sagt Caritas-Direktor Herbert Beiglböck. 

Betten für den Notfall

Für den Notfall (Bsp: ein vollgepackter Bus mit ukrainischen Frauen und Kindern kommt mitten in der Nacht an) stehen im Ankunftszentrum selbst 100 Betten bereit. "Wir können auf bis zu 1000 für den Ernstfall aufstocken", sagt Hansak. Auf ausreichend Hygieneartikel, Kinderbetreuung, Babynahrung, warme Getränke und Verpflegung im Zentrum wird ebenso geachtet. "Wir nehmen diese riesige humanitäre Verantwortung wahr", so Landesrätin Kampus. Sie rechnet damit, dass die Menschen nicht nur Wochen, sondern Monate bleiben. Bisher stehen rund 4000 Plätze in der Steiermark zur Verfügung, teils in Gemeindewohnungen, teils in Wohnungen von Privaten oder Genossenschaften. "Wir werden sicher noch weitere brauchen", meint Drexler.