Weggefährten eines langen Lebens erinnerten in der Grazer Münzgrabenkirche an die vielen Facetten des ehemaligen Chefredakteurs der Kleinen Zeitung, Erwin Zankel. Heinrich Schnuderl, der mit dem Verstorbenen seit Studententagen verbunden war, erinnerte an den weichen Kern des Mannes, den er hinter einer rauen Schale schützte. Ein „feinfühliger Familienmensch“ sei Erwin Zankel gewesen, sagte der ehemalige Dompfarrer und Bischofsvikar, unerschrocken in seinem Einsatz für das freie Wort. Breite und Tiefe habe Denken und Schreiben Zankels ausgezeichnet.
Arbeiten mit Akribie
„In allem einmalig und unverwechselbar“ nennt Styria-Vorstandsvorsitzender Markus Mair den Verstorbenen und erinnerte daran, dass der im 86. Lebensjahr Verstorbene bis zuletzt geschrieben hatte: „Erwin Zankel war Kleine Zeitung bis zum Tod.“ Beim Lesen früher Texte sei ihm die Akribie aufgefallen, mit der Zankel sich in die Details von Gesetzgebungsprozessen und Wirtschaftsentwicklungen vertieft hatte. Der Bericht von der Bilanzpressekonferenz der Alpine-Montan etwa habe sich aus großer zeitlicher Distanz wie eine Bilanzanalyse von Bloomberg gelesen, sagte er. „Mehr Fakten geht nicht.“
Als Chefredakteur habe Zankel eine „seltene Kombination aus Kompetenz und Menschenführung“ an den Tag gelegt. Gegenüber den Mächtigen in Politik und Kirche sei er immer „hochgradig unabhängig“ gewesen, erzählt Mair und verschweigt nicht, dass er diese Eigenschaft auch gegenüber seinem Arbeitgeber anzuwenden pflegte. Die Ära Zankel sei die „Hochblüte der Kleinen Zeitung in Bezug auf Relevanz und Verbreitung“ gewesen, sagte Mair. Dass der verdiente Journalist erst 2022 eine Ehrung seines Lebenswerks erfuhr, „sagt viel über die in Österreich vergebenen Preise aus“, formulierte Mair.
Altlandeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der mit dem Verstorbenen über mehr als fünf Jahrzehnte in Freundschaft verbunden war, erinnerte an seine letzte Begegnung im Krankenhaus, an die körperliche Schwäche und geistige Frische des Schwerkranken. Dann blendete er zurück zu den ersten Jahren des Innenpolitik-Journalisten Zankel, die mit seinen Anfängen in der Politik zusammenfielen. Eine Instanz sei der junge Journalist gewesen, die Wirkung seiner Kolumne „Hakelziehn“ in den siebziger- und achtziger-Jahren könne man sich heute kaum mehr vorstellen. „Sein Wort hatte nach innen und außen Gewicht.“
„Kritische und verlässliche Freundschaft“
Schützenhöfer erzählt von der Heimatverbundenheit seines Freundes und von seiner Solidarität mit der Redaktion. „Er war eine Seele von Mensch“, sagte der Politiker, der mit seinem Freund manchen politischen Strauß ausgefochten hat. „Wir sind Lebensfreunde geworden“, sagte Schützenhöfer. Eine kritische und verlässliche Freundschaft in guten und weniger guten Tagen sei es gewesen. „So schlecht kannst du über mich nicht schreiben, dass ich dir böse bin“, habe er ihm einmal gesagt. Sichtlich bewegt schloss Schützenhöfer: „So einen wie Dich gibt‘s nimmer.“