Nach der fürchterlichen Bluttat in St. Peter am Ottersbach laufen die Ermittlungen des Landeskriminalamts weiter. Mit dem Geständnis des 17-jährigen Fleischerlehrlings, wonach er in das Haus eines älteren Ehepaares eingedrungen ist und die beiden Bewohner „aus Mordlust“ mit einem Messer attackiert habe, sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Es geht auch um die Sicherung von Beweismitteln. So wird noch immer ein Hammer gesucht, den der Bursche für den Einbruch ins Haus verwendet hatte.
Der Jugendliche selbst befindet sich mittlerweile in der Justizanstalt Graz-Jakomini. „Über ihn ist am Freitag die U-Haft verhängt worden“, bestätigt Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, der Kleinen Zeitung. Der 17-Jährige ist bei seinem Geständnis geblieben. Eine Gerichtsmedizinerin wurde bestellt, sie soll die Schwere und Massivität der Messerangriffe klären.
Aus Mordlust gehandelt
Er wollte selbst erfahren, wie es ist, wenn man einen Menschen tötet. Das soll der 17-Jährige in der ersten Einvernahme den Ermittlern als Motiv genannt haben. Seine Opfer kannte er nicht wirklich. Er habe aber gezielt das Einfamilienhaus ausgesucht, weil es auf ihn den Eindruck machte, dass dort ältere Menschen wohnen. Von diesen sei weniger Gegenwehr zu erwarten. Am Mittwoch gegen 2.45 Uhr marschierte der Fleischerlehrling mit einem Hammer und einem Messer zum Haus, kletterte über einen Balkon in den ersten Stock und schlug mit einem Hammer das Fenster ein.
Dann stach er mit dem Messer auf das Paar ein, das durch den Einbruchslärm bereits geweckt worden war. Dass die 80-Jährige die Attacke überlebte, ihr Ehemann aber nicht, dürfte nur Zufall gewesen sein. Nach der Tat ging der Bursche nach Hause, wählte den Polizeinotruf und schilderte ruhig, war passiert war. Er wurde an seiner Wohnadresse festgenommen.
Mögliche psychische Erkrankung
„Ich musste es tun, ich musste töten“, soll der 17-Jährige dem Vernehmen nach gesagt haben. Ein Indiz für Stimmen, die einen regelrecht zu der Tat zwingen? Die bekannte Psychiaterin und Gerichtsgutachterin Adelheid Kastner will sich im Gespräch mit der Kleinen Zeitung zum konkreten Fall und einer möglichen psychischen Erkrankung des Täters nicht äußern. Sie beruft sich aber auf ähnlich gelagerte Fälle. „Diese Halluzinationen machen einen derart großen Druck, man ist ihnen ausgeliefert. Der Betroffene muss die Befehle ausführen, das geht gar nicht anders.“
Im Gegensatz zu psychisch kranken Erwachsenen seien Jugendliche diesen Stimmen und „Einflüsterern“ viel leichter ausgeliefert. „Die Stimmen erscheinen real und unausweichlich, man kann sie nicht steuern.“ Das abgeleitete Verhalten variiere von Fall zu Fall: „Es führt zu unsinnigen Handlungen, die unbedingt ausgeführt werden müssen. Es kann sein, dass man sich gezwungen fühlt, aufs Dach zu steigen und dort zu verweilen. Es kann aber auch ein Mord sein.“ Für Kastner ist das „Tragische“ daran, „dass solche Erkrankungen an sich behandelbar sind – wenn man sie rechtzeitig erkennt“.
Fleischerlehrling „unauffällig und eher introvertiert“
Ob und welche Alarmsignale es bei dem 17-Jährigen Fleischerlehrling gegeben hat, ist noch nicht bekannt. Der Bürgermeister von St. Peter am Ottersbach, Reinhold Ebner, beschreibt den Jugendlichen, der aus dem Ort stammt und bei seiner Familie wohnt, als unauffälligen Burschen, der „eher introvertiert war, eben nicht der klassische Jugendliche, der zum Sportplatz geht“. Er kenne den 17-Jährigen und auch dessen Bruder aber auch nur vom Sehen.
Die Aufarbeitung der Geschehnisse wird den Ort wohl noch die kommenden Wochen und Monate, wenn nicht sogar Jahre, beschäftigen. „Jetzt müssen wir darauf achten, dass die Situation nicht weiter eskaliert. Bis zu einem gewissen Grad gilt es, beide Familien zu schützen“, sagt Ebner. Er appelliert an die Bevölkerung: „Wir sollten niemanden für etwas verurteilen, wofür er nichts kann.“ Den betroffenen Familien bietet die Gemeinde ihre Unterstützung an. Auch vom Streetwork Südoststeiermark kommt ein Angebot.