Mit der unstillbaren Neugier von Hühnern hat Florian Macher-Stangl nicht gerechnet. Die Tiere sind intelligenter als ihr Ruf und freuen sich, wenn Bewegung in den monotonen Stallalltag kommt. Für einen Mechatroniker, der an einem digitalen Überwachungssystem für Mastbetriebe arbeitet, bedeutet das allerdings eine unerwartete Herausforderung: „Die Hühner sind ganz wild auf Teile, die sich bewegen und Kabel, an denen sie ziehen können. Sie picken dann so lange darauf herum, bis sich etwas löst“, sagt Macher-Stangl. Sein Auftrag lautete dementsprechend, das Gerät unangreifbar für den Hühnerschnabel zu machen.

Auftraggeber war das Judenburger Unternehmen Novutrack, das ein System namens „Chicken-Watcher“ entwickelt hat. Gedacht ist es für Mastgeflügelbetriebe, um das Verhalten und den Gesundheitszustand der Tiere mittels digitaler Bildauswertung und Künstlicher Intelligenz in Echtzeit zu überwachen. Durch die Analyse von Kamerabildern können Krankheiten in der Herde frühzeitig erkannt und rechtzeitige Maßnahmen gesetzt werden.

Mechanik hatte Probleme mit Dreck im Stall

Die digitale Technik hinter der Idee funktionierte bereits einwandfrei, aber die Mechanik war noch nicht für die rauen Stallverhältnisse gerüstet: „Im Hühnerstall gibt es sehr viel Dreck. Alleine die Staubentwicklung sorgte dafür, dass die Kameras schnell nichts mehr erkennen konnten, Schmutz und Wasser sind in die Elektronik eingedrungen und haben das System gestört. Deshalb ist Novutrack auf uns zugekommen“, sagt Macher-Stangl.

Das Foto zeigt Florian Macher-Stangl
Florian Macher-Stangl von der FH Campus 02
| Florian Macher-Stangl von der FH Campus 02 © Wolf

Er arbeitet am Department für Automatisierungstechnik der FH Campus 02, wo regelmäßig praktische Forschungs- und Entwicklungsfragen aus der Wirtschaft behandelt werden. Für den „Chicken-Watcher“ lautete die Aufgabe, das bestehende System so weiterzuentwickeln, dass es wartungsfrei in Hühnermastbetrieben eingesetzt werden kann – ohne dass damit ein zusätzlicher Aufwand für die Landwirte entsteht. Das System musste wasserdicht werden, schmutzabweisend und vor allem resistent gegen neugierige Hühnerschnäbel.

Balance zwischen Funktionalität und Leistbarkeit

Für Macher-Stangl begann damit vor zwei Jahren die Suche nach geeigneten Materialien, die diesen Anforderungen gerecht werden. Wichtig war dem Mechatroniker, auf bestehende Bauteile und Hersteller aus Österreich zu setzen: „Neben der Funktionalität war auch die Leistbarkeit ein wichtiger Faktor. Indem wir bereits verfügbare Komponenten eingesetzt haben, konnten wir die Produktionskosten senken.“

Experimentieren musste er dennoch – mit Steckverbindungen, die weder spröde werden noch von verspielten Hühnern gelöst werden können. Mehrere Prototypen entstanden so im Labor des Departments für Automatisierungstechnik, um sie zu testen, musste das Gerät freilich in den Hühnerstall. Dort wurde es dann mehrere Monate auf Herz und Nieren geprüft, um weitere Schwachpunkte zu analysieren. Die aktuelle Version 4.0 soll nun in Produktion gehen und die Tiergesundheit in Mastbetrieben verbessern.

KI erleichtert Arbeit in der Landwirtschaft

Moderne Technik in ein Umfeld zu bringen, das sehr traditionsbewusst arbeitet wie die Landwirtschaft, war für Macher-Stangl ein besonders spannender Aspekt in diesem Kooperationsprojekt. „Es war wirklich cool, eine Brücke zu schlagen zwischen der digitalen Technologie und dem traditionellen Gewerbe. Das Beste daran ist, dass hier die künstliche Intelligenz keine Arbeitsplätze ersetzt, sondern eine wirkliche Unterstützung bietet, weil sich die Landwirte die mühsame Arbeit ersparen, die Hühner einzeln einzufangen, zu wiegen und auf Krankheitsanzeichen wie die Ballenentzündung zu untersuchen“, sagt Macher-Stangl.

Selbst war er bei Tests noch nie vor Ort, weil die Hühneraufzucht strenge Regeln verfolgt, was den Zutritt zum Stall anbelangt. Fremde werden von den Hühnern nicht gerne gesehen, das bringt Unruhe in die Herde. „Aber den Feldversuch des vierten Prototypen möchte ich mir trotzdem aus nächster Nähe ansehen. Das gönn‘ ich mir.“