Iiiiiih, Spinne! Rund zehn Prozent der Menschen in Österreich leiden an einer Spinnenphobie, der Fachausdruck dafür ist die Arachnophobie. Forschende der TU Graz haben nun eine neue Therapiemöglichkeit entwickelt, um Betroffene zielgerichteter behandeln zu können.
Es handelt sich um ein neuartiges Virtual-Reality-System, das mit Daten aus dem EEG (Hirnstrom-Messung) und der Herzfrequenz verknüpft ist: Auf Basis dieser Messdaten passt das System die Intensität der Reize in Echtzeit an das Angstniveau der Person an. So wird eine Über- oder Unterforderung vermieden und die Wirksamkeit optimiert, um die Betroffenen an die Tiere zu gewöhnen.
Das Ziel: Gewöhnung an die Spinne
Spinnenangst zählt zu den häufigsten spezifischen Phobien, eine wirksame Behandlung ist die sogenannte Expositionstherapie: Betroffene werden schrittweise mit dem angstauslösenden Reiz – also der Spinne – konfrontiert, um sie daran zu gewöhnen.
Im Rahmen der Therapie kommen dabei auch Virtual-Reality-Anwendungen als Alternative zu Begegnungen mit echten Tieren zum Einsatz. Die Intensität der Konfrontation in diesen Systemen dosieren Therapeuten meist auf Basis subjektiver Eindrücke.
Im Gegensatz dazu reguliert das neuartige System der TU Graz mit dem Namen „VRSpi“ die Intensität der Angstreize anhand der gemessenen Daten: Die Grundzüge des Systems wurden im Rahmen einer Masterarbeit unter der Leitung von Selina C. Wriessnegger am Institute of Neural Engineering entwickelt.
„Die Hirnströme und Herzfrequenz liefern uns verlässliche Hinweise darauf, wie stark jemand gerade belastet ist“, sagt Wriessnegger. Als besonders aussagekräftig erwies sich die frontale Alpha-Asymmetrie im EEG: Bei Angst zeigt sich eine stärkere Aktivierung des rechten Frontallappens des Gehirns.
Virtuelle Spinnen im Kellergewölbe
An einer Studie für das neue System nahmen 21 gesunde Personen teil. Sie trugen eine EEG-Haube sowie eine VR-Brille und wurden in einem virtuellen Kellergewölbe unterschiedlich intensiven Reizen ausgesetzt – von einzelnen kleinen bis zu zahlreichen großen Spinnen.
Die Teilnehmenden signalisierten regelmäßig per Handzeichen, wie sie ihr Angstniveau selbst einschätzten. Parallel dazu analysierte ein zuvor auf die jeweilige Person trainierter Algorithmus die EEG-Daten in Echtzeit.
„Unsere Ergebnisse belegen, dass sich Angstzustände zuverlässig im Gehirn messen lassen und die Daten für eine Steuerung virtueller Umgebungen nutzbar sind“, sagt Wriessnegger. „Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Therapiekonzepte, bei denen die Exposition präzise und individuell dosiert wird.“
Hürden für die breite Anwendung
Für eine breite Anwendung in der klinischen Praxis stellt vor allem die Hardware derzeit noch eine Hürde dar. Das Anlegen einer EEG-Haube ist vergleichsweise aufwendig und erfordert geschultes Personal. Zwar existieren bereits kompaktere EEG-Lösungen wie Wearables oder In-Ear-Systeme, diese erreichen jedoch bislang nicht dieselbe Messgenauigkeit.