Sag mir, wie du heißt und ich sage dir, welches Jahr wir schreiben. Ganz so einfach ist es zwar nicht. Aber klar ist: Namen erzählen Geschichte. Sie sind so etwas wie eine Zeitkapsel, von der man Rückschlüsse auf Migration, Abwanderung und andere gesellschaftliche Trends ablesen kann. Ein Beispiel: Im Jahr 1989 wurden laut Namensatlas der Statistik Austria in Österreich 249 Kevins zur Welt gebracht, ein Jahr später kam der Film „Kevin allein zuhaus“ in die Kinos. 1990 wurden daraufhin 510 Kevins geboren, 1991 855 und 1992 gar 904. Ungewöhnlich ist das nicht. Katharina Scherke, Soziologin an der Uni Graz sagt: „Popkulturelle Erscheinungen haben Einfluss auf die Namensgebung, dabei kommen und gehen Namen in Wellenbewegung.“ Kevins Hype ist mittlerweile vorüber. 2024 wurden in ganz Österreich nur noch acht Kevins geboren.
Andere Namen gewinnen wieder an Popularität. Exemplarisch dafür: Josef, Namenspatron der Steiermark und Kärntens und somit verantwortlich für den Josefitag. Anfang des Jahrtausends kamen 98 Josefs in Österreich zur Welt, 2024 bei zugleich sinkender Geburtenstatistik 174. In den vergangenen fünf Jahren ist der Trend anhaltend stabil. Doch woher kommt die Wiedergeburt des Josefs? „Bei Josef kann es die bewusste Entscheidung gegen weit verbreitete Namen sein. Mit einem alten Namen heben sich Eltern ab, schwimmen bewusst gegen den Strom – auch das ist in gewisser Weise ein Trend“, sagt Scherke. Der Trend zum Alten ist neu.
Namensgebung erfolgt nach Gesetz
Prinzipiell ist die Vornamengebung in Österreich leicht. Es gilt der Grundsatz: Es ist alles erlaubt, was nicht gerade verboten ist. Die österreichische Vornamensgesetzgebung schreibt vor, dass zumindest der erste Vorname des Kindes dem Geschlecht nicht widersprechen darf. Zudem gilt: „Bezeichnungen, die nicht als Vornamen gebräuchlich oder dem Wohl des Kindes abträglich sind, dürfen nicht eingetragen werden.“ Eine schwarze Liste mit verbotenen Namen gibt es zwar nicht, aber es gibt zumindest Beispiele, die von zuständigen Standesämtern abgelehnt wurden. Nutella, Pumuckl, Sputnik oder Verleihnix hatten keine Chance. Auch Judas fiel raus.
Rita Hirner vom Referat für Personenstand im Land Steiermark und somit auch zuständig für Namen sagt: „Dass Vornamen abgelehnt werden, kommt sehr selten vor. Wenn Eltern vorhaben, einen außergewöhnlichen Namen für ihr Kind zu finden, werden sie meist schon vor der Geburt beim Standesamt vorstellig und klären ab, ob dieser zulässig ist oder nicht.“ Namenlos bleibt in Österreich ohnehin niemand. Können sich die Eltern nicht entscheiden, schreitet das Pflegschaftsgericht ein und verleiht den Namen. Dabei orientiert sich auch das Gericht für gewöhnlich an gängigen und gebräuchlichen Namen.
Mohamed im Kommen
Während Josef wieder an Popularität gewann, kamen auch neue Vornamen nach Österreich. Namen wurden zu Zeitzeugen, zu Indikatoren von Zeitenbrüchen. 2016 wurden beispielsweise 60 Kinder in Österreich Mohammad genannt, was der in Afghanistan und Syrien verbreiteten Schreibweise des Namens entspricht. Zählt man alle unterschiedlichen Schreibweisen zusammen, wurden in Wien 2024 113 Mohameds geboren. Damit läge der Name auf Platz zwei der Wiener Namensliste.
Gleiches gilt aber auch bei Namen wie Sophia, die mehrere Schreibweisen zulassen. Denn Sophia findet sich 2025 österreichweit auf der Hitliste auf Platz fünf. Zählt man Babys dazu, die von ihren Eltern den Namen Sofia bekommen haben, läge der Name bei den Mädchen auf Platz eins. Angeführt wird die Liste so aber bei Buben von Elias, bei Mädchen von Emilia.
Nur ein Baby heißt Adolf
An Popularität eingebüßt hat über die Jahre der Vorname Adolf. Das Nachrichtenmagazin „profil“ machte sich 2023 auf die Suche nach dem jüngsten Adolf Österreichs und wurde in Kärnten fündig. Wieso der damals Siebenjährige so genannt wurde, blieb jedoch ein Rätsel. Eine Kontaktaufnahme scheiterte. Im Jahr 2024 wurde neuerlich ein Adolf in Österreich geboren. Hinweise auf seinen Wohnort finden sich keine. „So wie manche Namen von Prominenten inspiriert und dadurch populär werden, gibt es auch Gegenbeispiele von tabuisierten Namen. Adolf ist im deutschsprachigen Raum ein Beispiel für einen derart belasteten Vornamen.“, sagt Scherke. Ein Adolf ist nun mal kein Josef.