Wer vorbeifährt, bemerkt es kaum: Ein kleines, weißes Gerät auf einem Stativ misst Lärm, fotografiert und filmt – der von Joanneum Research in Graz entwickelte „Lärm-Blitzer“. Er soll Polizei und Behörden helfen, Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen, die die im Typenschein erlaubte Lautstärke überschreiten. Es ist gewissermaßen ein Radargerät gegen Geräusch-Sünder.

Ein entsprechender Testlauf hat im Vorjahr in Salzburg stattgefunden, wo es in den vergangenen Jahren Probleme mit illegalen Straßenrennen gegeben hat. Die Tests waren erfolgreich, das Gerät wäre technisch einsatzbereit – und soll nun auch in der Steiermark kommen. Zumindest, wenn es nach den Grünen geht. „Uns sagen viele Menschen: Der Lärm nimmt zu – und er geht an die Substanz“, betont der grüne Verkehrssprecher in der Steiermark, Lambert Schönleitner. „Nun gibt es eine steirische Top-Entwicklung, die genau dort ansetzt, die wir nutzen sollten.“

Was der Lärm-Blitzer in der Steiermark messen kann

Doch was bedeutet die Messung für die Steierinnen und Steirer? Das Gerät misst vorab definierte Lärmpegel von vorbeifahrenden Fahrzeugen und übermittelt die Daten in Echtzeit an Polizeistreifen, die die Autos dann anhalten.

Im Test erfolgten keine Strafen direkt vor Ort; die Autos wurden weiterhin zur Prüfstelle gebracht. Künftig könnten Fotos und Videos jedoch eine Identifizierung der Zulassungsbesitzer ermöglichen. Dafür fehlt derzeit noch die gesetzliche Grundlage, wie Projektleiter Ferdinand Fuhrmann von Joanneum Research nach dem Salzburger Probelauf gegenüber der Kleinen Zeitung betonte.

Dennoch bringen die Grünen einen Antrag für einen Testlauf in der kommenden Landtagssitzung ein: „Ein Pilotprojekt wäre jetzt ein sinnvoller Schritt“, glaubt Schönleitner. Er schielt außerdem auf den sogenannten „Handy-Blitzer“, der in Deutschland vereinzelt schon im Einsatz ist. Denn Rheinland-Pfalz setzt als erstes Bundesland mit der „Monocam“ ein KI-gestütztes System zur Erkennung von Handyverstößen am Steuer ein. Wer also durch das Handy abgelenkt ist, soll so gestraft werden können – wegen Telefonieren am Steuer oder dem Schreiben von Nachrichten.

Politische Debatte dreht sich auch um neuen Handy-Blitzer

In Salzburg pocht die ÖVP in Person von Verkehrslandesrat Stefan Schnöll auf einen Testversuch der Handy-Blitzer. Mit Rheinland-Pfalz sei eine Vorführung bei einem Besuch an der Salzach vereinbart – zu Demonstrationszwecken, bei dem auch andere Bundesländer eingeladen werden dürften. Auf Instagram teilte der Landeshauptfrau-Vize Bilder von einer Besichtigung des unscheinbaren, weißen Geräts auf einer deutschen Autobahnbrücke. Die steirischen Grünen wollen per Antrag vorerst bei der Lärm-Messung bleiben. Denn tatsächlich ist „ungebührlicherweise störender Lärm“ eine Verwaltungsübertretung und wird im Landessicherheitsgesetz geregelt. Bei Übertretungen sind Strafen bis zu 5000 Euro fällig.

Laut Landespolizeidirektion Steiermark sind Anzeigen wegen Auto-Lärm aber Einzelfälle und vorwiegend ein urbanes Problem. Die letzte größere Aktion in der Tuning-Szene geht auf Dezember 2024 zurück – damals wurden 200 Fahrzeuge mit 300 involvierten Personen geprüft. Die Folge dieser Schwerpunktaktion waren 73 Anzeigen, 13 Organmandate, drei Kennzeichen- und zwei Führerscheinabnahmen.

Lärm-Blitzer soll Tuning-Treffen und Straßenrennen eindämmen

Tatsächlich wurde das Grazer Lärm-System vor mehr als zwei Jahren entwickelt, um Lärmbelästigungen – etwa durch Tuningtreffen – zu reduzieren und gerichtsfeste Beweise zu ermöglichen. Das Ziel von Joanneum Research sowie dessen Partnern, dem Innenministerium und der Landespolizeidirektion Kärnten, war es, dass zu laute Fahrzeuge nicht mehr mit großem Aufwand in Werkstätten überprüft werden müssen.