Die Entdeckungen des französischen Chemikers Louis Pasteur (1822–1895) haben nicht nur die mikrobiologische Forschung auf den Weg gebracht, sondern auch eine neue Ära der Lebensmittelbevorratung eingeläutet: Milch und andere flüssige Nahrungsmittel lassen sich länger haltbar machen, wenn sie kurzzeitig auf Temperaturen von mindestens 72 Grad erwärmt werden.
Das Verfahren ist noch heute nach seinem Erfinder als „Pasteurisierung“ bekannt und ist aus der Speisekammer nicht mehr wegzudenken – stößt aber auch an seine Grenzen, was die appetitliche Präsentation gewisser Gerichte betrifft.
Alternative Methode zur Lebensmittelkonservierung
„Würde man eine Avocadosauce mit 72 Grad erhitzen, wird daraus ein brauner Gatsch. Die Temperatur schadet Geschmack, Konsistenz und Nährmittelgehalt frischer Lebensmittel“, sagt Patrick Teufelberger. Er leitet in Kapfenberg Delitec, eine eigens gegründete Marke des Hochdruckpumpen-Erzeugers BFT. Dort hat man sich einer alternativen Methode der Konservierung von Lebensmitteln gewidmet: der Hochdruckpasteurisierung.
Das Prinzip ähnelt dem thermischen Vorbild, nur wird statt Wärme ein Druck von bis zu 6000 Bar eingesetzt, um die Mikroorganismen zu neutralisieren, die für den Verderbungsprozess in Lebensmitteln verantwortlich sind.
Für solche enormen Kräfte braucht es Spezialgeräte: Zum einen Behälter, die auch extremen Drücken standhalten, zum anderen Pumpen, die solche Drücke erst aufbauen können. In Kapfenberg wird seit über 50 Jahren beides hergestellt – in der Lebensmittelkonservierung fand man ein neues Geschäftsfeld für die bewährten Hochdruckbehälter und Hochdruckpumpen.
40 Tonnen Metall bei Herstellung gespart
Nach zwei Jahren Entwicklungszeit hat sich Delitec mit einem neuen Konzept für den Bau der Hochdruckbehälter auf den Markt gewagt: „Die große technische Herausforderung liegt darin, den zylinderförmigen Hochdruckbehälter dicht zu verschließen. Auf den Verschluss wirkt eine Kraft von 7000 Tonnen, ungefähr das Gewicht von 175 Lkw“, sagt Teufelberger.
Bislang wurde ein massiver Eisenrahmen um den Behälter gebaut, um diesen Kräften standzuhalten. Delitec hat ein Klemmsystem entwickelt, in dem sich der Verschluss verkeilt und sich quasi selbst verschließt. Der Effekt dieser Idee ist enorm – 40 Tonnen Metall können bei der Herstellung des Anlage eingespart werden, ein beträchtlicher Kostenfaktor fällt weg.
Bis zu 150 Kilo Lebensmittel konservierbar
Auch die Beladung des Hochdruckbehälters wird dadurch einfacher und schneller. Bis zu 150 Kilo Lebensmittel passen in den 300 Liter fassenden Stahlkessel. Drei Minuten lang werden die Lebensmittel unter Druck gesetzt, mit Ein- und Ausladen dauert so ein Zyklus rund sechs Minuten. „15 Tonnen können so pro Tag behandelt werden, interessant ist das vor allem für Hersteller, die frische Lebensmittel verarbeiten und rasch liefern müssen“, sagt Teufelberger.
Das kleine Team rund um ihn hat mittlerweile einen Prototypen gefertigt und auf Herz und Nieren getestet. Abnehmer für das System erwartet sich Delitec weltweit, nicht zuletzt der steigende Bedarf an naturnahen, frischen Lebensmitteln spielt der jungen Unternehmenssparte in die Hände. Teufelberger ist zuversichtlich: „Wir haben erst im Juni ein neues Betriebsgebäude in Kapfenberg errichtet und die Hallenfläche schon in Erwartung einer guten Auftragslage erweitert. Wir werden die angefragten Stückzahlen auch produzieren können.“