Der Tatort Schule – auch in Österreich kam es in der Vergangenheit mehrmals an Bildungseinrichtungen zu einem Schusswechsel. Keiner war aber so blutig und forderte so viele Opfer wie jener am Dienstag in Graz. Mindestens zehn Menschen verloren dabei ihr Leben, über den Tathergang ist bisher wenig bekannt.

Die meisten Fälle in Niederösterreich

Die bisher meisten Fälle ereigneten sich in Niederösterreich: Etwa 1993, als ein 13-Jähriger in Hausleiten seinen Direktor anschoss und anschließend Suizid beging. Der Schulleiter soll den Schüler zuvor beim Rauchen erwischt haben und ihn zur Rede gestellt haben. 1997 folgte ein Polizeieinsatz, als ein 15-Jähriger am 5. Mai eine Lehrerin in Neunkirchen erschoss, eine zweite Pädagogin wurde schwer verletzt. Zuvor hatte sich der Jugendliche mit vorgehaltenem Revolver einem Mädchen genähert. Die erschossene Lehrerin versuchte, beruhigend einzugreifen. Der Täter wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

Für Schlagzeilen sorgte im April 2001 ein Mordkomplott, das drei 15-Jährige geplant haben sollen. Aufgeflogen ist der Fall durch einen anonymen Anruf bei der Polizei. Die drei Jugendlichen gaben später zu, dass sie den Direktor und drei Lehrkräfte erschießen wollten. Die Ermittlungen in Neunkirchen wurden dennoch eingestellt, weil ein Gutachter feststellte, dass die Burschen noch nicht reif genug waren, um das Unrecht einzusehen.

Auch Messer in Vergangenheit oft als Tatwaffe

Schon zuvor, im Juli 1994, verletzte eine 15-Jährige in einer Hauptschule in Wien-Meidling einen 14-jährigen Schulkollegen. Einen Verletzten gab es auch im Juni 1998 im obersteirischen Murau – damals wurde ein Jugendlicher nach einem Streit von einem Kameraden mit einem Klappmesser verletzt.

2004 wurde schließlich ein Fall in der Hauptschule Wies bekannt, wo ein 13-Jähriger eine gleichaltrige Schulkollegin niederstach. Das Ziel des psychisch beeinträchtigten Schülers soll eigentlich eine Lehrerin an der weststeirischen Schule gewesen sein. Das Opfer kam mit schweren Verletzungen davon. 2005 ging ein ähnlicher Fall weniger glimpflich aus: Ein Bursche wurde am 15. September von einem Mitschüler in Wien-Währing nach einem Gerangel niedergestochen und tödlich verletzt. Er musste sieben Jahre ins Gefängnis. 2012 wurde ein Schüler vom Vater in St. Pölten erschossen, 2018 wurde ein 19-Jähriger von einem anderen Schüler in Mistelbach angeschossen.

Zehn Jahre nach der Amokfahrt

Für Graz kommt der Amoklauf nur zehn Jahre nach der Amokfahrt, die die steirische Landeshauptstadt ins Mark traf und eine kollektive Trauer zur Folge hatte. Am 20. Juni 2015 fuhr ein Autolenker in der Grazer Innenstadt gezielt auf Menschen zu. Er verletzte dutzende Passanten schwer, zwei Menschen starben. Der Mann beging nach einem aufsehenerregenden Prozess Suizid. Zum zehnten Jahrestag der Gewalttat waren eigentlich Gedenkveranstaltungen geplant gewesen. Nun ist alles anders.