Keine Frage, der Job im Klassenzimmer ist härter geworden: „Lehrerinnen und Lehrer müssen sich ganz anderen Herausforderungen stellen als noch vor 20, 30 Jahren. Kinder und Jugendliche kommen mit immer mehr Belastungen in die Schule. Nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern brauchen zusätzliche Unterstützung“, sagt Elfriede Amtmann.

Die Psychologin und Mittelschullehrerin ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt „krisenFESTplus“, das von der PPH Augustinum gemeinsam mit der Gesundheitsorganisation Styria Vitalis und der Gesellschaft für Vorsorgemedizin AVOS Salzburg gestartet wurde. „Ziel des Projekts ist die Sensibilisierung von und Wissensvermittlung für Pädagoginnen und Pädagogen aus der Elementar-, Primar- und Sekundarstufe für psychosoziale Gesundheit, Präventions- und Handlungsmöglichkeiten“, sagt Amtmann. Lehrer von Kindergarten bis Unterstufe sollen das Rüstzeug erhalten, um aktiv zur Stärkung der psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beitragen zu können.

Besonders nach Lockdowns und Schulschließungen in der Pandemie war es um die psychische als auch um die emotionale Balance der Schülerinnen und Schüler schlecht bestellt. Das ist auch der Grund, warum der Fonds Gesundes Österreich ein Schwerpunktthema ausgerufen hat und Geld für Projektarbeit zur Verfügung stellte. „Auch wir haben hier einen großen Bedarf gesehen. In den vielen Schulungen, die die PPH mit Lehrern durchführt, haben wir erkannt, dass sich mit der Pandemie neue Krisen um uns aufgetan haben“, sagt Amtmann.

Damit nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer „krisenfest“ werden, brauche es laut ihr vor allem eines: Bewusstsein für die eigene psychische Gesundheit zu entwickeln. „Wir schulen sie darin, was zu tun ist, damit sie selbst gesund bleiben können, trotz all der Belastungen, die auf sie einprasseln. Das gelingt, indem wir ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, wie Familien und Kinder mit psychosozialen Problemen unterstützt werden können“, so die Forscherin, die aus vorangegangenen Projekten weiß, dass bei der Lehrerschaft in diesem Bereich Unterstützungsbedarf besteht.

Denn nicht alle Lehrkräfte wissen umfassend darüber Bescheid, woher sie Informationen und konkrete Unterstützung bei schwierigen Fällen erhalten. „Was sind die Schritte, die ein Lehrer einleiten kann, wenn die Gefährdung des Kindeswohls offensichtlich wird? Viele Teilnehmer in unseren Fortbildungsveranstaltungen waren damit überfragt“, sagt Amtmann.

Lehrer mit Krisenerfahrungen, die eine Antwort hatten, berichteten oft von unliebsamen Erlebnissen – man hätte nur Schwierigkeiten bekommen, wenn man in krisenhaften Situationen vermitteln wollte, so der Tenor. Dieser Einstellung will die PPH entgegenwirken: mit vermehrten Schulungen für Lehrer, in denen auch Personen zu Wort kommen, die täglich mit der Betreuung von Krisenfällen befasst sind. „Wir sprechen Fallbeispiele durch und arbeiten so mit konkreten Situationen, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man damit umgehen kann“, sagt Amtmann. Solche Workshops sollen in allen Bildungsregionen der Steiermark angeboten werden. Schon seit September 2024 läuft zusätzlich der Hochschullehrgang „krisenFEST“ zur Förderung psychosozialer Gesundheit und Krisenprävention in der Steiermark und in Salzburg. Außerdem initiiert das Projekt eine Vernetzungsgruppe, in der sich Pädagogische Hochschulen, Bildungsdirektionen, Suchtpräventionsstellen, Sozialversicherungen und Anbieter von Maßnahmen austauschen können.

Eine weitere Anlaufstelle wurde ebenfalls geschaffen: Die Initiative „Wohlfühlzone Schule“ bemüht sich bereits seit 2019 um die Stärkung der psychosozialen Gesundheit und Resilienz aller Beteiligten im Schulumfeld. Amtmann: „Das schließt auch die Eltern mit ein, auf der Website der Initiative finden sich Kurzfilme mit hilfreichen Tipps. Ich kann nur empfehlen, da reinzuschauen.“
www.wohlfuehlzone-schule.at

Elfriede Amtmann forscht an der PPH
Elfriede Amtmann forscht an der PPH © Pph Augustinum