Das dunkelste Kapitel der österreichischen Geschichte hat auch in der Steiermark seine Spuren hinterlassen. Anlässlich des Jubiläumsjahres 70 Jahre Bundesheer gedachte das Bundesheer der Gräueltaten des Nationalsozialismus. Bei der Gedenkfeier in der ehemaligen SS-Kaserne Wetzelsdorf (heute Belgierkaserne) in Graz setzte sich das Bundesheer das Ziel, die NS-Zeit wehrpolitisch und militärhistorisch aufzuarbeiten.
Tafel soll an Opfer erinnern
„Das Gedenken an die Opfer des Massakers in der ehemaligen SS-Kaserne Wetzelsdorf mahnt uns, die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte niemals zu verdrängen. Es ist unsere Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen“, heißt es von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, die nicht vor Ort war. Anwesend waren ÖVP-Klubobmann Schnitzer, der Landtagsabgeordnete Stefan Resch (FPÖ) als Vertretung des Landeshauptmannes sowie weiter Vertreter der Landespolitik.
Bei der Gedenkfeier wurde eine Tafel mit dem Namen Egon Berliner enthüllt. Berliner steht stellvertretend für den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und all die Opfer. .Er meldete sich freiwillig für Spezialeinsätze beim britischen Kriegsnachrichtendienst „Special Operations Executive“.
Verdeckt operierte er im Auftrag der Briten. Im Frühjahr 1945, im Alter von 22 Jahren, wurde Berliner enttarnt und in der SS-Kaserne Wetzelsdorf hingerichtet. Insgesamt wurden in der Kaserne über 200 Menschen von der Gestapo und der Waffen-SS ermordet. Unter den Opfern des Massakers waren ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter, Widerstandskämpfer, Insassen der KZ-Nebenlager Aflenz und Peggau sowie englische, französische und sowjetische Kriegsgefangene.
Endphasenverbrechen wurden bereits untersucht
Das Bundesministerium für Landesverteidigung ließ dieses Endphasenverbrechen 1999 und 2009 wissenschaftlich untersuchen. 2010 wurde am Kasernenareal ein Gedenkhain errichtet, der erstmals alle Opfer in einem gemeinsamen Gedenken vereint. Dieser Gedenkort und das Mahnmal am Schießplatz Feliferhof sind seither fester Bestandteil der jährlichen Gedenkveranstaltung des Militärkommandos Steiermark und der Stadt Graz
Vor mehr als zwei Jahren, am 10. Dezember 2022, unterzeichneten Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Barbara Glück, Direktorin des Mauthausen Memorial, ein Kooperationsabkommen. „Eine europaweit einzigartige Initiative“, wie von beiden Seiten betont wird. Die Bildungskooperation umfasst in die Akademien des Bundesheeres (Militärakademie, Heeresunteroffiziersakademie, Landesverteidigungsakademie), bezieht aber auch einige Verbände mit ein.