Lumpi ist einer von vielen, die zu den ‚Verhaltensauffälligen‘ im Grazer Tierheim Arche Noah zählen. Einer von vielen Hunden, die ihren BesitzerInnen aus den unterschiedlichsten Gründen abgenommen werden mussten. Lumpi ist nach zwei schweren Beißvorfällen in die Arche Noah gekommen.

Es ist die Schattenseite der unüberlegten Hundehaltung. Die Zahl der Hunde, die von den Behörden aufgrund gravierender Missstände abgenommen werden, habe sich drastisch erhöht, heißt es aus dem Tierheim. Zwischen Dezember 2024 und Ende Februar 2025 gab es bereits 23 Abnahmen, im gesamten Vorjahr waren es im Vergleich dazu nur 13. Eine alarmierende Steigerung von 77 Prozent.

Mangelndes Wissen und Überforderung

Die Gründe für die behördlichen Hunde-Abnahmen sind vielfältig, doch eines haben sie gemeinsam: Sie resultieren aus unverantwortlicher Haltung und mangelndem Wissen. Viele Hundehalterinnen und -halter unterschätzen die Anforderungen der Tiere und setzen sich und andere damit großen Gefahren aus.

In der Arche Noah sieht man also mehrere Ursachen für die derzeit alarmierende Situation. So führe mangelndes Wissen der Hundehalter oft dazu, dass die Vierbeiner ohne Erziehung und soziale Kontakte aufwachsen, was häufig Verhaltensprobleme zur Folge hat.

Hinzu komme häufig die komplette Überforderung der Halter, kombiniert mit Zeitmangel. Hunde brauchen nicht nur Liebe, sondern auch Konsequenz, Geduld und Zeit – Faktoren, die viele Besitzer unterschätzen, bestätigen Tierheim-Mitarbeiter und Tiertrainer gleichermaßen. Zudem werden immer noch illegal Welpen aus dem Ausland importiert. Die Tiere haben keinen gültigen Impfstatus, was ein gesundheitliches Risiko für Tier und Mensch darstellt.

Hundehalter landen nach Beißattacken im Krankenhaus

Fehlendes Wissen und Überforderung führen oft zu völlig unangemessenen Haltungsbedingungen: Hunde, die in winzigen Käfigen, an kurzen Ketten oder in verwahrlosten Wohnungen gehalten werden, entwickeln schwere psychische und physische Probleme.

Im schlimmsten Fall beißen die Tiere zu, immer wieder müssten Tierhalter nach Beißattacken ihrer Tiere ins Krankenhaus, heißt es aus der Arche Noah: „Wir danken den Behörden, dass sie bei Missständen nicht wegsehen, sondern handeln! Unser Tierpflegerteam leistet täglich intensive und hochriskante Arbeit mit diesen Tieren, um ihnen eine zweite Chance zu ermöglichen. Doch es ist ein harter und gefährlicher Weg, der viel Fachwissen und Geduld erfordert“, so Arche-Obmann Charly Forstner.