Kurz nach 20 Uhr gingen am Freitagabend gleich mehrere Notrufe bei der Polizei in Gratwein-Straßengel ein. Grund dafür war eine um Hilfe schreiende Frau, welche soeben von einem Hund attackiert worden war. Als die Polizisten in der Friedhofgasse eintrafen, sahen sie eine am Boden liegende, hilflose Frau sowie einen über ihr befindlichen Rottweiler. Der Hund biss fortlaufend gegen die Beine, die Hüfte und den Bauch der Frau.
Polizisten griffen zur Waffe
Sofort versuchten die Polizisten, mit dem Folgetonhorn des Streifenwagens den Hund in die Flucht zu treiben. Ohne Erfolg. Die Frau schrie weiterhin verzweifelt um Hilfe. Die Beamten versuchten daraufhin mit Pfefferspray den Hund von der Attacke abzubringen. Abermals ohne Erfolg. Aufgrund der offensichtlich vorliegenden Nothilfesituation griffen die Polizisten deshalb zu ihrer Dienstwaffe. Als sich der rund 60 kg schwere und aggressive Rottweiler-Rüde für einen Moment von der Frau entfernt hatte, gaben sie Schüsse ab. „Die Frau selbst wurde durch die Schussabgabe nicht gefährdet. Sie erlitt blutende Bisswunden und wurde mit schweren Verletzungen vom Roten Kreuz ins LKH Graz eingeliefert“, kann Polizeisprecher Markus Lamb bestätigen. Lebensgefahr besteht laut aktuellen Informationen nicht.
Kaputter Maulkorb bei Rottweiler
Wie die bisherigen Ermittlungen ergaben, handelt es sich bei der Frau um eine 34-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung. Sie hatte während der Abwesenheit der Hundebesitzerin (45) lediglich vorübergehend auf den achtjährigen Rottweiler und einen weiteren Mischlingshund aufgepasst. Während des Abendspazierganges mit den beiden Hunden dürfte es kurz vor der Bissattacke zu einer Auseinandersetzung mit dem Hund einer anderen Spaziergängerin gekommen sein. Kurz darauf ging der Rottweiler dann auf die 34-Jährige los, während der Mischling die Flucht ergriff. Bisherigen Ermittlungen zufolge waren beide Hunde angeleint und auch ein Maulkorb war beim Rottweiler vorhanden. Die Tatortbeamten stellten jedoch einen abgebrochenen Lederriemen am Vorfallsort sicher.
Nicht der erste Vorfall des Rottweilers
Wie es genau zu diesem Vorfall kam, ist Gegenstand weiterer Erhebungen. Die Polizei ermittelt jedenfalls wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Auch was die Vergangenheit des Rottweilers betrifft, wird nachgeforscht. Ersten Erkenntnissen zufolge dürfte der Rottweiler und dessen 45-jährige Besitzerin aus dem Bezirk Graz-Umgebung nämlich bereits wegen ähnlich gelagerter Vorfälle auffällig gewesen sein. Dabei soll derselbe Rottweiler vor etwa drei Jahren ein fünfjähriges Kind gebissen haben. Auch behördliche Auflagen des örtlichen Veterinäramtes sollen der Frau bereits auferlegt worden sein. Die Ermittlungen dahingehend laufen.