Michael Hayböck bekleidete Zeit seiner Karriere stets die Rolle des Manns im Hintergrund. Das hat nichts mit den Erfolgen des Oberösterreichers zu tun, denn von diesen gab es viele. Allerdings flog der heute 33-Jährige just in jenen Jahren durch die Lüfte, in denen Rot-weiß-Rot über weite Strecken den Luftraum im Springer-Zirkus beherrschte. Als Hayböck im Jänner 2010 am Bergisel sein Weltcupdebüt feierte, setzten gerade die heimischen „Super-Adler“ zum Höhenflug an. Und so sprang der „Hai“ anfangs im Schatten eines Thomas Morgenstern, Gregor Schlierenzauer, Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler.
Als diese einzigartige Generation nach und nach wieder auf dem Boden aufsetzte, startete ein anderer Überflieger durch: Stefan Kraft. Der Pongauer „Schanzen-Floh“ und Hayböck wurden schnell beste Freunde und Zimmerkollegen – auch, wenn Kraft seinem „Buddy“ 2014/15 den Triumph bei der Vierschanzentournee vor der Nase wegschnappte. Mickrige sechs Punkte fehlten dem Weitenjäger vom UVB Hinzenbach damals auf den Sieg beim Traditionsspringen rund um den Jahreswechsel.
Gold fehlt noch in seiner Sammlung
Beim Abschlussspringen in Bischofshofen feierte Hayböck seinen ersten Weltcupsieg, vier weitere sollten folgen. Auch bei anderen Großveranstaltungen war der gebürtige Linzer oft auf dem Podest zu finden: 2014 flog er bei Olympia Silber im Team ein, zudem eroberte er acht WM-Medaillen. Gold blieb dem Springer-Ass allerdings verwehrt. „Ursprünglich war das Ziel, bis zu den Olympischen Spielen 2026 weiterzumachen, jedoch habe ich mir die Entscheidung offen gelassen. Mit der Geburt meines Sohnes im Herbst kam für mich noch ein wichtiger Aspekt dazu. Das Papasein brachte für mich weitere Klarheit und bestärkte mich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, meine Karriere schon am Ende dieser Saison zu beenden“, erklärt Hayböck seinen Entschluss.
Im aktuellen Gesamtweltcup liegt der Österreicher auf dem starken elften Platz, schaffte es heuer bereits dreimal aufs Podest und markierte bei der Vierschanzentournee in Garmisch einen neuen Schanzenrekord. Trotzdem: „Mein Abschied zu Saisonende ist bewusst gewählt: Ich möchte in der verbleibenden Zeit im Sport noch alles herausholen und mit ganzem Herzblut dabei sein. Spitzensportler zu sein, war für mich immer ein Privileg. Auch wenn das Sportlerdasein von Höhen und Tiefen wie meiner Bandscheiben-Operation geprägt ist, waren es außerordentliche Momente und Geschichten, die ich erleben durfte“, sagt der Topathlet, der zugibt, „dass ich die Zeit gemeinsam mit Krafti sicher ein bisschen vermissen werde“.
Das Studium beenden
Für seine Zeit nach der professionellen Weitenjagd hat sich Hayböck bereits einen Plan zurechtgelegt. „Ich möchte mich einfach einmal meiner Familie widmen und mein bereits angefangenes Studium beenden. Ich freue mich darauf, nach so vielen Jahren eine Zeit lang ohne tagtägliche Planung zu leben.“ Cheftrainer Andreas Widhölzl zeigt Verständnis für den Schritt seines Schützlings: „Michi hat eine lange, schöne Karriere mit vielen Highlights gehabt und dabei immer wieder sein Talent, seinen Fleiß und seinen klugen Kopf unter Beweis gestellt. Die Entscheidung, dass er jetzt einen Schlussstrich machen möchte, kann ich natürlich verstehen. Im Profisport bleibt wenig Zeit für die Familie. Von dem her wünsche ich ihm, dass er die Zeit in der sogenannten Sportpension entsprechend genießen wird. Ich bin mir sicher, dass sein neuer Weg mindestens so erfolgreich sein wird, wie der als Profisportler.“