Lange wurde darüber spekuliert, ob Marcel Hirscher noch ein weiteres Mal in den alpinen Ski-Weltcup zurückkehrt. Der 36-Jährige hatte sich nach seiner Rückkehr in der Vorsaison nach nur drei Weltcup-Starts im Dezember beim Training auf der Reiteralm das Kreuzband im linken Knie gerissen. Seither wurde spekuliert, ob sich der achtfache Gesamtweltcupsieger noch einmal die Tortur antun wird, auf höchster Ebene zu performen bzw. sein „Herzensprojekt“, wie er die Rückkehr in den Skisport für die Niederlande nannte, fortzusetzen. Diverse Videos seiner Reha und seines Trainings machten viele Fans Hoffnung, diese Hoffnungen werden nun tatsächlich erfüllt: Hirscher hängt noch eine Saison an und wird damit eventuell auch bei Olympia am Start stehen.
Im Video
Hirscher kehrt zurück
Nun ist das zweite Comeback aber fix. Hirscher verkündete in einem kurzen Video, dass er im kommenden Winter wieder im Weltcup unterwegs sein wird. „Now you can call it a comeback – jetzt kann man es ein Comeback nennen“, sagte der für die Niederlande startende Österreicher. Zuvor hatte die FIS bekanntgegeben, dass Hirscher die verbleibenden Wildcard-Starts der Vorsaison für den kommenden Winter nützen darf.
Im Vorjahr hatte der Weltverband rückkehrwilligen Ski-Stars, die entweder den Gesamt- oder einen Disziplinen-Weltcup gewonnen haben oder bei Olympia bzw. Weltmeisterschaften Gold gewonnen haben, diese Rückkehr erleichtert: Statt ganz unten beginnen zu müssen, wurde die Möglichkeit einer „Wildcard“ geschaffen, die einen Start nach den Top 30 vorsehen. 20 Mal sollte man diese Chance wahrnehmen können.
Lindsey Vonn und Marcel Hirscher waren, wie auch der vormalige Norweger und Neo-Brasilianer Lucas Braathen, die Läuferinnen und Läufer, die von dieser Regelung Gebrauch machten. Das nun mögliche „Mitnehmen“ der garantierten Starts nach einer Verletzung wurde zuletzt schon als „Lex Hirscher“ bezeichnet. Dagegen verwehrt sich die FIS allerdings, auch wenn Renndirektor Markus Waldner meinte: „Man sieht ja, dass es dem Skisport viel gebracht hat, dass große Namen wieder da sind.“
Die Vorfreude ist groß
Nach den medizinischen Tests, die allesamt positiv ausfielen, begann bei Hirscher der Nachdenkprozess. „Mehr als tausend Stunden Reha, Therapie und Aufbautraining in 197 Tagen seit meiner OP, das war viel Zeit zum Nachdenken. Am Ende stellen sich zwei Fragen: Was will ich vom Leben? Was will das Leben von mir? Selbst in frustrierenden Momenten war meine Antwort auf beide Fragen immer die gleiche geblieben: Wieder Rennen fahren!“, wird der Ausnahmeathlet zitiert. Die Verletzung habe ihm aber beigebracht, dass vermeintlich Selbstverständliches nicht selbstverständlich sei – wie etwa die Gesundheit. „Bei allem, was ich im Skirennsport erlebt habe: Diese Erfahrung hat mir gefehlt und sie gibt mir Kraft.“
Das Comeback gibt auch zusätzlich Motivation für seine Ski-Firma Van Deer, die vor ihrer ersten Olympia-Saison steht. „Wir arbeiten alle für diese gemeinsame Vision: Unsere Ski und Schuhe im Rennsport immer besser zu machen, damit unsere Kunden davon profitieren“, sagt Hirscher zum Thema Olympische Winterspiele. Der Zeitplan für die nächsten Monate steht bereits. „Aktuell geht es aus der Reha-Phase in den Athleten-Modus mit höheren Trainingsumfängen und höheren Belastungen. Wieder so intensiv zu trainieren, macht mir sehr viel Freude. Es wird also ein sportlicher Sommer.“ Der nächste wichtige Schritt ist für den September geplant. „Da will ich wieder mit dem Skifahren beginnen, sobald die Ärzte grünes Licht geben. Davon leitet sich das weitere Timing ab. Wann ich endlich wieder am Start eines Weltcuprennens stehen kann, ist noch nicht mit Sicherheit zu beantworten. Aber, wenn es nach mir geht, dann lieber früher als später.“