Ihr sei im Klaren gewesen, dass es nicht immer so gut weiterlaufen kann, wie die vergangene Weltcup-Saison geendet hatte. Auch, weil „das unglaublich hohe Niveau im Frauen-Weltcup“ nicht immer zu erreichen sei: „Jede hat sich enorm weiterentwickelt. Das fordert um einiges mehr an Risikobereitschaft, das ist quasi ein Muss“, verdeutlicht ÖSV-Speed-Ass Stephanie Venier.

Trotz der heurigen Achterbahnfahrt, die nicht nach Wunsch begann, ist die 31-Jährige mit ihrer Saison aber gar nicht so unzufrieden, „da manchmal wenige Hundertstel über viele Plätze entscheiden“. Die größte Challenge sei für Venier der Saisonauftakt in Beaver Creek gewesen. „Da hatte ich richtig mit mir zu kämpfen. Ich war überhaupt nicht bereit, Rennen zu fahren, ich wollte auch nicht.“ Sie habe sich mit der Zeitverschiebung immens schwergetan, ebenso mit der langen Absenz von daheim: „Ich bin ein Mensch, der die Familie braucht und das war in dieser Zeit nicht leicht.“

„Hätte ich die OP gemacht, wäre ich ein Jahr ausgefallen“

Angesprochen auf ihre chronischen Knieschmerzen verriet die Tirolerin, „dass ich am Ende der letzten Saison ein Knorpelproblem hatte. Gemeinsam mit Christian Fink haben wir uns entschieden, nicht zu operieren. Ich werde nicht mehr ewig lange Skifahren. Hätte ich die OP gemacht, wäre ich ein Jahr ausgefallen und hätte vermutlich zwei Jahre gebraucht, um wieder Anschluss zu finden.“ Neben Skieinheiten sowie Kraft-, Rumpf- und Ausdauertraining bestimmen diese Saison daher diverse Therapien wie Stoßwellen, Akupunktur, manuelle Behandlungen, aber auch Mobilisierung den Alltag der Super-G-Zweiten von St. Anton. „Da steht immer einiges an und dann heißt es noch, den Kopf freizubekommen“, sagt Venier, die mit Skifahrer Christian Walder ihre große Liebe gefunden hat. Sie versichert auch: „Ihn geb‘ ich nicht mehr her.“

„Eine Heim-WM ist sehr speziell“

Vor der Heim-WM in Saalbach-Hinterglemm verspüre Venier keinen Druck, im Gegenteil: „Ich habe meine WM-Medaille ja schon. Auch wenn die ein paar Jahre her ist, kann sie mir niemand mehr nehmen. Eine Heim-WM ist sehr speziell, aber das macht es dann auch leichter, das Flair aufzusaugen“, gewährt die Vize-Weltmeisterin in der Abfahrt 2017 auf Social Media ihren Followern auch regelmäßig Einblicke in ihre Welt. 

In den ersten beiden Trainings fühlte sie sich auf der Ulli-Maier-Strecke durchaus wohl, wenngleich logischerweise „immer Luft nach oben“ ist. „Der obere Teil ist mir noch nicht so gut gelungen, davon lasse ich mich aber nicht beunruhigen. Unten war es schon ganz okay. Ein paar Passagen gingen schon auf 100 Prozent. Ich bin erleichtert, dass genau das aufgegangen ist, was ich mir vorgenommen habe.“

„Meine Gutgläubigkeit wird mir oft zum Verhängnis“

Die leidenschaftliche Golfspielerin und Naturliebhaberin tickt im Sport und im „echten Leben ähnlich. So lässt sie durchsickern, „dass mir meine Gutgläubigkeit oft zum Verhängnis wird. Ich bin immer für ein Miteinander. Ich muss lernen, im Sport auch einmal etwas wegzulassen – man will ja erfolgreich sein“, meint Venier, die sich als „kleiner Monk“ outet. Abgesehen von ihrem „Ordnungsfimmel“ kocht sie für ihr Leben gern, chillt auf der Couch oder schaut gern Actionfilme und Krimiserien. Nur mit der Pünktlichkeit hapert es gelegentlich, aber nicht am Start. Sobald es auf die Piste geht, hat Venier die Zeit bestens im Gefühl – und kommt im Idealfall sogar früher als erwartet ins Ziel.