Es ist müßig darüber zu diskutieren, wer der beste Tennisspieler aller Zeiten ist. Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic – die großen drei hatten und haben alle ihre individuellen Stärken, die sie zu überragenden Athleten formten. Fakt ist hingegen, dass sich Djokovic den Erfolgreichsten dieses Trios nennen darf. Die meisten Grand-Slam-Trophäen (24), die meisten Masters-Titel (40), am längsten die Nummer eins der Welt (428 Wochen) und viele Bestmarken mehr verbuchte der 38-Jährige in seiner mittlerweile 22 Jahre andauernden Karriere bereits auf seinem Erfolgskonto.
2009 bei der 99. Austragung des Davis Cups sicherte der „Djoker“ Serbien erstmals die „hässlichste Salatschüssel der Welt“, 2024 krönte sich Djokovic auch noch zum Olympiasieger. Und zwar auf der Anlage von Roland Garros mit einem 7:6, 7:6-Finalsieg über Carlos Alcaraz. Die Zahlen „99“ sowie „7:6, 7:6“ spielten aus Sicht des Superstars auch jetzt in Genf, wo sich die Tennis-Asse auf die am Sonntag startenden French Open eingeschlagen haben, eine entscheidende Rolle.
Über drei Stunden gegen Hurkacz
Mit seinem Triumph bei Olympia hatte Djokovic seinen 99. Karrieretitel fixiert, die Jubiläumstrophäe schien nur eine Frage der Zeit. Doch diese Zeit zog sich über neun Monate in die Länge, ehe „Nole“ nun in der Schweiz endlich den 100. Titel auf seiner Habenseite notieren konnte. In einem packenden Endspiel gegen den Polen Hubert Hurkacz, der im Halbfinale Sebastian Ofner aus dem Turnier verabschiedet hatte, setzte sich Djokovic nach 3:08-Stunden mit 5:7, 7:6, 7:6 durch. Damit fehlen Djokovic nur noch drei Titel auf Rivalen Federer, Nadal konnte „nur“ 92 Turniersiege feiern. Angeführt wird die elitäre Liste von der US-amerikanischen Legende Jimmy Connors, die 109 Pokale in ihrer Vitrine stehen hat. „Auf diesem Level entscheiden nur ganz wenige Punkte über Sieg und Niederlage. Ich bin einfach nur dankbar, jetzt Teil des 100er-Klubs zu sein“, sagte der Jubilar, der heuer vor Genf kein einziges Match auf Sand gewinnen konnte.
So hatte der Weltranglistensechste sowohl in Madrid als auch in Monte Carlo ernüchternde Auftaktpleiten kassiert. Mit dem Meisterstück in der Schweiz dürfte Djokovic aber vorerst wieder mit sich im Reinen sein, konnte er nun doch mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen die Reise an die Seine antreten. Also dorthin, wo er seinen 99. Titel geholt hatte.
Folgt der vierte Paris-Titel?
Ob ihm am Bois de Boulogne noch einmal ein ganz großer Wurf gelingen kann, bleibt abzuwarten. Dreimal (2016, 2021 und 2023) konnte Djokovic bislang beim größten Sandplatzturnier der Welt den Siegerpokal gen Himmel stemmen, im Vorjahr musste Djokovic vor dem Viertelfinalduell mit Casper Ruud verletzungsbedingt w.o. geben. Heuer tragen die Favoriten andere Namen: Carlos Alcaraz und Jannik Sinner werden von den Buchmachern am höchsten gehandelt.
Djokovic, der sich erst kürzlich von Coach Andy Murray getrennt hat und in Genf von Dusan Vemic und Boris Bosnjakovic betreut wurde, legt in Paris erst am Montag gegen den Amerikaner Mackenzie McDonald los. Ebenso, wie die beiden Österreicher Sebastian Ofner (gegen den Deutschen Jan-Lennard Struff) und Filip Misolic (gegen den Chinesen Bu Yunchaokete).
Swiatek peilt den fünften Titel an
Noch ein Blick zu den Frauen: Österreicherin sucht man vergebens im 128er-Raster, als Nummer eins schlägt Aryna Sabalenka in das Turnier auf. Als Favoritin gilt aber Iga Swiatek. Die Polin hat die jüngsten drei Auflagen und viermal insgesamt in der „Stadt der Liebe“ gewonnen und fühlt sich nirgendwo so wohl wie im Stade Roland Garros. In Form ist auch die Vorjahresfinalistin Jasmine Paolini, die in ihrer Heimat in Rom triumphierte. Swiatek und Paolini könnten in Paris bereits im Viertelfinale aufeinandertreffen.