Das Jahr 2007 markierte in der Geschichte des Damen-Tennis einen Meilenstein, wurde damals doch bei den vier Grand Slams das Preisgeld der Frauen jenem der Männer gleichgestellt. Nicht zum Verständnis aller – sogar der ansonsten stets diplomatisch agierende Rafael Nadal monierte, dass die Herren mehr verdienen sollten, würden sie doch weit mehr Zuschauer anlocken.

Ja, das Thema Gleichberechtigung ist auch im Tennis nach wie vor ein heikles – und dass es nicht immer gerecht zugeht, beweist der Fall Tatjana Maria. So konnte die Deutsche in Bogota ihren zweiten Titel auf der WTA-Tour feiern – und das als erste zweifache Tennis-Mutter seit der Jahrtausendwende. Drei Wochen zuvor hatte die 34-Jährige aber in Miami ihren Frust gegenüber der Spielerinnen-Vereinigung WTA kundgetan.

Schwangere auf einer Stufe mit verletzten Spielerinnen

Grund ist die Regelung bei Schwangerschaften. "Im Tennis werden schwangere Frauen nicht als schwanger bezeichnet, sondern wir zählen zu den verletzten Spielerinnen. Es gibt für angehende Mütter keine eigenen Regeln", erklärte sie in einem Interview. Und trotzdem gäbe es einen gravierenden Unterschied. Als Verletzte habe man Anspruch auf das Protected Ranking, wonach Spielerinnen nach langen Pausen bis zu zwölf Turniere absolvieren dürfen, ausgehend von ihrem durchschnittlichen Weltranglistenplatz drei Monate nach dem Ausfall. Maria wurden nach ihrer zweiten Schwangerschaft (sie hat eine acht- und eine einjährige Tochter) schnell wieder fit und für ihre frühere Rückkehr bestraft: Sie bekam nur acht gesicherte Turnierstarts zugesprochen.

Das Problem sei laut Maria aber, dass jede Schwangerschaft anders verlaufen würde. Ein Grund, warum schon seit Jahren die bis dato ungehörte Forderung laut wird, dass zurückkehrende Tennis-Mütter die Möglichkeit erhalten sollten, zumindest für zwölf Monate ein Protected Ranking in Anspruch nehmen zu dürfen. Was der aktuellen Nummer 114 der Rangliste zusätzlich aufstößt: Während bei den Herren das "Protected Ranking" bei allen vier Grand Slams angewendet werden darf, gilt selbiges auf der Damen-Tour nur für zwei Major-Turniere.

Colsanitas Cup Bogota WTA, Tennis Damen Tournament The final of the Colsanitas Cup presented by Zurich will be between L
Marias Kinder fieberten auf der Tribüne mit
© (c) IMAGO/NurPhoto (IMAGO/Vannessa Jimenez G)

Ein weiteres, oft kritisiertes Problem: Zurückkehrende Mütter dürfen zwar auf das "Protected Ranking" zurückgreifen, verlieren aber nach über einjähriger Abwesenheit ihre Punkte und haben keinen Anspruch auf eine Setzung. So passierte es etwa 2018 in Miami, dass Serena Williams nach der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia bei ihrem Wiedereinstieg als Ungesetzte gleich in der ersten Runde auf Naomi Osaka traf und verlor. "Im Moment behandeln wir Mutterschaft als Strafe", gab Miami-Turnierdirektor James Blake damals zu Protokoll und betonte: "Es wird Zeit für die WTA, ihren Regelkatalog in dieser Frage zu ändern".

Schwangerschaft erst nach der Karriere

Doch hat sich in dieser Hinsicht bis dato noch nichts getan. Ebenso wie bei der Frage, ob die WTA nicht schwangere Athletinnen finanziell unterstützen sollte. So trifft schwächer gereihte Spielerinnen eine Auszeit aufgrund einer Schwangerschaft weit härter als etwa Williams. Während die 23-fache Grand-Slam-Siegerin finanziell abgesichert ist und bei jedem Turnier eine Wildcard erhält, müssen schwächere Spielerinnen wieder quasi bei null anfangen. Ein Grund, der viele dazu veranlasst, den Kinderwunsch gezwungenermaßen auf die Zeit nach der Karriere zu verschieben.

Nachgefragt bei Peter-Michael Reichel, Europas Vertreter im "WTA-Board of Directors", zeigt sich der Österreicher über die aktuelle Situation verwundert. "Es gibt diesbezüglich keine eigenen Regeln, in den vergangenen Jahren ist dieses Thema aber auch nie im Board aufgetaucht. Und das, obwohl wir dort drei Frauen sitzen haben." Nachsatz des 69-Jährigen: "Ich finde das Thema spannend und werde mich dem annehmen."

Mama Bammer hatte eine erfolgreiche Karriere

Dass Profisport und Muttersein gleichzeitig möglich sind, hat eine Österreicherin bewiesen. Sybille Bammer bekam bereits mit 21 Jahren ein Kind, spielte danach noch zehn Jahre auf der Tour und schaffte es in der Weltrangliste bis auf Position 19. Dabei begleitete sie Tochter Tina immer wieder auf ihren Reisen zu den Turnieren auf dieser Welt.