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Handball-EMDer Kumpel gab Österreich das Selbstvertrauen

Die Analyse zur Handball-EM: Österreich verabschiedet sich heute mit dem Spiel gegen Weißrussland (ORF eins, 18.15 Uhr) von der Heim-EM. Das Team wusste zu begeistern, bekam aber auch die Grenzen aufgezeigt.

HANDBALL - EHF EURO 2020
Ales Pajovic und Keeper Thomas Eichberger © GEPA pictures
 

Einmal darf Österreichs Nationalmannschaft die EM-Bühne heute gegen Weißrussland (ORF eins live, 18.15 Uhr) noch betreten. Mit dem letzten Spiel in der Hauptrunde können sich Nikola Bilyk und Co. vom Publikum verabschieden und mit einem Punktgewinn das beste Ergebnis von Österreichs Herren bei einer EM-Endrunde einfahren. Nach Niederlagen gegen Kroatien, Spanien und einer ganz bitteren gegen Deutschland ist es die große Chance, noch einmal zu zeigen, was in ihnen steckt. Das haben sie über weite Strecken schon getan.

In der Vorrunde etwa. Da nutzte Österreich die Gunst der Stunde in der vermeintlich leichtesten, aber auch ausgeglichensten Vorrundengruppe. Auf der Welle der Euphorie wurden drei Siege gegen Tschechien (32:29), die Ukraine (34:30) und Nordmazedonien (32:28) eingefahren. Trainer Ales Pajovic bewies mit Formationsvarianten taktisches Geschick und die Spieler setzten vor allem in der Deckung die Vorgaben perfekt um. Zudem setzte sich mit Zweierkeeper Thomas Eichberger einer in Szene, von dem man das vorher nicht in dieser Form erwarten konnte. Mit seinen emotionalen Ausbrüchen und starken Aktionen avancierte er zu einem Publikumsliebling. Zudem lieferte Janko Bozovic erstmals eine konstant starke Leistung auf der rechten Aufbauposition ab. Der sensible Linkshänder ist einer jener Spieler, die unter dem Trainer zu Selbstvertrauen und neuer Stärke gefunden haben. Pajovic sieht sich mehr als "Kumpel denn als Trainer", arbeitet lösungsorientiert und ruhig. Das tut der Stimmung gut und das Team wirkt eingeschworen wie lange nicht mehr.

Pajo ist ein Kumpeltyp, kann aber auch sehr streng sein, und diese Mischung macht es aus.

Janko Bozovic

Durch den Erfolg steigerten sich Druck und Erwartungshaltung für die Hauptrunde. Im Konzert der Großen ist es gegen die Turnierfavoriten Spanien und Kroatien trotz Niederlagen (noch) beachtlich gelaufen, doch spätestens das Deutschland-Spiel brachte Österreich ans Limit. Es wurde deutlich, dass es an der Breite im Kader fehlt. Pajovic’ erster Anzug trägt die Hauptlast bei der EM und zollte den hohen Anstrengungen von fünf Spielen in elf Tagen Tribut. Bilyk (268 von 360 möglichen Spielminuten/39 Tore), Janko Bozovic (279/29), Gerald Zeiner (143/10), Fabian Posch (300/19), Robert Weber (295/30) und Sebastian Frimmel (241/15) sorgten für 142 der insgesamt 169 Tore und bekamen kaum Pausen. Sie waren 70,6 Prozent der Gesamtzeit aller Feldspieler auf dem Kunststoffboden.

Um künftig über die Dauer eines gesamten Turniers besser bestehen zu können, braucht es eine stärkere Bank. Das große Fragezeichen ist, ob dafür tragende Rollen in den heimischen Ligen reichen. Die haben die meisten Spieler nämlich schon inne. "Es wäre gut, wenn die heimischen Vereine auch wieder international spielen, um diese Erfahrungen zu machen", sagt Sportdirektor Patrick Fölser, "auf diesem Niveau braucht man einfach internationale Härte, denn das ist natürlich deutlich höher als in der heimischen Liga. Das würde nicht nur dem Team, sondern dem ganzen österreichischen Handball helfen." Vielleicht war die EM für ein paar Spieler auch die Rutsche ins Ausland. So überraschte neben Eichberger (er hatte schon vor der EM zwei Angebote aus der 2. deutschen Liga) auch Zimmerkollege Lukas Hutecek mit 19 Jahren durch starke Leistungen. Eine Maßnahme des ÖHB könnte künftig sein, dass man neben der Betreuung der acht Nationalmannschaften auch Spitzenspieler gezielt fördert.

Vor einem Jahr war die Stimmung nach der Schlappe bei der WM im Keller und auch die EM 2018 endete in der Vorrunde punktlos. Bei aller aufkommenden Euphorie ist es nicht Österreichs Anspruch, Kaliber wie Spanien oder Deutschland routinemäßig zu schlagen. Das wird er wohl auch künftig nicht sein. Es gilt, sich konstant für Großereignisse zu qualifizieren, dort ein Kandidat für die Hauptrunden zu sein und eventuell punktuell zu überraschen.

Das und nicht mehr war es auch, was der "goldenen Generation" rund um Viktor Szilagyi nach der erfolgreichen Heim-EM 2010 gelungen ist. Damals wurde Österreich in Wien Neunter, und heute winkt immerhin Platz sieben. "Während der EM hat man nicht genug Zeit, die eigene Leistung detailliert zu analysieren, da muss man sich auf den nächsten Gegner vorbereiten", sagt Pajovic (Vertrag bis Juni 2021). "Das mache ich nach der EM und dann entscheide ich, in welche Richtung ich gehen will."

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