Dass sich Profivereine oder sogar Ligen von ihren jeweiligen Fachverbänden lösen wollen, ist im Sport nichts Neues. Die Fußball-Bundesliga oder auch die Eishockeyliga haben diesen Schritt bereits vor vielen Jahren mit Erfolg gewagt, kapselten sich mehr oder weniger von den teilweise starren und nicht mehr zeitgemäßen Verbandsstrukturen ab und genießen nunmehr ihre Eigenständigkeit. Der offensichtliche Hauptgrund dieser Tendenz ist, wie so oft, finanzieller Natur. Eigene Vermarktung, selbstverwaltete Organisation oder auch Streaming- bzw. TV-Rechte, die untereinander aufgeteilt werden, spielen dabei eine wesentliche Rolle.

In den letzten Monaten wurden auch die Abnabelungspläne der Austrian Volley League (AVL) immer konkreter. Zu diesem Zweck wurde auch ein eigener Verein gegründet, der die Klubs nun offiziell bei den Gesprächen mit dem ÖVV repräsentiert - zumindest acht der zehn Organisationen der AVL. Der TSV Hartberg und UVC Graz haben sich noch nicht zu den Plänen ihrer Liga-Konkurrenten durchgerungen, warten die Entwicklungen einmal ab.

„Wir sind grundsätzlich mit der Arbeit zufrieden, die der ÖVV leistet. Außerdem geht so eine große Veränderung nicht von heute auf morgen, eine Schnellschussaktion unterstützen wir in Hartberg nicht“, erklärt TSV-Geschäftsführer Markus Gaugl und findet somit ähnliche Worte, wie UVC-Manager Frederick Laure. „Es gibt noch viele Unklarheiten und wir sind zufrieden mit dem Verband. „Wir wollen die Liga professioneller machen und niemanden ausschließen. Die Vereine wurden vom Verband in den letzten Jahren bei keiner Entscheidung miteinbezogen. Wir zahlen immer nur ein, bekommen aber nichts zurück. Kein Klubvertreter sitzt in einem Ausschuss oder Gremium des Verbandes“, argumentiert Aich/Dob-Manager Martin Micheu.

ÖVV-Geschäftsführer Philipp Seel steht den Plänen prinzipiell offen gegenüber, warnt aber auch: „Wir hatten bereits konstruktive Gespräche, es gibt aber auch noch viele offene Punkte. Der Verband hat rechtliche Verantwortung, es gibt Statuten, die einzuhalten sind und vieles mehr. Bis zu Beginn der nächsten Saison ist, meiner Meinung nach, eine eigenständige Profiliga nicht umsetzbar. Das ist ein Prozess über mehrere Jahre.“

Erwartungsgemäß anderer Meinung ist Micheu, der „ein Hinauszögern“ seitens des Verbandes ortet. „Wir haben bereits ein Konzept vorgelegt, haben viele erfahrene Funktionäre in unserer Gruppe. In den letzten Jahren ist über uns alle drübergefahren worden, wir hatten keinerlei Mitspracherecht, daher herrscht eine allgemeine Unzufriedenheit in den Klubs“, erklärt der Aich/Dob-Boss, betont aber auch: „Es gibt keinen Krieg, wir wollen uns einigen und wären sogar bereit, Personal vom Verband für die Organisation der Liga zu übernehmen.“