Im Rahmen der Missbrauchsvorwürfe gegen einen mittlerweile beurlaubten Trainer im heimischen Tischtennisverband, die zu einem Förderstopp und dem Rücktritt von Vizepräsidentin Sport Liu Jia geführt haben, nahmen nun die Landesverbände Burgenland, Niederösterreich, Steiermark und Vorarlberg Stellung. Darin kritisiert man das Verhalten der ehemaligen österreichischen Europameisterin schwer. „Wir bedauern den Rücktritt der Vizepräsidentin Sport, möchten aber dazu wie folgt Stellung nehmen: Jetzt zurückzutreten und zu sagen, dass die Angelegenheit des besagten Trainers vor ihrer Amtszeit passiert sei, ist für uns mehr als unverständlich. Die Aussagen in Sport am Sonntag der nun ehemaligen Sportdirektorin waren für uns schon sehr befremdend", heißt es in der Aussendung.

Und weiter: „Deshalb stellen wir angesichts uns vorliegender Beweise folgendes fest: Die ehemalige Vizepräsidentin für Sport Liu Jia war jene Person aus dem Vorstand, die mit dem involvierten Personenkreis (Trainer, Spielerinnen, Eltern) am meisten Kontakt hatte. Im Interview des ORF ist nämlich der Eindruck entstanden, dass Liu Jia erst viel später von der Causa erfahren habe und ansonsten zum Trainer keinerlei Kontakt gehabt habe und diese Angelegenheit niemals in ihre Zuständigkeit gefallen ist. Das ist aber nicht richtig!“

Elf Punkte angeführt

In weiterer Folge zählen die Landesverbände elf Punkte auf, die ihren Vorwurf untermauern sollen:

- Im Juni 2024 gelangte der Vorwurf gegenüber dem besagten Pooltrainer an die Öffentlichkeit bzw. zur Kenntnis an die Präsidenten.
- Liu Jia war von Jänner 2023 bis Frühjahr 2025 bezahlte Trainerin im Verein des Beschuldigten.
- Gleichzeitig war die beschuldigte Person in dieser Zeit, jedenfalls aber bis Sommer 2024, bezahlter Trainer in diesem Verein und hat sich im Sommer 2024 zurückgezogen und nur mehr vereinzelt Trainings abgehalten.
- Im Sommer 2024 hat sich der ÖTTV aufgrund der Vorwürfe von dem Beschuldigten getrennt.
Liu Jia war von 03.01.2022 bis 31.12.2024 als Trainerin für das Nachwuchsprojekt Youth Winning Project für den weiblichen Nachwuchs eingesetzt, in enger Zusammenarbeit mit dem betroffenen Trainer.
- Am 1. Juli, nach einer kurzfristigen Suspendierung, gab es ein Gespräch mit Liu Jia (als Hauptverantwortliche für die Trainingsgruppe), mit der ÖTTV-Vertrauensperson und dem gesamten Vorstand. Das Ergebnis des Gesprächs war, dass sich Liu Jia Sorgen um den Trainer machte und gleichzeitig, wenn es tatsächlich sexuelle Übergriffe gegeben hätte, entsetzt gewesen wäre. Obwohl sie bei Hallenbad- und Infrarotkabinenbesuchen in Anwesenheit von Hammerschmid und einer weiteren Trainerin dabei war, äußerte sie zu diesem Zeitpunkt keinerlei Bedenken (die Vorwürfe waren aber bereits bekannt). Es wurde von ihr keinerlei übergriffiges Verhalten in dieser Trainingsgruppe festgehalten. Sie konnte sogar nicht verstehen, warum die Spielerinnen einerseits aufgebracht waren, andererseits das Training mit dem Beschuldigten aber einforderten.
- Das zweite Gespräch fand mit Pasalic, der Kärntner Landestrainerin, statt, die mit dem Trainer gemeinsam im Ausland die U15-Mädchen betreute. Dabei bemerkte sie, dass die Spielerinnen in verschiedenen Gesprächen über Distanzprobleme des Trainers mit den Spielerinnen berichteten. Von ihr wurde allerdings auch geschildert, dass die Mädchen den Trainer sehr schätzen würden und einforderten, mit ihm weiterhin trainieren zu wollen. Ebenso wurde laut ihr von verschiedenen Nachwuchs-Spielerinnen weiter der Kontakt zu Hammerschmid gesucht, um mit ihm diese Situation zu besprechen. Als sie die Angelegenheit mit Liu Jia besprochen hat, wurde Liu Jia von Emotionen getragen sehr laut. Die Gespräche mit den Spielerinnen beurteilte sie als komisch, da diese immer in verschiedenen Richtungen gegangen seien. Es habe mögliche Distanzprobleme gegeben, aber das Vertrauen als Trainer in sportlichen Belangen würde weiter bestehen.
- Aufgrund der unübersichtlichen Lage, ob die Mädchen in Gegenwart dieses Trainers überhaupt noch leistungsbereit sind, wurde der Trainer vom Vorstand des ÖTTV endgültig als Pooltrainer bei den Mädchen abgezogen und stattdessen wurde Liu Jia wieder eingesetzt.
- Weiterhin wurden im gleichen Verein Trainings mit verschiedenen Spielerinnen von beiden durchgeführt und der Trainer war nach wie vor Sportdirektor im Niederösterreichischen Tischtennisverband.
- Die Periode des neuen Vorstandes des Vereins, in dem der Trainer seine Tätigkeit ausgeübt hat, begann im Juni 2025. Dabei wurde einstimmig der neue Vorstand über die Generalversammlung des Vereins gewählt und der Trainer wurde als Sportdirektor Spitzensport bestellt. Eine Gruppe von Spielern ist danach zum Bundesleistungszentrum Stockerau übergetreten.
- Ein zufälliges Aufeinandertreffen dieses Trainers mit den seinerzeit trainierten Spielerinnen wurde von den Medien im November 2025 neuerlich aufgegriffen und behauptet, dass es belastendes Videomaterial und Chats gäbe. Dadurch ist das Thema im ÖTTV wieder aufgeschlagen. Um die Angelegenheit rechtlich abklären zu lassen, wurde vom ÖTTV die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Verbände stehen hinter Präsidenten

Aufgrund der Auflistung dieser Tatsachen sei es laut den Landesverbänden verwunderlich, dass sich die zurückgetretene Liu Jia von dieser Causa distanziere, hätte sie doch über lange Zeit den Kontakt mit der beschuldigten Person aufrechterhalten und auch danach in ihrer Zeit als Sportdirektorin keinerlei Aktionen zum Schutz der Mädchen gesetzt. Weiters betonen die vier Verbände, hinter ÖTTV-Präsidenten Wolfgang Gotschke zu stehen, dessen Rücktritt ihrer Meinung nach zu Unrecht gefordert würde. „Wir unterstützen seine Forderung nach einer transparenten Aufarbeitung dieser Causa mit dem vom Vorstand eingesetzten Care- & Compliance-Ausschuss.“, heißt es in dem Schreiben.